INKOVEMA-Podcast „Gut durch die Zeit“

#84 – Game Pentagon. Ein Konzept der Transaktionsanalyse für Konflikte in Organisationen.

Was das Dramadreieck für Personenkonflikte ist, ist das Game Pentagon für Organisationskonflikte

Im Gespräch mit Thorsten Geck

Gut durch die Zeit. Der Podcast rund um Mediation, Konflikt-Coaching und Organisationsberatung.

Thorsten Geck, Dipl. psych., Berater, Coach und Keynote Speaker. Spezialisiert ist Thorsten Geck heute auf die Begleitung von Teams und Beratung von Führungsduos. Lehrender und supervidierender Transaktionsanalytiker im Feld Organisation. Mitglied der EATA und ITAA, der Europäischen und Internationalen Gesellschaften für Transaktionsanalyse, In der ITAA ist Thorsten Geck im Vorstand für den Bereich Professionelle Standards und Prüfungen zuständig. Er arbeitet in arbeite in Deutschland, Indien, Tschechien, UK, Polen, U.S.A, Australien.

Inhalte:

Positionen im Game Pentagon:

  • Sniper (Heckenschütze). Eine prägnante, vielleicht aber für den Dialog mit dem Klientensystem drastische Übersetzung ist „der Heckenschütze“. Der Sniper benennt den Konflikt, stellt das Problemfeld deutlich heraus und schiebt die Ursache bzw. die Schuld auf andere Personen oder Zielgruppen. Diese Position ist im Konflikt für den Scapegoat reserviert. 

  • Scapegoat (Sündenbock). Diese Person (oder Gruppe) wird für das Problem verantwortlich gemacht. Verbunden damit ist die Sichtweise (bei hohem Leidensdruck auch die Sehnsucht), dass durch Entfernung des Sündenbocks auch das Problem beseitigt ist. Wo Aggressor und (vermeintliches) Opfer zu finden sind, ist die Suche nach einem Problemlöser naheliegend.

  • Savior (Erlöser). In der Übersetzung ein „Retter“ oder auch „Erlöser“. Dem Erlöser wird die Aufgabe übertragen, das aufgetretene Problem zu lösen und die Beteiligten davon zu erlösen. Vor dem Hintergrund der professionellen Kompetenz dieses Problemlösers und seiner Vertrautheit mit verschiedenen Beratungsformaten werden dann Wege der Problemlösung beschritten, die dieser Person eben vertraut sind: ein Konflikttraining für eine spezifische Zielgruppe. Diese soll dann lernen, sich zu behaupten. Ein Verhandlungstraining, um die eigenen organisationsspezifischen Interessen durchzusetzen, ein abteilungsübergreifender Workshop, in dem Sachthemen sachlich „durchmoderiert“ werden, usw.

Diese Protagonisten erscheinen aus der Theorie des Dramadreiecks vertraut. Summerton stellt aber heraus, dass es sich nicht um psychologische Rollen bzw. Haltungen handelt, sondern um Positionen, die in einem organisationalen Konflikt zu verorten sind. Er erweitert diese Perspektive um folgende Mitspieler:

  • Spectator (Zuschauer). Jede Theateraufführung wird erst dann vollständig, wenn jemand die Leistung der Protagonisten verfolgt und würdigt. Diese Aufgabe wird vom Zuschauer übernommen. Er wirkt nach außen nicht beteiligt und ist an dem Ausgang der Auseinandersetzung scheinbar uninteressiert. Innerlich befriedigt der Zuschauer sein Bedürfnis nach Stimulation. Der Zuschauer unterschätzt seinen Beitrag zum Konflikt durch eben sein Nichtstun. Er erlebt sich als nicht verantwortlich und sieht keine Notwendigkeit, einzugreifen. 
  • Stage Manager (Inspizient). Dieser Platzhalter ist vorgesehen für jene Protagonisten, die dem organisationalen Spiel den Boden bereiten oder es starten, auch wenn sie zunächst nicht sichtbar sind. Sie setzen den Konflikt durch die vorgegebenen Rahmenbedingungen in Gang und überlassen vielleicht anderen, den Konflikt auszuagieren. Der Stage Manager hält die Ressourcen bereit, aus denen der Konflikt entsteht, und auch, wie er gelöst werden könnte. Um die Bedeutung des Stage Managers zu erfassen, muss man den Blickwinkel auf seine vielfältigen und subtilen Einflüsse erweitern: Welche Schlüsselposition hat er im Konflikt? Wen sieht er als die beteiligten Personen für den Ablauf des Dramas vor? Welche historischen, gesetzlichen oder unternehmenskulturellen Aspekte bilden die Folie für sein Handeln? Wie profitieren er und das System von der Unruhe, die er hineinbringt? Welchen Gewinn hat er davon, durch ein Machtwort oder die Zuteilung von Ressourcen den Konflikt zu regulieren?

Nutzen für die Mediation:

Wie andere Modelle auch konstruiert es Realität auch mit. Seine Vorteile sind:

(1) Es erfasst neben psychologischen Faktoren auch systembezogene oder strukturelle Aspekte.

(2) Es verweist auf die (historischen) Wurzeln des Systems, in dem der Konflikt stattfindet.

(3) Es stellt heraus, dass in einer Gruppe auch die scheinbar unbeteiligten Agenten eine konflikterhaltende Funktion haben – aufgrund ihres Dazugehörens und ihrer Passivität angesichts des Problems.

(4) Das Game Pentagon reduziert in der Konfliktanalyse Komplexität, verschließt sich aber nicht einer breiteren Perspektive.

In der Konfliktberatung kann das Spiele-Fünfeck zur Analyse und zur Planung von Interventionen verwendet werden.

Literatur: