• handbuch mediation

33 TA-Konzepte für die Mediation

– und was Sie damit anstellen können.

Das wird ein langer Blogbeitrag. 

Deshalb möchte ich auf etwas Selbstverständliches in der digitalen Welt hinweisen. Angesichts der Möglichkeiten in einem Netzwerk, lieber Leser und liebe Leserin, bedarf es keiner Aufsplittung dieses Blogbeitrags auf zwei oder mehrere Einzelbeiträge. Sie dürfen sich diesen einen Beitrag zeitlich und im Umfang häppchenweise zuführen, damit er gut verdaulich bleibt 😉

Heute möchte ich Euch 33 TA-Konzepte für die Arbeit in der Mediation vorstellen.

Freilich gibt es weitere Methoden und Konzepte, die ein Mediator – je nach Fall und Situation – benötigt, um angemessene Analysen und Hypothesen treffen und verbalisieren zu können. Es bedarf auch mehr, um angemessene Interventionen zu formulieren. Ebenso hat die TA noch weitaus mehr als die 33 folgenden Konzepte parat. Einige mögen auch für die Mediation hilfreich sein und sind dennoch hier nicht aufgeführt worden. Irgendwo mochte ich mich dann auch begrenzen.

Mir scheinen diese 33 TA-Konzepte eine angemessene Anzahl zu sein. Sie bilden für sich bereits einen umfangreichen Einblick in die Möglichkeiten, die die TA für Mediator_innen bietet, um ihre professionellen Werkzeugkoffer mit transaktionsanalytisch fundierten „Mess- und Stellinstrumenten“ aufzufüllen.

Konzept-Übersicht:

1. Grundhaltungen

2. Autonomiekonzept

3. Dramadreieck von Karpman

4. Dreiecksvertrag nach English

5. Tangentiale Transaktion

6. Blockierende Transaktion

7. Bezugsrahmen

8. Passivität im Denken

9. Passivität im Handeln

10. Abwertungsmatrix

11. Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse

12. gekreuzte Transaktion

13. Paralleltransaktion

14. Verdeckte Transaktion

15. Psychologische Spiele

16. Mediationsmatrix nach Kouwenhoven

17. Grundgefühle nach Thomson

18. Ersatzgefühle nach English

19. Beziehungsbedürfnisse von Erskine

20. Antreiberdynamiken nach Kahler

21. Systemdynamiken nach Mohr

22. Die 3 Ps nach Crossman

23. Stroke-Filter

24. Stroke-Hunger

25. Rollenkonzept

26. Weltenmodelle

27. Gruppendynamische Konzepte

28. Functional Fluency-Modell

29. Grundbedürfnisse

30. Bonding-Kreislauf nach Kohlrieser

31. Acht Interventionen nach Berne

32. Vertragskonzept

33. Kulturdiagnose von Organisationen nach Balling

 

33 TA-Konzepte für die Mediation

– und was Sie damit anstellen können.

Das wird ein langer Blogbeitrag. 

Deshalb möchte ich auf etwas Selbstverständliches in der digitalen Welt hinweisen. Angesichts der Möglichkeiten in einem Netzwerk, lieber Leser und liebe Leserin, bedarf es keiner Aufsplittung dieses Blogbeitrags auf zwei oder mehrere Einzelbeiträge. Sie dürfen sich diesen einen Beitrag zeitlich und im Umfang häppchenweise zuführen, damit er gut verdaulich bleibt 😉

Heute möchte ich Euch 33 TA-Konzepte für die Arbeit in der Mediation vorstellen.

Freilich gibt es weitere Methoden und Konzepte, die ein Mediator – je nach Fall und Situation – benötigt, um angemessene Analysen und Hypothesen treffen und verbalisieren zu können. Es bedarf auch mehr, um angemessene Interventionen zu formulieren. Ebenso hat die TA noch weitaus mehr als die 33 folgenden Konzepte parat. Einige mögen auch für die Mediation hilfreich sein und sind dennoch hier nicht aufgeführt worden. Irgendwo mochte ich mich dann auch begrenzen.

