Das Konzept der Psychologischen Spiele in der Transaktionsanalyse

Teil 5: Ausgewählte Psychologische Spiele für die Konfliktberatung

Gerichtssaal; Tumult; überbelastet; wenn du nicht wärst u.a.m.

Einleitung

Die Psychologische Spiele sind ein Konzept der Transaktionsanalyse, das sich mit kommunikativen Muster manipulativer Natur beschäftigt. Zumeist sind diese Psychologischen Spiele destruktiver Natur. Schon Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse hat dieses Konzept maßgeblich entwickelt. Mit seinem – man kann schon sagen – Bestseller „Spiele der Erwachsenen („Games People Play“, 1964) hat er maßgeblich den frühen Erfolg der Transaktionsanalyse als Schule der Humanistischen Psychologie herbeigeführt.

In diesem fünften und letzten Teil unserer kleinen Beitragsreihe geht es um einzelne Spiele, die großteils bereits Berne beschrieben hatte und die wir hier anhand der Konzeption des Dramadreiecks sortiert haben. Mithilfe von sog. Sprungmarken, Links, mit denen Sie zu den einzelnen Spielen springen können und dann per „top“-Link zurück, können Sie, liebe Leserin und Leser, ganz nach Belieben unsere kleine fünfteilige Reihe zu den Psychologischen Spielen abschließen.

Über Feedback und Weiterempfehlungen freuen wir uns natürlich.

Kleine Beitragsreihe zu den Psychologischen Spielen der Transaktionanalyse:

1. Retterspiele

Psychologische Spiele können aus der Retterrolle begonnen werden. Die kommunikative Signalwirkung („Einladung“) richtet sich an potentielle Spielkandidaten, die die Rolle der Verfolger oder Opfer übernehmen „wollen“. Diese Terminologie orientiert sich anhand der Konzeption des Dramadreiecks, die wir bereits vorgestellt hatten.

Blogbeitrag zum Dramadreieck

a) Ich wollte dir doch nur helfen.

These
Die vermeintlich rettende Person agiert mit der Vorstellung, dass niemand letztlich das macht, was sie ihm rät. Und dabei macht die rettende Person so tolle Vorschläge.

Nutzen
Der vermeintlich rettenden Person gelingt es, eigene Unzulänglichkeit zu überspielen, den Fokus auf die Inkompetenz der anderen zu lenken und sich nicht mit sich und eigener Schuldgefühle rumzuschlagen. Zudem lässt es sich gut fühlen oder entlastend bestürzt sein, die Undankbarkeit der anderen zu erleben.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Die rettende Spieleröffnung sind übertriebene Hilfsangebote und ungefragte Ratschläge. Das kann von überzogenen Angeboten („Du kannst mich jederzeit anrufen.“) bis hin zu plumpen Vorschlägen (“ Also, wenn du mich fragst, …“).

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Wie lässt sich darauf antithetisch reagieren, um nicht in der Opferrolle oder Verfolgerrolle zu agieren? Nun, es reicht vollkommen, die Ratschläge und Hilfsangebote höflich, aber entschieden abzulehnen. Auf Antworten, denen die Frage fehlt, lässt sich in aller Regel kurz und bündig reagieren: „Ich werde über deinen Vorschlag nachdenken“, reicht vollkommen aus.

Soweit es im Folgenden zu einem Rollenwechsel kommt, sollte auf keinen Fall versucht werden zu retten – also das psychologische Problem(?), das sich in der Spieleinladung gezeigt haben sollte, jetzt „reflektierend“ oder dergleichen zu lösen.

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b) Du Ärmste(r)

These
Die rettende Person hegt (unbewusst) die Vorstellung, dass der andere sein Leben nicht wirklich und richtig leben könne.

Nutzen
Indem voller Mitleid oder dergleichen klebender Gefühle auf die (vermeintlichen) Schwächen und Unzulänglichkeiten des anderen reagiert wird, lassen sich auch bei diesem Spiel die eigenen Schwächen, soweit sie überhaupt wahrgenommen wurden oder werden, erträglich erscheinen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Übertriebenes Mitgefühl, klebriges Mitleid(en) und dergleichen dienen als Auftakt.

