Das Konzept der Psychologischen Spiele in der Transaktionsanalyse

Teil 3: Verbindungen zu anderen Konzepten der Transaktionsanalyse

Zusammenhänge der Psychologischen Spiele zur Konzeptlandschaft der Transaktionsanalyse

Die Psychologische Spiele sind ein Konzept der Transaktionsanalyse, das sich mit kommunikativen Muster manipulativer Natur beschäftigt. Zumeist sind diese Psychologischen Spiele destruktiver Natur. Schon Eric Berne, der Begründer der Transaktionsanalyse hat dieses Konzept maßgeblich entwickelt. Mit seinem – man kann schon sagen – Bestseller „Spiele der Erwachsenen („Games People Play“, 1964) hat er maßgeblich den frühen Erfolg der Transaktionsanalyse als Schule der Humanistischen Psychologie herbeigeführt.

In diesem dritten Teil unserer kleinen Beitragsreihe soll es um die Zusammenhänge und Verbindungslinien zu den anderen transaktionsanalytischen Konzepten gehen.

Kleine Beitragsreihe zu den Psychologischen Spielen der Transaktionsanalyse:

Das Konzept der Psychologischen Spiele ist nicht nur ein „Gründerkonzept der TA“, sondern auch eine ihrer tragenden Säulen, auf dem das Haus der Transaktionsanalyse gebaut ist. 

Neben der Spielanalyse zählen dazu die Transaktionsanalyse (i.e.S.), die Skriptanalyse sowie die Ichzustands- bzw. Strukturanalyse.

So verwundert es nicht, dass die Analyse der Psychologischen Spiele auch andere Konzepte der Transaktionsanalyse streift, ergänzt oder benötigt, um überhaupt Psychologische Spiele zu erkennen. Zum Letzten gehört etwa die Kenntnis der Doppelbödigen Transaktionen, also der psychologischen und sozialen Ebene in der Kommunikation – und damit die Kenntnis der funktionalen Ichzustände und der Transaktionsanalyse i.e.S., die sich mit dem Kommunikationsprozess beschäftigt.

1. Con + Gimmick

Haken, Köder, Attraktive Falle,…aber auch Öse, Spielanfälligkeit und Spielinteresse lassen sich mit dem Spielverständnis von Christoph-Lemke nicht mehr eindeutig Personen zuordnen, sondern sind lediglich die Folge einer Interpunktion des Beobachters. Beide Personen in einem Spielablauf sind sowohl Fallensteller, als auch Fallentapser. Beide spielen zusammen jeweils ihr persönliches Spiel. Darum geht es Ihnen (unbewusst), so dass hier freilich Skriptthemen aufscheinen, Bezugsrahmen verdeutlicht oder zumindest kommunikativ abgesteckt werden.

Berne hatte zu Beginn noch den Auftakt zu „einem“ Psychologischen Spiel abgegrenzt zu Operationen, in dem er jenen die mangelnde Unbewusstheit zuschrieb und schon verdeutlichte, dass die Aktion einer Operation keine psychologische Ebene i.S.d. Verdeckten Transaktion aufweisen würde. Darauf wird noch zurückzukommen sein. Von einem Manöver sprach Berne hingegen, wenn die kommunikative Falle bewusst gestellt wird und insofern böse, ironische oder sonstige Absichten zum Tragen kamen.

2. Responses

a. Verdeckte Transaktionen

Responses sind über die Dauer ihres Aufkommens jeweils Verdeckte Transaktionen.

Verdeckte Transaktionen gehören zum Konzept der Transaktionsanalyse im engeren Sinne (i.e.S.) wie die parallelen und gekreuzten Transaktionen.

Verdeckte Transaktionen beschreiben das Phänomen, dass auf zwei Ebenen kommuniziert wird, auf einer sozialen, offenen Ebene und auf einer psychologischen, verdeckten Ebene. Maßgeblich für den Fortgang der Interaktion zwischen den Beteiligten, ihr Wohlbefinden und ihr Miteinander ist dabei die psychologische Ebene. Sie umfasst die gesamte Beziehungsebene, wie es bei Watzlawick heißen würde. Im Konzept von Schulz von Thun, dem Vier-Ohren-Münder-Modell würden die Beziehungs-, Appell- und Selbstoffenbarungsebene erfasst sein.

b. Funktionsmodell der Verhaltensmodi

Die Transaktionsanalyse schafft es, all diese Formen von Kommunikationen grafisch mit Hilfe ihres Funktionsmodells von Ichzuständen darzustellen, nicht mit dem Strukturmodell, da ausschließlich das Funktionsmodell bestimmte Verhaltensmodi und damit Kommunikationsverhalten darstellt.