Mir scheinen diese 33 TA-Konzepte eine angemessene Anzahl zu sein. Sie bilden für sich bereits einen umfangreichen Einblick in die Möglichkeiten, die die TA für Mediator_innen bietet, um ihre professionellen Werkzeugkoffer mit transaktionsanalytisch fundierten „Mess- und Stellinstrumenten“ aufzufüllen.

 

Konzept-Übersicht:

1. Grundhaltungen

2. Autonomiekonzept

3. Dramadreieck von Karpman

4. Dreiecksvertrag nach English

5. Tangentiale Transaktion

6. Blockierende Transaktion

7. Bezugsrahmen

8. Passivität im Denken

9. Passivität im Handeln

10. Abwertungsmatrix

11. Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse

12. gekreuzte Transaktion

13. Paralleltransaktion

14. Verdeckte Transaktion

15. Psychologische Spiele

16. Mediationsmatrix nach Kouwenhoven

17. Grundgefühle nach Thomson

18. Ersatzgefühle nach English

19. Beziehungsbedürfnisse von Erskine

20. Antreiberdynamiken nach Kahler

21. Systemdynamiken nach Mohr

22. Die 3 Ps nach Crossman

23. Stroke-Filter

24. Stroke-Hunger

25. Rollenkonzept

26. Weltenmodelle

27. Gruppendynamische Konzepte

28. Functional Fluency-Modell

29. Grundbedürfnisse

30. Bonding-Kreislauf nach Kohlrieser

31. Acht Interventionen nach Berne

32. Vertragskonzept

33. Kulturdiagnose von Organisationen nach Balling

 

1. Grundhaltungen 

Sie sind der Ausgangspunkt vermittelnder Konfliktbearbeitung. Das Konzept der Grundhaltungen stammt noch von Eric Berne aus den Anfängen der Transaktionsanalyse. Das schlagwortartige „Ich bin ok., Du bist ok.“ birgt für den Mediator den Schatz, nicht in die Falle eskalierender Konflikte zu geraten und den Konflikt als Problem zu personalisieren und Schuld zu verteilen. Nicht die anderen Menschen sind das Problem, sondern deren Verhalten. Oder wie es im Harvard-Konzept heißt: Trenne den Menschen vom Problem – und löse es mit ihm.

Transaktionsanalyse Mediation

Das Konzept lässt sich auch dazu verwenden, grundsätzliche Herangehensweisen und Einstellungen gegenüber Problemen und Konflikten zu differenzieren, mit deren Hilfe verschiedene Konfliktstile und „-lösungsversuche“ strukturiert werden können. Insoweit handelt es sich eher um ein Analyse-Tool.

2. Autonomiekonzept

Die Transaktionsanalyse geht in der Tradition humanistischer Psychologie davon aus, dass Menschen reifen und wachsen wollen, eigenverantwortliche Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen wollen – kurz, in der Sprache der TA, dass sie „autonom“ agieren wollen. Auto-Nomos, Selbst-Gesetzlichkeit. In der Mediation wird das mit dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit aller Beteiligten erfasst. Die Transaktionsanalyse bietet dazu das passende Menschenbild, tiefenpsychologisch konzeptualisiert und verbal-handlich verpackt. Lediglich mit einem derartig humanistischen Menschenbild lohnt sich überhaupt die Arbeit von Mediator_innen, denn nur wenn sie die Vorstellung hegen, dass Menschen lernen, wachsen und sich weiterentwickeln (wollen), bedarf es einer Methode wie der Mediation.

 

Transaktionsanalyse Mediation

3. Dramadreieck von Karpman

Das Dramadreieck ist m.E. das Konzept der TA „für die Mediation“ schlechthin. Jeder, der es einmal gehört oder davon gelesen hat, vergisst es nicht wieder. Sie finden dazu einen wunderbaren Artikel meiner Kollegin Luise Lohkamp im Handbuch „TA in der Mediation“. Es beschreibt die grundlegende Dynamik eskalierender Konflikte und hilft zu verdeutlichen, wie alle Beteiligten gemeinsam die Konfliktstrukturen schaffen, aufrechterhalten und eine eskalierende Dynamik unterstützen. Für mich eine Perle der Transaktionsanalyse wie geschaffen für die Mediation.

Das Dramadreieck ist freilich auch geeignet, in anderen Arbeitssettings als der Mediation genutzt zu werden. So hilft es Führungskräften und Mitarbeitern, sich in konfliktträchtigen Situationen professionell und rollenangemessen zu verhalten.

Transaktionsanalyse Mediation

Du willst mehr zum Dramadreieck wissen, dann lies diesen Beitrag.

4. Dreiecksvertrag nach English

Mit dem Dreiecksvertrag lässt sich in (organisational verankerten) Mediationen gut der Vertragsprozess (Konzept-Nr. 32) darstellen und klären, welche Absprachen zwischen welchen Beteiligten getroffen wurden und noch werden müssen, wer welche Pflichten wem gegenüber hat, so dass letztlich jedem Beteiligten bewusst ist, woran er mit wem arbeitet.

Das ist besonders wichtig, wenn der Auftraggeber nicht anwesend ist. Nicht selten ist das der Fall, wenn die Mediation im Auftrag einer Organisation stattfindet. Hier ist der auftraggebende Rollenträger in der Mediation zumeist nicht anwesend. Deshalb kommen Absprachen zwischen Auftraggeber und (externen) Mediator zustande, die den Medianten nicht bewusst oder bekannt werden. Hier hilft das Konzept des Dreiecksvertrages, die vorhandene Komplexität zu erkennen und angemessen zu reduzieren.

Transaktionsanalyse Mediation

5. Tangentiale Transaktion

Zuweilen streiten sich Konfliktparteien „immer über dasselbe“, gerade in langjährigen (Konflikt-) Beziehungen kommen scheinbar immer dieselben Themen auf den Tisch, ohne dass ein gegenseitiges Verständnis erreicht wird, vom Einverstandensein ganz abgesehen. Scheinbar wurde auf der Straße der Erkenntnis, wer der andere ist oder was er meint, eine Abzweigung eingebaut, die zum Ausgangspunkt zurückführt – Von dort wird dann jedes Mal wieder Fahrt aufgenommen. Jedes Mal ein Stückchen frustrierter. Kommunikation als Irrgarten. Wer hat da schon Lust, mehr miteinander zu kommunizieren – wie das „Allheilmittel der Gutmütigen“ lautet.

Dabei geht es nicht um „mehr Kommunikation“, sondern um Dialogfähigkeit; die Fähigkeit, sich aufeinander zu beziehen. Das Instrumentarium dafür ist das Konzept der Tangentialen Transaktionen, das zum „Mess- und Klärungswerkzeug“ der Passivität-Modelle (Konzept-Nr. 7-9) gehört. Tangentiale Transaktionen kommen zustande, wenn die Beteiligten sich nicht aufeinander beziehen, sondern nur einen (winzig kleinen) Teil der Inhalte des Konfliktpartners herausgreifen und diesen nutzen, um über andere Dinge zu sprechen. Zwei Tangential-Profis können ein verbales Katz- und Maus-Spiel initiieren, ohne dass sie sich dessen vollkommen im Klaren sind. Am Ende sind jedenfalls beide genervt und sauer auf den anderen.

6. Blockierende Transaktion

Blockierende Transaktionen sind die zweite Form der redefinierenden Transaktionen (dazu auch Konzept-Nr. 5). Ebenso wie die tangentialen Transaktionen dienen sie (zumeist) unbewusst dazu, den eigenen Bezugsrahmen (Konzept-Nr. 7) aufrecht zu erhalten – und damit neue, mitunter problemösungsrelevante Informationen außen vor zu behalten.

In Konfliktsituationen sind sie deshalb besonders häufig anzutreffen. Alle kommunikativen Schattierungen von  „Der Punkt ist doch im Grunde…!“ bis „…aber das spielt hier doch keine Rolle, denn die eigentliche Frage ist…“ können als machtaktivierende kommunikative Blockaden verstanden werden.

7. Bezugsrahmen

Der Bezugsrahmen stellt die Gesamtheit der Bedeutungs-, Sinn- und Wertzuschreibungen eines Menschen dar, die er angesichts dessen trifft, was ihm von „Innen“ und „Außen“ her kommend begegnet. Der individuelle Bezugsrahmen enthält auch Elemente, die der Kultur und Gesellschaftsschicht zuzuordnen sind. Schließlich sind wir soziale Wesen und lernen voneinander.

Als Metapher für den Bezugsrahmen eignet sich die Brille, durch die der Mensch die Welt ganz individuell und anders sieht als ohne.

Der Vorteil von Bezugsrahmen ist, dass er psychologisch Sicherheit „gewährt“ und insofern Komplexität zu reduzieren hilft. Deshalb wird er auch gegen Angriffe, Veränderungen etc. verteidigt. Konfliktsituationen sind immer auch Bedrohungen der involvierten Bezugsrahmen. Darauf sollten Mediator_innen Acht geben.

Kommunikative Verteidigungsstrategien sind tangentiale und blockierende Transaktionen (Konzepte-Nr. 5 und 6)!

8. Passivität im Denken

Die Transaktionsanalyse nennt Denken passiv, wenn unbewusst Informationen nicht zur Kenntnis genommen werden, die für die Problemlösung relevant wären. Sie benennt vier Stufen passiven Denkens.

  1. Die Ausblendung des Problems. (=“Ich habe kein Konflikt mit Dir. Das ist Dein Problem.“)
  2. Die Abwertung des Problems. (=“Das mag sein, aber das ist doch nicht so schlimm wie Du behauptest. Da könnte ja jeder kommen!“)
  3. Die Unlösbarkeit des Problems wird angenommen. (=“Das ist schlimm,  aber nicht zu ändern.“)
  4. Die eigene Lösungsfähigkeit wird abgewertet. (=“Das ist schlimm, aber ich bin nicht in der Lage das Problem zu lösen.)

Transaktionsanalyse Mediation

Dem Mediator helfen diese Stufen, nicht mit den Medianten an Lösungen zu arbeiten (Stufe 4!), wenn sie den gemeinsamen Konflikt noch als Problem der jeweils anderen Partei definieren (Stufe 1!) bzw. die andere Partei zum Problem degradieren (Stufe 2!) oder oder oder…, jedenfalls noch nicht die Vorstellung hegen, dass sie ihre Konfliktsituation zu verantworten haben und deshalb in der Lage sind, diese gemeinsam zu beenden. Mediator_innen sollten deshalb das Konzept der Passivität kennen, um mit den Medianten auf der Stufe zu interagieren, auf der Probleme und Lösungsmöglichkeiten abgewertet werden.

9. Passivität im Handeln

Die Idee passiven Handelns gehört zum Konzeptpaket des Bezugsrahmens, zu dem auch das passive Denken gehört (Konzept-Nr. 8). Das Konzept der transaktionsanalytischen Passivität ermöglicht es, jegliche nicht problemlösende Handlungen zu identifizieren. Dazu zählen etwa das Nichtstun (offensichtliche Passivität), die Überanpassung (höchste Aktivität, Aktionismus), Agitation (Druckausüben) sowie Gewalt gegen sich selbst und andere (wozu etwa Alkoholismus, Medikamentenmissbrauch, Selbstverletzungen, aber freilich auch klassische Körpergewalt gehören).

Das Konzept hilft dem Mediator, den Problemlösungsprozess der Medianten im Blick zu behalten und mit Hilfe der Abwertungsmatrix (Konzept-Nr. 10) z.B. angemessen zu intervenieren.

10. Abwertungsmatrix

Die Abwertungsmatrix ist ein Arbeitstool, das sich aus den Überlegungen zur Passivität entwickelt hat. Es ist ein hervorragendes Diagnose- und Interventionstool, um den Problem- und Konfiktlösungsprozess intelligent zu strukturieren. Die Kommunikationsinhalte können anhand der Abwertungsmatrix ausgerichtet werden und dem Mediator wichtige Impulse liefern, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen.  Die Abwertungsmatrix kann deshalb gut mit der Mediations-Matrix (Konzept-Nr. 16) kombiniert verwendet werden.

Wie konkret die Abwertungsmatrix für Mediator_innen hilfreich ist, hat H. Schulze im Handbuch der Transaktionsanalyse in der Mediation ausführlich dargelegt. Dort findest Du einen guten Áufsatz, der sich konkret mit dem Thema auseinandersetzt.

Die folgende Grafik deutet allerdings die Komplexität an, wie beispielsweise eine alkoholabhängige Person ihr existentes Problem abwerten könnte und welch unterschiedlichen „Frageziele“ daraus abgeleitet werden müssen.

Transaktionsanalyse Mediation

 

 

11. Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse

Das Kommunikationsmodell der Transaktionen gehört zu den tragenden Säulen des gesamten „TA-Hauses“. Es basiert auf dem klassischen Sender-Empfänger-Modell, deren Ungewissheitsrelationen jedoch den “systemischen Prinzipien von Input und Outputkonflikten“ (Gührs/Nowak) folgen. Die Transaktionsanalyse i.e.S. umfasst drei Grundformen von Transaktionen:

  • komplementäre (parallele) Transaktionen
  • irritierende (gekreuzte) Transaktionen
  • disparate (verdeckte) Transaktionen

Jede Sequenz einer Kommunikation, jede Aktion und Reaktion, kann einer dieser drei Formen von Trans-Aktionen zugeordnet werden. Aus diesen Formen wiederum können sich Muster ergeben, sog. psychologische Spiele (Konzept-Nr. 15).

Für den Mediator ist das Konzept eine wirkliche Hilfe, um sich ein Bild von der Konfliktkommunikation und ihren Strukturen zu verschaffen. Zu Beginn etwas aufwendig, mit dem Konzept zu arbeiten, aber Übung macht hier nicht nur den Meister, sondern auch die Arbeit leichter.

 

 

12. Gekreuzte Transaktion

Gekreuzte Transaktionen helfen dem Mediator die Konfliktkommunikation zu identifizieren und sie grafisch darstellbar zu machen. Das hat entschleunigende Wirkung und hilft, die beiderseits enttäuschten Erwartungen besprechbar zu machen.

Erforderlich zum Verständnis gekreuzter Transaktionen ist die Kenntnis der kommunikationsrelevanten Verhaltensmodi (Funktionsmodell der Ichzustände). Hierbei handelt es sich um den bedeutendsten Beitrag der TA zur allgemeinen Kommunikationstheorie.

 

 

13. Paralleltransaktion

Ergänzend zu den gekreuzten Transaktionen (Konzept Nr. 12)  handelt es sich bei den sog. Paralleltransaktionen um Interaktionen, die den beiderseitigen Erwartungen entsprechen. D.h. die anvisierten, erwarteten Verhaltensmodi werden von dem Gesprächspartner auch genutzt, sodass die Reaktion den Erwartungen entspricht.

Hierbei handelt es sich klassischerweise nicht um eine Konfliktkommunikation, obschon die Paralleltransaktionen auch dazu genutzt werden können, um Konflikte zu stabilisieren, indem sie gerade nicht angesprochen werden. Derartige Konfliktmuster allerdings unterliegen einem genaueren Diagnosebedürfnis. Hierfür kann der Mediator die Transaktions-Analyse i.e.S. nutzen.

 

 

14. Verdeckte Transaktion

Verdeckte Transaktionen gehören zum Konzept der Transaktionsanalyse im engeren Sinne wie die parallelen und gekreuzten Transaktionen (Konzept-Nr. 12, 13).

Verdeckte Transaktionen beschreiben das Phänomen, dass auf zwei Ebenen kommuniziert wird, auf einer sozialen, offenen Ebene und auf einer psychologischen, verdeckten Ebene. Maßgeblich für den Fortgang der Interaktion zwischen den Beteiligten, ihr Wohlbefinden und ihr Miteinander ist dabei die psychologische Ebene. Sie umfasst die gesamte Beziehungsebene, wie es bei Watzlawick heißen würde. Im Konzept von Schulz von Thun, dem Vier-Ohren-Münder-Modell würden die Beziehungs-, Appell- und Selbstoffenbarungsebene erfasst sein.

Die Transaktionsanalyse schafft es, all diese Formen von Kommunikation grafisch mit Hilfe ihres Funktionsmodells von Ichzuständen darzustellen, die bestimmte Verhaltensmodi darstellen. Hier zum Beispiel handelt es sich um eine verdeckte Transaktion in der Arbeitswelt. Die verdeckte Ebene ist häufig an Tonfall, Gestik und Mimik erkennbar und deshalb grafisch nicht vollends darstellbar.

Transaktionsanalyse Mediation

15. Psychologische Spiele

Die Lehre der psychologischen Spiele ist eine der vier Säulen der klassischen Transaktionsanalyse. Eric Berne beschrieb klug und humorvoll dutzende Kommunikationsmuster zwischen Menschen in „Spiele der Erwachsenen“ (1964), einem frühen Klassiker der TA-Literatur und ein Bestseller der 60er Jahre in Amerika.

Psychologische Spiele sind Kommunikationsmuster von verdeckten Transaktionen (Konzept-Nr. 14), die schlussendlich mit großer Unzufriedenheit oder schlimmeren Ausgängen (Gewalt, Trennung, Tod oder Gefängnis) abgeschlossen werden. Die Doppelbödigkeit der Interaktionen zwischen den Beteiligten ist diesen nicht bewusst, so dass sie selbst überrascht und enttäuscht über die Entwicklungen sind. Beobachter allerdings erkennen die Musterhaftigkeit und sind zu gewissen „Vorhersagen“ in der Lage.

Für Mediator_innen ist das Konzept überaus bedeutsam, weil sie frühzeitig in die Lage kommen, verdeckte Anliegen im Konflikt aufzuspüren und ungute Entwicklungen beeinflussen können.

Christoph-Lemke Transaktionsanalyse Mediation

16. Mediationsmatrix nach Kouwenhoven

Der holländische Psychologe und Mediator M. Kouwenhoven hat im Handbuch „…Transaktionsanalyse in der Mediation“ (2014) ein Prozess-Modell für Mediationen vorgelegt, mit dem es möglich ist, die Konfliktbearbeitungsphase in der Mediation zu strukturieren und die Autonomie der Beteiligten zu aktivieren.

17. Grundgefühle nach Thomson

Ausgangsüberlegung ist, dass Gefühlen eine funktionsbezogene Angemessenheit attestiert werden kann. In der Transaktionsanalyse steht dafür das Konzept der Grundgefühle nach Thomson (ZTA 1989) zur Verfügung.

Er benennt vier Grundgefühle – Angst, Ärger, Trauer, Freude  –, die sich vier grundlegenden Verhaltensmodifikationen zuordnen lassen.

  • Angst ist die Gefühlsreaktion auf Bedrohungen, die zur Vorsicht und in einen gewissermaßen fügsamen Zustand führt.
  • Ärger ist die Gefühlsreaktion auf Hindernisse, die zu Anspannungen und in einen widerstrebenden, rebellischen Zustand führt.
  • Trauer ist die Gefühlsreaktion auf Verluste, die zu Hilflosigkeit und einem zurückgezogenen Zustand führt.
  • Freude ist die Gefühlsreaktion auf Problemfreiheit und Zufriedenheit, die zu Lockerheit und Unbekümmertheit und in einen freien Zustand führt.

 Diese vier Grundgefühle haben in dieser Konzeption einen historischen Bezugspunkt (Zeitqualität) sowie eine lebenserhaltende Funktion:

  • Angst ist auf die bedrohliche Zukunft gerichtet und soll den Fühlenden schadlos halten und Sicherheit vor der Bedrohung bieten.
  • Ärger ist auf die frustrierende Gegenwart gerichtet und soll verändernd wirken und damit die Frustrationsbewältigung ermöglichen.
  • Trauer ist auf die (verlust-)reiche Vergangenheit gerichtet und soll lösend wirken und damit Abschied ermöglichen.
  • Freude ist auf die (genuss-)reiche Gegenwart gerichtet und soll Freude ausdrücken um der Freude willen. Was sonst?!

Für Mediator_innen ist diese einfache Konzept hervorragend geeignet, die entsprechenden Gefühlsphänomene zuzuordnen und zu prüfen, ob diese angemessen sind oder möglicherweise eine verwirrende Doppelbödigkeit vorliegt. Dies stellt sich regelmäßig als ein Schlüssel zur Tiefenstruktur des Konflikts dar. 

Nebenbei zur Prävention: Das ist keine Spielart therapeutischer Mediation.

18. Ersatzgefühle nach English

Ein Ersatzgefühl ist ein Gefühl, das anstelle eines anderen, der erlebten Situation angemesseneren Gefühls zu treten pflegt.