  • „Du Ärmste(r), das muss ja furchtbar sein.“
  • „Ich an deiner Stelle wäre am Boden zerstört.“
  • „Du siehst ja schrecklich mitgenommen aus.“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Wie lässt sich auf derartige Abwertungen reagieren, die letztlich darin zum Ausdruck kommen? Zurückweisung, ohne Pardon und Diskussion, was freilich nicht ganz einfach ist. Betonen Sie Ihre – unlängst verdeutlichte – Lösungskompetenz! Ein wichtiger Baustein dafür ist psychohygienische Präventionsarbeit: Wie habe ich meine bisherigen Krisen gemeistert? Was half mir, was war hinderlich?

Anmerkung
Werden die versteckten Abwertungen konfrontiert, besteht die Gefahr, dass Spiele gestartet werden, die einen verstärkt symbiotischen Charakterzug aufweisen

Motto:

  • Was wärest du ohne mich!
  • Was wäre ich ohne dich!

Suchen Sie sich auf jeden Fall woanders (weitere) Unterstützung.

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c) Therapie

These
Die rettende Person weiß besser, was die anderen denken, fühlen und weshalb sie aus welchen Gründen letztlich tun.

Nutzen
Auch hier gilt wie für jedes „Retterspiel“, dass die Spieleröffnung und -ausführung letztlich dazu dienen, sich mit den eigenen Problemen nicht beschäftigen zu müssen. Sie unterstützen die Selbstbestätigung, indem andere als therapienötig, aber auch -fähig diagnostiziert werden. („Wenn ich dich therapieren kann, muss ich in Ordnung sein.“)

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Häufig dienen – auch hier letztlich ungefragte – Interpretationen zu fremden Verhalten der anderen Personen.

  • „Neulich auf einem Seminar, musste ich an dich denken.“
  • „Jetzt, beim Lesen dieses hervorragenden Buches, weiß ich, was dein Problem ist.“
  • „Hast du schon mal darüber nachgedacht, wie es kommt, dass du …?!“
  • „Findest du es nicht merkwürdig, dass du …?!“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Wie lässt sich darauf reagieren, ohne selbst ein Spiel zu starten – Verfolger- oder Opferposition? Hier hilft mitunter eine klare, eindeutige Wunschformulierung, die das Problematische schlicht ablehnt, ohne die Bereitschaft darüber zu streiten.

  • „Ich mag nicht, was Du sagst, mir anhören. Lieber mag ich mit Dir jetzt etwas Schönes besprechen / unternehmen etc.
  • „Sie können aber auch das Thema aufnehmen, ohne darauf sogleich einzusteigen: „Was denkst du, was dein Anteil an dem Problem ist? Was ist dir über dich selbst klar geworden?“
  • „Das ist deine Interpretation, nicht meine!“
  • „Ich will nicht dein Patient werden. Möchtest du mich als Patient?“
  • „Was kostest du?“

Anmerkung
Transaktionsanalyse selbst, die eingängigen Konzepte, die alltägliche Sprache, die erhellende, weil psychologisierende Modellierung eignen sich besonders gut als inhaltliche Grundlage für dieses Spiel.

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2. Verfolgerspiele

Psychologische Spiele können aus der Verfolgerrolle begonnen werden. Die kommunikative Signalwirkung richtet sich an potentielle Spielkandidaten, die die Rolle der Opfer oder Retter übernehmen „wollen“.

a) Gerichtssaal

These
Die verfolgende Person geht schlicht davon aus, dass sie recht hat, dass sie zurecht anklagt, Vorwürfe erhebt und auf der richtigen Seite steht. DAs reicht aber nicht, die anderen sollen das auch bestätigen.