Hier zum Beispiel handelt es sich um eine verdeckte Transaktion in der Arbeitswelt. Die verdeckte Ebene ist häufig an Tonfall, Gestik und Mimik erkennbar und deshalb grafisch nicht vollends darstellbar.

Transaktionsanalyse Mediation

c. Ersatzgefühle und Ausbeutungstransaktionen

Emotional besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die verdeckten Transaktionen der Beteiligten durchgehend mit Ersatzgefühlen (Rocket-Gefühle) besetzt sind. Das ist ein TA-Konzept, das vor allem Fanta English ausgearbeitet hat das auch ihre Sicht auf Psychologische Spiele geprägt hat.

Blogbeitrag: Ersatzgefühle in der Mediation

English betont für die Analyse Psychologischer Spiele, dass der Spielgewinn für die Beteiligten (s.u.) lediglich ein Trostpreis sei, weil es den Beteiligten eher darum geht, Ihr Drama aufzulösen und „echte“, statt Ersatzgefühle zu erleben. Aus diesem Grunde unterschied sich weitergehend im Kontext der verdeckten Transaktionen und trat generell für eine Differenzierung zwischen Psychologischen Spielen und Ausbeutungstransaktionen („ersatzgefühldurchränkte Transaktionen“) ein (vgl. English, 2001, 116).  Bedeutsam wird diese abweichende bzw. weitergehende Differenzierung zwar erst zum Abschluss eines Spieles, den English aus ihrer Perspektive eben als Trostpreis qualifizierte. Trostpreis deshalb, weil der eigentliche Gewinn bereits in den Strokes der Ausbeutungstransaktionen zu erkennen ist und nicht erst, wie Berne betonte, in den schlechten Gefühlen zum Abschluss eines Spiels.

3. Switch + Crossup + Payoff

a. Dramadreieck und Game-Pentagon

Das Dramadreieck aus dem transaktionsanalytischen Konzeptverbund ist derart bekannt, dass es fast schon wieder eine Nachricht wert ist, dass es eine (alternative) Darstellungsform für Psychologische Spiele ist. Stephen Karpman hat hier in prägnanter Weise die Dynamik von Spielen skizziert. Das ist so eingängig, dass dieses Modell weit über die TA-Kreise (kleiner Insider-Joke ;-)!) hinaus bekannt ist.

Das Game-Pentagon von Summerton greift den Grundgedanken des Dramadreiecks auf und bettet es in organisationale Dynamiken mit ein.

Diese beiden Konzepte, die sich vor allem auf die Dynamik der Konflikteskalation“ konzentrieren“, ermöglichen eine tiefere Einsicht in die Spielsituation des Rollenwechsels (switch). Dabei verleiten sie weniger dazu als die Bernesche-Spieleformel, die (kommunikations-)psychologischen Ursachen für diese Rollen- bzw. Ichzustandswechsel zu ergründen. Das wäre auch lediglich in einer Therapie oder Selbsterfahrungsberatung sinnvoll.

Für die Konfliktdynamik hingegen und das Verständnis, welche organisationalen bzw. systemischen Auswirkungen diese Wechselsituation für die Konfliktkommunikation hat, eignen sich diese beiden Konzepte hervorragend – und bieten viele Ansätze, die Situation mit innerem Abstand zu betrachten. Neue Ideen sind dann nahezu zwangsläufig.

Blogbeitrag: Game-Pentagon der Transaktionsanalyse

b. Skriptüberzeugungen

Dass Menschen einem unbewussten Lebensplan folgen, dessen Inhalte in der frühen Kindheit entwickelt und beschlossen wurden, ist einer der markanten Theorieinhalte der Transaktionsanalyse – und lassen sie zu einer starken Vertreterin der Selbstentfaltungspsychologien (Self Growth Psychology) werden. Diese unbewussten Skriptinhalte zu identifizieren, zu prüfen und ggf. abzuändern, stellt für die Transaktionsanalyse den Weg der Wahl dar. Damit sei Selbstbewusstheit, (emotionales und mentales, zuweilen spirituelles) Wachstum möglich.

