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5 Leistungen, für die Du keinen Mediator bezahlen solltest

und 3, für die Du gar nicht genug bezahlen kannst!

Bitte nicht helfen, es ist schon so schwer genug!

Es gibt eine Reihe von „Leistungen“, für die es sich als Konfliktpartei nicht lohnt, Geld auszugeben. Weder wird dadurch der Konflikt angemessen bearbeitet und gelöst, noch hast weder Du noch Dein Konfliktpartner oder die Mediatorin etwas.

Du bzw. Dein Konfliktpartner solltet den Mediator nicht dafür bezahlen, dass

 

  1. Ihr Euch permanent seinen Rettungsimpulsen aussetzt. Konfliktparteien brauchen keine Rettung, sondern konstruktive Unterstützung. Und das ist nicht dasselbe! Ein Retter rettet, weil er sonst selbst nicht zu retten ist. Er widmet sich notbedürftigen Anderen, weil er selbst in Not ist und keinen Schimmer hat, wie er seine Misere lösen kann. Das heißt keinesfalls, dass Mediatoren nicht auch Konflikte oder Schicksalsschläge im Leben haben dürften, aber dafür holen sie sich ihrerseits einen Mediator oder Berater, statt sich um andere zu „kümmern“. Also achte darauf, ob der Mediator es nötig hat, Euch zu retten oder ob er Euch auch in Eurem Konflikt sein lassen könnte. Nutze nur einen Mediator, der auch anders könnte und Euch allein lassen kann. Dann habt Ihr einen freien, selbstbewussten Mediator.
  2. Kauf‘ Dir keinen Mediator ein, dessen Überzeugung ist, dass wir Menschen im tiefen Grunde unseres Herzens ja ganz friedliche Wesen sind und von Natur aus in Harmonie leben würden, wenn da nicht …(wahlweise einsetzen: der Kapitalismus, die Juristen, die Anderen generell oder überhaupt das System) wären. Diese Überzeugung ist bloß ein realitätsferner Wunsch des Mediators, mit dem Du dann in der Mediation zurecht kommen musst. Und das kann ganz schön ätzend sein.
  3. Genauso wenig solltest Du für jedwede Art von Friedensideologie zahlen – ebenso wenig wie für Kriegsideologie. In beiden Fällen fällst Du und Dein Konfliktpartner mit Euer ganz spezifischen Situation mental „hinten runter“! Bei derartigen Mediatoren habt Ihr eine Rolle in einem fremden Drehbuch zu spielen, statt Euch in Eurer Konfliktsituation auseinandersetzen zu können. Wenn Du fürs Boxen bezahlst, willst Du auch einen Boxkampf sehen. Schließlich handelt es sich um eine einvernehmliche Tätigkeit, nach einvernehmlichen Regeln, mit klaren Prozessvorgaben und einer klar auszuhandelnden Lösung.
  4. Du solltest auch keinen Mediator bezahlen, der permanent über das Rechtssystem klagt und meint, Mediation ist die klügere, bessere Alternative. Dieser Mediator hat keine Ahnung! (Du willst mehr über das Rechtssystem und die Mediation erfahren, dann findest Du hier einen Beitrag dazu.) Er mag ein paar Schauergeschichten erzählen, wie es vor Gericht zuweilen zugehen mag, hat aber keinen Sinn dafür, um wievieles zivilisierter dieses Verfahren ist als ohne das Rechtssystem. Er hat auch keine Ahnung davon, dass eine professionelle und gesellschaftsrelevante Mediation auf dem Boden des modernen Rechts wächst. Unsere ausdifferenzierten Gesellschaften sind dank des Rechts in einem erstaunlich hohen Maße gewaltfrei und wohl geordnet. Schauen wir uns allein den Straßenverkehr an: Tonnenschweres Konfliktpotenzial an jeder Kreuzung! Und wir rasen jeden Tag in einem potenziellen Schlachtfeld mit unseren Kindern und Liebsten gedanken- und sorgenfrei herum. Auf dem Fahrrad sogar helmfrei! Es ist va. das verständige Recht, dass uns Menschen im Laufe der Historie Achtsamkeit lehrte, und auch heute immer wieder lehrt. Und diejenigen, die heute glauben mithilfe von Ethik beraten zu müssen und stets ethische Richtlinien im Blick bei der Bewertung anderer halten, wissen kaum, wie intensiv das Recht daran schon vor Jahrhunderten gewachsen und gereift ist.  Mediation ist keineswegs der bessere Weg für Jedermann und alle Konflikte und in den überwiegenden Fällen einer, den das Recht geebnet hat und über den es täglich wacht. (Pathos endet hier.)
  5. Wenn der Mediator auch fachliche Expertise aufweist, solltest Du ihn dafür bezahlen, wenn Du magst und er Euch fachlich berät. Dann bezahle ihn aber als Fachexperten, nicht als Mediator. (Du kannst Ihn natürlich auch als Mediator bezahlen, aber dann sollte er auch Folgendes tun…)