Nutzen
Sich im Recht fühlen, ermutigt, ist ein Moment des Triumphes, der die Niedergeschlagenheit und Mühsal kurzzeitig ungespürt erscheinen lässt. Andere runterzumachen, hilft sich erhöht zu fühlen; andere bloßzustellen, die eigene Scham zu verbergen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • „Jetzt will ich Euch mal erzählen, was … (B) … angestellt hat…“
  • „Was haltet Ihr denn davon? Wie stehst Du denn dazu?“
  • „Das darf doch nicht wahr sein, das hätte es früher nicht gegeben…!“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Gehen Sie auf keinen Fall auf den Sachverhalt ein; enthalten Sie sich einer jeden Bezugnahme auf diese Sache, auch nicht in einem Nebensatz, dass das eigentlich zweitrangig sei etc..Mitunter hilft eine provokante Frage nach dem Motto:

  • „Soll ich hier auch Ihr Richter sein?“
  • Welches Urteil hast du bereits gefällt?
  • „Sprich‘ mit ihm direkt, statt mich um eine Verurteilung zu bitten.“

Anmerkung
Mediatoren und Konfliktberater, aber auch Führungskräfte werden häufig von den Konfliktbeteiligten und Mitarbeitern in derartige Gerichtssäle gebeten.

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b) Sieh nur, was du angerichtet hast

These
Die verfolgende Person übernimmt für ein Missgeschick bzw. einen Schaden nicht die Verantwortung, weil sie davon ausgeht, dass sie nur das gemacht habe, was andere von ihr wollten. Sie übernimmt nicht die Schuld, die an sich mit der Handlung einhergeht…

Nutzen
Der Nutzen dieses Spieles ist einerseits, nicht die eigenen Ängste, die angesichts der eigenen Verantwortlichkeiten aufkommen, zu spüren – und letztlich die Verantwortung insgesamt abzuwälzen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Eröffnet kann dieses Spiel aus Verfolgerperspektive auf vielerlei Weise.

  • „Soll ich … dies oder jenes … tun?“
  • „Sag‘ mir, was ich tun soll?“
  • „Ich verlass‘ mich (ganz auf Dich).“
  • „Wenn Du das sagst, dann mach ich das so.“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Gehen Sie nicht auf die Bitte ein, einen Ratschlag zu erteilen – jedenfalls nicht, bis sie dieses Spiel ausdrücklich geprüft haben und verwerfen konnten. Sollte es dennoch zu Ratschlägen, Empfehlungen oder dergleichen gekommen sein und besteht grundsätzlich eine tragfähige (Liebes- oder Arbeits-)Beziehung, dann können Sie auch provokant-ironisch, aber liebe- und humorvoll alle Schuld übertreibend auf sich nehmen…

Anmerkung
Dieses Spiel ist wichtig für (Konflikt-)Berater*innen! Prüfen Sie, inwieweit Sie Ihren Klienten, Medianten etc. dazu animiert haben, dieses Spiel mit Ihnen spielen zu können. Ist ein Vorwurf eventuell sogar berechtigt?

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c) Tumult

These
Tumultspieler*innen gehen unbewusst davon aus, dass nur ausreichend Tumult veranstaltet werden bzw. existieren müsse, damit ein Problem nicht gelöst werden muss bzw. die Arbeit sein gelassen werden kann. Je größer der Tumult, desto größer die Distanz zwischen Problem und Lösungsdruck.

Nutzen
Der Nutzen ist deutlich, Verantwortung muss nicht übernommen werden. Zuweilen dient es auch, die mit der Verantwortung einhergehende Nähe in einer damit verbundenen Beziehung zu unterbinden.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Wilde Provokationen, maßlose Unterstellungen weisen den Weg in den Tumult, z.B. in Form von Türen zuschlagen, Wildes Umhertigern, Rumschreien etc.

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Es hilft in der Regel, das Spiel zu beenden bzw. die Einladung zur eigenen Empörung nicht anzunehmen, die bloß zum Tumult führen würde, den anderen schlicht zu paraphrasieren, zu spiegeln, was er wie gesagt hat.

(Im Fussball ist zuweilen in Klassenunterschieden die – bewusste(!) – Taktik zu sehen, das Spiel der anderen zu zerstören, indem Tumult veranstaltet wird, und in den die anderen hineingezogen werden sollen. Die Niederländer z.B. versuchten auf diese Weise vergeblich die WM 201o im Finale gegen Spanien zu gewinnen. Das Spiel wurde bekannt unter dem Titel „Spanien gegen Voetbal brutal“, in ironischer Anlehnung an Amsterdams 1970er Jahre „foetbal total“-Spiel.)