Soweit die Inhalte des eigenen Lebensplanes unbewusst sind, spricht die Transaktionsanalyse von den Skriptüberzeugungen. Für die Mediation und Konfliktbearbeitung spielen diese Ideenbereiche regelmäßig eine geringere Rolle, da in diesen Arbeitssettings regelmäßig keine therapeutischen Ideen verfolgt und umgesetzt werden.

4. Weitere, influenzierende TA-Konzepte

a. Konzept der Zeitstrukturierung.

Die Transaktionsanalyse hat auch ein Konzept vorgelegt, wie Menschen ihre (Lebens-)Zeit strukturieren. Zur Auswahl stehen danach grundsätzlich sechs Möglichkeiten: Rückzug, Rituale, Zeitvertreib Arbeit, Psychologische Spiele und aufrichtige, intime Begegnungen, wobei die letzte Variante keinesfalls auf Liebes- oder Sexualbeziehungen begrenzt wird.

Diese Auswahl ist dabei nicht einfach vorhanden, sondern entspringt dem psycho-physiologischen Grundbedürfnis nach Struktur, den die Transaktionsanalyse neben dem Bedürfnis nach Stimulanz und Strokes als die drei grundlegenden psycho-physiologischen Hunger des Menschen benannte. Vor allem in der Strukturierung der (Lebens-)Zeit zeige und erfülle sich dabei das Bedürfnis nach Struktur.

Die – bereits von Berne benannten – sechs Varianten der Zeitstrukturierung stehen nicht in einer beliebigen Reihenfolge. Vielmehr erhöhe sich jeweils das Maß an emotionalem Risiko (Verletzbarkeit) einerseits, was jedoch durch den erhöhten sozialen Informationsgehalt (Stimulanz und Strokes!) andererseits „ausgeglichen“ wird. Freilich sind Kombinationen denkbar und nicht unüblich. Welche Variante letztlich gewählt wird, hängt vom jeweiligen individuellen Bezugsrahmen und der individuellen „Stroke-Bedürfnisse“ (Stroke-Filter!, Stroke-Mythen!) ab. Dabei üben die Kultur der Organisation bzw. des sozialen Systems generell (Gruppe) einen enormen Einfluss aus.

b. Stroke-Prozess

Psychologische Spiele sind als Strukturierungsvariante, seine (Lebens-)Zeit zu verbringen auch soziale und emotionsbegründende Veranstaltungen. Den psycho-physiologische Hunger nach Anerkennung und Zuwendung (für das eigene Sein und Tun) umschreibt die Transaktionsanalyse mit dem Konzept der Strokes. Ein „Stroke“ steht praktisch für eine soziale, kommunikative Einheit der Anerkennung und umfasst sowohl „Streicheleinheiten“ als auch „Schlageinheiten“. Die Stroke-Konzeption umfasst mehrere Konzeptbereiche, die weit über die Grundlagen von Strokes hinausgehen. Das wäre im Grunde mal eine eigene Blogreihe wert. Ich will sie hier nur skizzieren. Neben den Grundlagen, die sich gut am Stroke-Cube (Abb.) darlegen lassen, gäbe es noch einiges zu den Stroke-Filtern, den Stroke-Mythen sowie der – m.E. veralteten – Strake-Ökonomie von Claude Steiner zusagen. Aber dazu an anderer Stelle mehr, oder?

  • Berne, Eric: Games people play, New York 1964 (deutsch: Spiele der Erwachsenen, 20. Auflage, Hamburg 2001);
  • English, F.:  Transaktionsanalyse. Gefühle und Ersatzgefühle in Beziehungen, Salzhausen 2001.
  • Stewart, Ian / Joines, Vann: Transaktionsanalyse. Eine Einführung, Freiburg 2010;
  • Christoph-Lemke, Charlotte: Psychologische Spiele – eine erweiterte Betrachtung für Analyse und Intervention, in: Lesebuch zum 11. DGTA-Kongress, 1990, S.109 – 126.
  • Gührs, M./Nowak, C.: Das konstruktive Gespräch. Ein Leitfaden für Beratung, Unterricht und Mitarbeiterführung mit Konzepten der Transaktionsanalyse, 7. Auflage, Meezen 2014;
  • Weigel, Sascha: Konfliktmanagement in der Verwaltung des aktivierenden Verwaltungsstaates mit Transaktionsanalyse und transaktionsanalytisch fundierter Mediation, Berlin 2012.