 

Dafür solltest Du einen Mediator bezahlen, wenn er es leistet:

 

  1. Es lohnt sich, einen Mediator dafür zu bezahlen, dass er sich auf Euch und Eure verfahrene oder m.w. auch besch… Lage einlässt und mit Euch ernsthaft an einer Lösung arbeitet, Euch und Eure Unklarheiten und Emotionen moderiert und hilfreich strukturiert. Sich ernsthaft auf diesen Auftrag einzulassen und dennoch nicht Teil des (Konflikt-)Problems zu werden, sondern Teil der Lösung erfordert eine gehörige Portion Professionalität, Zugewandtheit und Optimismus. Überhaupt, Optimismus! Aber dazu sogleich etwas ausführlicher. Sich derart einzulassen heißt auch, die Unsicherheit auszuhalten, dass das ein „gutes Ende mit Euch“ nimmt, auch wenn Ihr den Konflikt nicht in dieser Mediation löst.
  2. Du solltest den Mediator für seinen natürlichen Optimismus und seine daraus erwachsene Zuversicht bezahlen, dass die Situation nicht hoffnungslos ist, sondern klär- und regelbar. Wenig ist anregender und veränderungsförderlicher als Zuversicht und Anerkennung von Dritten. Vor anderen Erfolg mit uns zu haben, stärkt das Selbstbewusstsein (auch von hochrangigen Managern). Ein häufig zu beobachtender Turbo in der Praxis, in der Theorie zur Mediation allerdings – soweit ersichtlich – unterbeleuchtet.
  3. Aber nun zu den Ebenen der Mühen: Der Mediator ist vor allem dafür da, dass er (1.) die Komplexität der Situation erkennt, annimmt, auffaltet und aufhält, damit (2.) Du und Dein Konfliktpartner Zeit und Raum habt, sie zu erleben, zu studieren, nachzufühlen und zu erkennen, dass ihr nicht umhinkommt, sie (3.) anzuerkennen und einvernehmlich damit umzugehen, um sie sodann wieder (4.) einzufalten, auf Handlichkeit zu reduzieren und geklärt Eures Weges zu gehen. Das ist die Kunst, das Handwerk und die Wissenschaft der Mediation. Die Komplexität entsteht nicht, weil ein Konflikt besteht, vielmehr zeigt der Konflikt, dass die Komplexität schon längst existent ist: Allein deshalb, weil Ihr als unterschiedliche Menschen miteinander etwas erreichen wollt und sei es auch nur, in Frieden nebeneinander zu leben. Ihr bezahlt den Mediator nicht, weil er ein oder Euer Menschenfreund ist, der es zutiefst bedauert, dass ihr Euch streitet. Du zahlst, weil er sich mit Euch an die Arbeit macht, die Widersprüchlichkeit, die Verworrenheit und Durchwobenheit auch mit problematischen und dilemmatischen Sichtweisen anzunehmen und Euch zur Bearbeitung und Klärung auf eine Weise darbietet, die Euch hilft, damit umzugehen. Deshalb ist es auch nicht ganz korrekt zu sagen, der Mediator arbeite nicht an der Lösung mit. Das tut er sehr wohl. Aber nicht in der Art, wie es in einer Welt möglich war, deren Komplexität noch unter der Wahrnehmungsschwelle blieb, in der die Lösung noch schwarz oder weiss war oder allenfalls grau. Heute ist die Welt bunt und wir wissen es und können es nicht mehr ändern. In der VUKA-Welt sind Mediatoren ganz hilfreiche Navigations- oder besser Navigatorhilfen.

Das, geneigte Leserin und geneigter Leser, ist jeden Euro wert, der von Euch dafür verlangt wird. Aber prüft die Gegenleistung.

 

Ach ja, ich schulde noch ein Wort zum Optimismus: Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann würde nach all den Jahren seiner Forschungen zur menschlichen Entscheidungskompetenz seinem Kinde, hätte er einen Wunsch frei, nicht Gesundheit wünschen, auch nicht Geld, Einfluss oder Intelligenz, sondern einfach Optimismus. Dieser scheint alles weitere nach sich zu ziehen.

2017-08-29T14:47:04+00:00 7. 6. 2016|

About the Author:

Dr. jur. Sascha Weigel, Mediator und Ausbilder (BM), Transaktionsanalytiker und Systemdesigner, Gründer und Inhaber von INKOVEMA, spezialisiert auf strategische Mediationen und hochwertige Ausbildungen in Mediation.

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