Zudem hilft es vorher(!), einen klaren Vertrag darüber schließen, nicht laut weg zu laufen, sondern das Problem gemeinsam zu lösen. Feste Zeiten vereinbaren. Der Tumult kommt zuweilen aus dem Innern hoch…und bedarf guter Ventilation.

Anmerkung
Häufig in Lernprozessen (Schule) und Ablösungsprozessen (Familie) anzufinden, aber natürlich auch in Liebes- und Arbeitsbeziehungen. Das Spiel ist freilich auch mit einer pointierten Opferrolle einfädelbar.

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d) Hab ich dich, du Schweinehund

These
Die Verfolgerperson spürt (unbewusst) die Fähigkeit, andere schlecht fühlen zu lassen und nutzt diese Handlungsstrategien, sich nicht mit eigenen Problemen zu befassen.

Nutzen
Andere zu erwischen, gewissermaßen über sie zu triumphieren, schafft Oberhand, lässt sich wie Sieg fühlen und eigene Bedeutung abringen. Dass diese Siegergefühle auf Kosten anderer gehen, die dazu nicht „ja“ gesagt haben, hindert den Nutzen zunächst einmal nicht.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Es werden Vereinbarungen (mit Hintertür) getroffen, Abreden initiiert, die von Beginn an nicht eingehalten werden konnten. Sie dienen nur dem Zwecke, die Verletzung der Vereinbarung und vorgegaukelte Enttäuschung einzuläuten. Für einen halböffentlichen Vorwurf braucht es Berechtigungen.

  • „Sag‘ mal, wolltest Du nicht…?!“
  • „Hatten wir nicht ausgemacht, dass Du…?!)
  • „Na warte, darauf habe ich nur gewartet…!“
  • „Ich wusste es, dass Du…!“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Wechseln Sie das Thema. Was ist wirklich wichtig? Was ist wesentlich? Stimmen Sie zu, wo Sie können – und klären Sie sogleich, weshalb und wofür es wichtig ist, dass der andere nun Recht bekommen hat. Wohin führt diese Vorgehensweise? Was geschieht?

Komplementärspiel

  • Tritt mich! (Opferspiel)
  • Immer ich! (Opferspiel)

Anmerkung
In Mediationen sehr beliebt, da es aufgestauten Ärger abzubauen hilft und der Mediator unter Entscheidungsdruck gestellt werden kann. So dienen nicht selten „Gesprächsregeln“ oder gar „Gesprächsvereinbarungen“ ähnlich wie in Moderationen dazu, den Mediator bzw. Moderator anzuschwärzen, wenn eine seiner Regeln nicht eingehalten werden. Zunächst wird aber der andere vor den Richterspruch gezerrt, dass er ein Schweinehund ist.

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e) Ist es nicht schrecklich! (kein Opferspiel)

These
Die Verkommenheit der anderen wird hier angeprangert ohne sich in eine Opferrolle damit zu begeben. Die Empörung schafft vielmehr Verbindung mit der vermeintlich richtigen Seite; Die Beobachtung und Beschreibung von Verelendung schafft Freunde.

Nutzen
Damit ist auch der Nutzen benannt: Gemeinsam Anklagende sind sich sympathisch. Nebenläger*innen entwickeln Mitgefühl füreinander. Identitätsstärkung durch Abwertung und Abgrenzung unter Bestätigung und Eingrenzung Gleichgesinnter.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • „Ist es nicht schlimm,…“
  • „Schau Dir an, wohin wir gekommen sind…“
  • „Kein Wunder, dass…“
  • „OMG…“
  • „…Genau mein Humor…“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Wechseln Sie das Thema, wenn Sie es nicht mehr einfach durchrauschen lassen können, was noch eine bessere Idee ist. Wollen Sie sich einlassen, dann sprechen sie die Aspekte des Themas an, die veränderbar erscheinen. Fragen Sie nach den konkreten Veränderungswünschen, den eigenen Beiträgen der Schwarzmaler etc.