Wenn wir Menschen z.B. einen schweren Verlust zu verarbeiten haben, ist es nicht angemessen, Freude zu empfinden oder Ärger. Trauergefühle sind in diesem Falle durchaus angemessen, wenn auch für einige mit ihren biografischen Erfahrungen immer noch „verboten“ („Sei nicht traurig! War doch nur ein Hamster!“).

In Krylows Fabel schafft es der Fuchs nicht, die zu hoch hängenden Kirschen vom Baum zu pflügen…Eigentlich ärgerlich und dann auch traurig…aber der Fuchs meint nur lapidar: „Sie sind ohnehin sauer!“ – So entkommt man einem unangenehmen Gefühl – und pflegt ein Ersatzgefühl (der Überheblichkeit).

Das Ersatzgefühl tritt an die Stelle der eigentlich „passenden“ Gefühle, wenn diese einstmals nicht erlaubt und unerwünscht waren. Mit einer gewissen Übung und Konsequenz, die wir alle ausreichend in unserer Kindheit und Schulzeit genießen durften, haben wir möglicherweise gelernt, statt traurig wütend zu sein oder statt wütend lieb, um entsprechend süß und niedlich zu wirken. Je nach dem, was bei den anderen, den Mächtigen ankam. Denn Ersatzgefühle werden in übermächtigen Situationen etabliert (soziale Lernprozesse).

Keineswegs nur in der engeren Familie, dort aber intensiv, generell gibt/gab es im gesellschaftlichen Umfeld eine bestimmte „Gefühlskultur“, die uns zu Ersatzgefühlen „verleiten“ konnte. Zuweilen fällt es uns heute schwer, Ersatzgefühle als solche wahrzunehmen, weil sie sich echt anfühlen. Lediglich andere spüren, dass da was „nicht ganz stimmt“. Der- oder diejenige selbst allerdings „schauspielert“ nicht, sondern fühlt wirklich und es bedarf einiger Anstrengung und Reflexion, vor allem aber Übung, die eigene Gefühlsspannweiten zu erweitern, zu erleben – zu genießen. Ach, was kann Trauer, tiefe Traurigkeit fühlend zulassen doch befreien! Und wie genussvoll ist ein ordentlicher Ärgeranfall! Und wie intelligent unsere Entscheidungen sein können, erfährt derjenige, der seiner Angst genau zuhört und ganz wortwörtlich in Erfahrung bringt, was sie mitzuteilen hat.

In Konflikten kommt der Mediator recht häufig mit Ersatzgefühlen in Kontakt. Das Konzept kann ihm dabei helfen, ihnen nicht „auf den Leim zu gehen“, sondern die Medianten ein „guter Spiegel“ zu sein.

Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Mediantin, die stets traurig wurde und weinte, wenn sie von der anderen Partei wieder verbal verletzt wurde. Indem ich ihr „anbot“, dass dies für mich eine ziemlich ärgerliche Situation wäre, die sie erlebte, konnte sie allmählich zu ihrem Ärger-Gefühl einen Zugang entwickeln – und fand wenig später ihre zuvor wirklich empfundene Traurigkeit geradezu eigentümlich. Nun, späterhin, als es wirklich Abschied zu nehmen galt von vormaligen Vorstellungen, konnte der Traurigkeit erneut, aber diesmal angemessen Platz eingeräumt werden.

19. Beziehungsbedürfnisse von Erskine

Konflikte zwischen Menschen sind zuweilen ein „tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse“ (M. Rosenberg). Allein schon aus diesem Grund ist es für Mediator_innen erforderlich, eine Vorstellung der verschiedenen Bedürfnisse des Menschen zu haben.

Die Transaktionsanalyse kennt bereits seit Berne sowohl physische als auch psychische Grundbedürfnisse (Konzept-Nr. 29); für Konfliktsituationen hilft es obendrein, sich eine konkrete Vorstellung davon zu machen, welche Bedürfnisse innerhalb einer Beziehung existieren.

Richard Erskine hat acht derartiger Beziehungsbedürfnisse aufgrund seiner jahrzehntelangen Beratungsarbeit mit Paaren identifiziert.