  • „Was willst Du konkret dagegen unternehmen?“
  • „Was kannst Du jetzt tun?“
  • „Ich finde es schön, dass Du keine Makel hast…“

Komplementärspiel

  • Ich versuch’ ja nur zu helfen… (Retterspiel)

Anmerkung
Das Spiel kann auch aus einer Opferrolle heraus gespielt werden, so dass es weniger um Ärgergefühle geht, als um Ohnmachtsgefühle.

Weniger ein Spiel, sondern mehr ein Ritual oder Zeitvertreib ist die Klage eines Kulturpessimisten, wenn damit eine aufrechte Verbindung und Kontakt zum Gesprächspartner hergestellt werden soll.

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f) Makel

These
Ein Makel lässt sich immer finden, wenigstens ein Fehler muss aufgezeigt werden.

Nutzen
Ach, die eigene Unsicherheit und Verärgerung über die eigenen Fehler und Unzulänglichkeiten, die zermürben und verzweifelt machen, können kurzfristig „unsichtbar“ gemacht werden, wenn an anderen der Makel gefunden ist!

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Der Einstieg erfolgt mit dem Hinweis auf den Makel beim anderen, der herabsetzend wirkt.

  • „Das Kleid passt gar nicht zur Frisur…“
  • „Der ist ja nicht einmal vom Fach…“
  • „Dreckige Schuhe…, da kann das ja nichts werden…“
  • „Nicht einmal Englisch kann er…“
  • „Erst 21…, ach Herrgottchen…“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg

  • „Sie haben den Makel entdeckt, finden Sie nun auch die Vorzüge?“
  • Wir alle haben unsere Stärken und Schwächen… „
  • „Sie fokussieren einseitig auf die negativen Aspekte, die hier von untergeordneter Bedeutung sind. Ich bin raus, darauf habe ich keine Lust.“
  • „Ein Makel ist eine Besonderheit. Was gibt es zudem zu entdecken und zu berichten?“

Komplementärspiel

  • Überlastet (Opferspiel)
  • Tritt mich (O)

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g) So habe ich das nicht gemeint!

These
Der verfolgerischen Empörung, dass man das, was behauptet wird, ja nicht so gemeint habe, liegt die Idee zugrunde, die  anderen denken nur an sich und in ihrer verengten Perspektive. Man muss ja zum Verfolger werden, die Vorstellungen der anderen korrigieren, gerade rücken und für die richtige Vorstellung sorgen, weil das sonst nicht geschieht: Die Anderen denken nämlich nur an sich.

Nutzen
Mit dieser Vorstellung kommt man unweigerlich zur Schlussfolgerung, dass sie falsch und abwertend sein müssen, wenn sie nicht das verstehen, was man selbst gemeint (und auch gesagt hat!). Auf diese Weise lässt sich emotional und kognitiv die Kontrolle behalten oder zumindest die Vorstellung hegen, das gehe prinzipiell – und auf diese Weise Beziehungskomplexität abmildern. Die Erkenntnis, die anderen nicht im Griff haben zu können, v.a. in der Hinsicht, was sie über einen denken, wird „verzögert“.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • Zunächst wird vom Verfolger Aufmerksamkeit erregt;
  • Es werden in der Regel auch nicht ernst gemeinte Beziehungsangebote gemacht oder
  • sogar Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden können

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Am besten gleich von Beginn na dankend ablehnen oder zumindest im Dialog genau prüfen, worum es geht.

Komplementärspiel

  • Tritt mich! (Opferspiel)

Anmerkung
In zwischenmenschlichen Beziehungen häufig anzutreffen, um Kontrolle zu behalten. Häufig erfolgt der Wechsel zwischen Nähephase zur Zurückweisung abrupt. Der Verlauf wiederholt sich zumeist in solchen Beziehungen – und wird erkennbar.

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3. Opferspiele

Psychologische Spiele können freilich auch aus der Opferrolle begonnen werden. Die kommunikative Signalwirkung richtet sich an potentielle Spielkandidaten, die die Rolle der Verfolger oder Retter übernehmen „wollen“.

a) Dumm!

These
Solange ich dumm tue und zuweilen auch glaube zu sein („bin“), sind alle um mich herum zufrieden und guter Laune.

Nutzen
Die Dumm-These hilft vor sich, mehr noch aber vor anderen, sozusagen der eigenen sozialen Öffentlichkeit, zu rechtfertigen, dass es nicht not tut, zu denken, zu überlegen und abzuwägen, was die eigenen Probleme und Herausforderungen jetzt als persönliche Antwort benötigen; kurz, Verantwortung für sich zu übernehmen. Damit können letztlich Beachtung und Zuwendungen eingestrichen werden, die aus Mitleid erfolgen („Retterrolle“) oder aus Pflichtansprache („Verfolgerrolle“).

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Häufiges, unnötiges Nachfragen, deren Beantwortungen ganz offensichtlich nicht verarbeitet, beachtet und gewertschätzt werden. Scheinbar offensichtliches Missachten vorhandener und relevanter Informationen.

  • „Jetzt bin ich verwirrt, was ist Trumpf?“ (Skat etc.)
  • „Das verstehe ich nicht.“ (zum hundertsten Male)

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Beachten Sie nicht das Dumm-Verhalten, übergehen Sie es einfach, wechseln Sie das Thema. Lachen sie keinesfalls über diese „Dummheiten“, die „süß“, „tolpatschig“ etc. daherkommen mögen. Verweigern Sie Wiederholungen.

  • „Ich finde dein Verhalten nicht komisch.“
  • „Ich denke nicht für dich.“
  • „Bist du erfolgreich mit der Strategie, anderen vorzumachen, du seist dumm?“

Anmerkung
„Dumm-Spieler“ leben durch ihre Passivität im transaktionsanalytischen Sinne Aggressionen aus und können auf diese Weise Gespräche und Arbeitsprozesse regelrecht lahm legen.

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b) Überlastet!

These
Diese Opferrolle wird dadurch aktiviert, dass versucht wird bzw. geglaubt wird, alles sofort schaffen zu müssen. Die Opferperson bestätigt, bestärkt die Vorstellung, sie sei unersetzlich, für die Sache, die keinen Aufschub dulde. Immer und immer wieder.

Nutzen
Psychologischer Nutzen ist ein gewisser Schutz vor Nähe bzw. die unbewusste Steuerung von Nähezufuhr; ermöglicht gegen die sozialen Anforderung von potenziellen Nähepartner*innen Erschöpfung, Existenzsorgen und dergleichen ins Beziehungskampffeld  führen zu können.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • „Zuerst muss ich aber unbedingt noch…“
  • „Gleich!“ (zum -xten Male)
  • „Was ich noch alles tun muss, das willst du gar nicht wissen!“
  • „So wie du arbeitest, möchte ich mal Urlaub machen können!“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg

  • „Du darfst Dein eigenes Tempo gehen und Dir Ruhe gönnen.“ (Beziehungsstatus?)
  • „Weshalb schaffst du es nicht, damit aufzuhören, wenn du merkst, dass du es nicht schaffst?“
  • „Ich möchte nicht wissen, wann du nicht kannst, sondern wann du Zeit hast.“

Anmerkung
Unter Passivitätsgesichtspunkten handelt es sich um eine Form der Agitation; nicht selten „motiviert“ im Unbewussten eine angenommene Bannbotschaft namens „Schaffe es nicht!“ oder „Nimm dich nicht wichtig!“, die sich im inneren Antreiber von „Sei perfekt!“ oder „Sei immer stark!“ äußert.

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c) Tritt mich!

These
„Immer ich?!“ oder „Wieso passiert das immer mir?!“ oder „Schon wieder ich?!“

Nutzen
Die provozierte, regelrecht aufgesuchte Ablehnung bestätigt Glaubenssätze, persönliche („unbewusste“) Vorannahmen. Die eingeheimsten negativen Zuwendungen sind subjektiv besser, als das Risiko, gar keine Zuwendung zu erlangen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
(Ver-)störendes, sozial deplaziertes Verhalten sind passende Spieleinladungen, nerviges Auftreten, penetrantes Agieren. (Aktuell, wenn diese Zeilen geschrieben werden, gibt #JanaausKassel ein passendes Beispiel ab.

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
No giving compliments by fishing, heißt es schon seit jeher. Bitte, keine Selbstabwertungen in meiner Nähe. Das gefällt mir nicht, wenn Sie sich selbst herabsetzen. Hören Sie bitte damit auf. Das gefällt mir nicht, was sie tun, aber ich werde Sie dafür nicht maßregeln.

Anmerkung
Häufig gespielt von Leuten, die keine Idee von und Erfahrung mit positiven Zuwendungen haben.

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d) Wenn du nicht wärest

These
Wenn da nicht immer eine bestimmte Person wäre, dann könnte die verfolgerische Person loslegen und wäre nicht gehindert.

  • „Wenn Du nicht immer arbeiten müsstest, dann könnte ich mit Dir tanzen gehen…“
  • „Wenn Du nicht immer…, dann könnte ich….was ich schon immer wollte…“

Nutzen
Dank dieses „personellen Hindernisses“, auf das die verfolgerische Person die Verantwortung abschieben kann, wird die eigene Angst, Aufgeregheit, Verzagtheit nicht gespürt und wahrgenommen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • „Wenn Du nicht so viel arbeiten würdest, könnte ich auch mal…“
  • „Wenn Du nicht geboren wäret, hätte ich…machen können.“
  • „Wenn ich nicht in Deinem Team angefangen hätte, wäre ich heute…“
  • „Es war von Beginn an klar, dass Du mich nicht unterstützen…“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg

Gehen Sie nicht auf den versteckten oder offensichtlichen Vorwurf ein, fragen Sie nach den Wünschen, Bedürfnissen und gefühlten Hindernissen – ohne retten zu wollen. Verdeutlichen Sie, wo welche konkreten Verantwortlichkeiten bestehen.

  • „Was waren denn ihre Gründe, in meinem Team angefangen?“
  • „Wer, ich?“
  • „Weshalb bist Du dann noch hier und gibst Dich mit mir ab?“
  • „Was brauchst Du, um loszulegen?“
  • „Wie kann ich Dich unterstützen?“
  • „Ja, es ist wirklich schwer, den ersten Schritt zu gehen.“

Komplementärspiel

  • Ich Ärmste*r…
  • Ich versuche nur, Dir zu helfen…

Anmerkung
Bei sog. Angstvermeidungsspielen ist es regelmäßig der Fall, dass die Angst im Verborgenen weiter wirkt – und rationalisiert wird. Werden Sie deshalb aber nicht zum Retter oder Verfolger!

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e) Holzbein

These
„Schauen Sie, ich habe… ein Holzbein/ eine schwere Kindheit gehabt / zwei linke Hände… – von mir können Sie nicht mehr erwarten.

Nutzen
Ausreden als sicht- und erklärbare Gründe, dass man keine Verantwortung für die eigene Situation übernehmen muss. Angstbesetzte Situationen können verständlicherweise vermieden werden, Bedauern, Mitleid durch andere, aber auch übertriebener Support und dergleichen werden angesogen.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle

  • „Sehen Sie, ich würde ja gerne, aber ich habe …ein Holzbein…“
  • „Was ich noch erwähnen muss, ich kann nicht vor Menschen reden (ich bekomme Flecken, Hustenanfälle etc.)“
  • „Nun, ich kann kein Englisch, ich komme aus dem Osten…(aber Russisch kann ich auch nicht, wird ja seit zwanzig Jahren nicht mehr benötigt.)“
  • „Das wäre nicht passiert, wenn ich nicht (ein Holzbein hätte)“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Nicht hinhören, durchrauschen lassen, Thema wechseln.

  • „Und, was werden Sie tun?“
  • „Sie entscheiden sich dagegen?“
  • „Ich bin überzeugt, dass Sie ihr bestes auch mit einem Holzbein geben können.“
  • „Was möchten Sie? Ich verlange von Ihnen persönlich nichts.“

Komplementärspiel
Makel Ich versuche ja nur, Dir zu helfen

Anmerkung
Auch bei diesem verfolgerischen Spiel handelt es sich um ein Angstvermeidungsspiel; Holzbein kann eine Krankheit sein oder ein lästiger Makel, aber auch übertriebene Verpflichtungen und gesellschaftliche Umstände (Arbeitsanfall!)

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f) Schlemihl

These
Ich kann Chaos verbreiten und mir wird dennoch vergeben.

Nutzen
Zum einen kann der Spieler seine Aggressionen abbauen, zum anderen erhält er auch noch erleichternde Vergebung.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Tollpatschigkeit, Taktlosigkeit, Ungeschicklichkeit

  • „Ups, wie konnte mir das nur wieder passieren…“
  • „Oh, können Sie mir das nochmal verzeihen…“
  • „Bitte, können Sie das nochmal entschuldigen…“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg

  • „Ich bin verärgert und erwarte Wiedergutmachung.“
  • „Nein, ich entschuldige ihr Verhalten nicht.“
  • „Hören Sie auf, sich auch noch selbst zu entschuldigen.“
  • „Ich nehme ihre Selbstentschuldigung nicht an.“
  • „Wie werden Sie den Schaden beseitigen?“
  • „Mögen Sie auch noch das hier kaputt machen?“

Anmerkung
Verdecktes Ausagieren aggressiver Impulse gelingt hier dem „Täter“ in der Maske des „Opfers seiner selbst“…Der wahre Triumph ist aber, dass er dafür nicht zur Verantwortung gezogen wird, obschon das prinzipiell möglich ist – das verleiht ihm Macht. Die anderen „belässt“ er in ihrer gönnerhaften Haltung.

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g) Ich Ärmste(r)

These
Weil ich hilflos bin, sollen/müssen die anderen meine Probleme lösen.

Nutzen
Eigene Verantwortung muss nicht übernommen werden, Mitleid und Unverstandensein durch „rettende“ andere.

Eröffnung, Einladung, Attraktive Falle
Die Erläuterungen zum persönlichen Drama klingen jammernd, übertrieben hilflos und eng (Ohnmachtsübermaß)

  • „Es ist einfach alles zu viel für mich…“
  • „Das schaffe ich niemals…“
  • „Ich bin völlig allein und überlastet…“

Antithese, Ablehnung, Nichteinstieg
Ratschläge und Hilfestellung werden in diesem Spiel nicht erbeten und sind zumeist nicht gefragt, sondern erwachsen aus „Retter-Impulsen“. Deshalb ist es wichtig, die eigene Unterstützung der anderen Person auf vertragliche, also verträgliche Füsse zu stellen, um sich nicht zu verheben.

  • „Was benötigen Sie, um sich selbst zu helfen?“
  • „Wie würden Sie sich am besten selbst helfen?“
  • „Möchtest Du Dich bei mir ausweinen? Benötigen Sie von mir Trost?“

Komplementärspiel
„Du Ärmste*r!“

Anmerkung
Das Spiel soll häufig dazu dienen, die Umbrüche im Leben ohne eigene Veränderungen und vor allem Verantwortungszuwächse zu überstehen.

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  • Berne, Eric: Games people play, New York 1964 (deutsch: Spiele der Erwachsenen, 20. Auflage, Hamburg 2001);
  • Cornell, W.F. / Graaf, A. de /  Newton, T. / Thunnissen, M.: Into TA. A comprehensive Textbook on Transactional Analysis, London 2016.
  • English, F.:  Transaktionsanalyse. Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen, Salzhausen 2001.
  • Stewart, Ian / Joines, Vann: Transaktionsanalyse. Eine Einführung, Freiburg 2010;
  • Christoph-Lemke, Charlotte: Psychologische Spiele – eine erweiterte Betrachtung für Analyse und Intervention, in: Lesebuch zum 11. DGTA-Kongress, 1990, S.109 – 126.
  • Gührs, M./Nowak, C.: Das konstruktive Gespräch. Ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse, 7. Auflage, Meezen 2014;
  • Weigel, Sascha: Konfliktmanagement in der Verwaltung des aktivierenden Verwaltungsstaates mit Transaktionsanalyse und transaktionsanalytisch fundierter Mediation, Berlin 2012.