  • Bedürfnis nach Sicherheit
  • Bedürfnis nach Wertschätzung durch den anderen
  • Bedürfnis nach Akzeptanz und Anerkennung
  • Bedürfnis, verstanden zu werden und die persönliche Erfahrungen bestätigt zu bekommen
  • Bedürfnis nach Bestätigung der Einzigartigkeit
  • Bedürfnis, wahrnehmbaren Einfluss auf andere ausüben zu können
  • Bedürfnis, dass ein anderer die Initiative ergreift
  • Bedürfnis, Liebe, Zuneigung bzw. Zuwendung ausdrücken zu können.

All diese Bedürfnisse bestehen nicht nur oder zuvorderst gegenüber dem Konfliktpartner, sondern auch in Beziehung zum Mediator in unterschiedlichen Abmischungen. Nach meinen Erfahrungen können anhand dieser Konzeption hilfreiche Muster erkannt und schwierige Klippen bei der Analyse der Tiefenstruktur des Konflikts genommen werden. Das betrifft keineswegs nur Mediationen in Paarkonflikten, sondern insbesondere Konflikte am Arbeitsplatz und im Arbeitsteam. Das ist allzu verständlich, da wir mit den Arbeitskolleg_innen immerhin einen Großteil unserer Zeit verbringen.

20. Antreiberdynamiken nach Kahler

Die TA kennt 5 Antreiberdynamiken, die nicht nur im Rahmen von Burnout-Prävention und -bearbeitung ein weit über die TA-Szene hinaus etabliertes Konzept darstellen, sondern auch hervorragend geeignet sind, um Konfliktdynamiken zu erkennen und zu entschleunigen.

Die fünf Antreiberdynamiken sind:

  • „Sei (immer) perfekt!“
  • „Sei (immer) stark!“
  • „Beeil‘ Dich (immer)!“
  • „Streng‘ Dich (immer) an!“
  • „Mach’s anderen (immer) recht!“

Für Mediator_innen eignet sich das Konzept natürlich auch, um sich vorzubereiten und selbst gut „eingemittet“ zu sein – sozusagen perfekt vorbereitet.  😉

21. Systemdynamiken nach Mohr

Die Systemdynamiken nach Günther Mohr sind ein Metakonzept zur angemessenen Diagnose und Intervention in Organisationen. Das ist besonders wichtig für Vermittlungsarbeit in und mit Organisationen bzw. beim Nutzen von Konfliktmanagement- und Mediationskompetenzen im Rahmen eines systematischen Konfliktmanagements von Organisationen. Selbst eine knappe Einführung in das Konzept würde den Rahmen dieses Blogpost sprengen, weshalb ich lediglich mit dem Literaturhinweis auf Mohrs Aufsatz zu den Systemdynamiken im Handbuch „TA in der Mediation“ (2014, S. 455 – 468) hier diese Übersicht präsentiere.

Transaktionsanalyse Mediation

22. Die 3 Ps nach Crossman

Mediator_innen benötigen die Fähigkeit, sich (und andere) selbstbewusst durch einen problematischen und mitunter nervenaufreibenden Kommunikations- und Konflikt-Klärungsprozess zu steuern.

Die amerikanische Transaktionsanalytikerin Pat Crossman bietet in ihren Überlegungen Leitlinien für Berater und Prozessbegleiter an, die auch Mediator_innen hilfreich sein können, eine angemessene innere Haltung aufzubauen, um Menschen in Krisen- oder Konfliktsituationen achtsam begleiten zu können.

Das Kürzel „3P“ steht für Permission, Protection, PotencyMediator_innen bieten während des Vermittlungsprozesses Erlaubnis, Schutz und Stärke an, die sich in einer „er-fragenden Haltung“ äußern. Durch die Fragen der Mediator_in werden die Mediant_innen angeregt, über konflikt- mitunter sogar tabuträchtige Themen offen zu sprechen, was nur möglich ist, wenn diese in einem geschützten Rahmen stattfindet, der auch von der emotionalen Stärke des Dritten abhängt.

Die „3P“ bieten eine schnelle Orientierung und Grundlage für eine angemessene Hypothesenbildung, wenn es darum geht herauszufinden, was die Konfliktbeteiligten in der konkreten Situation „brauchen“, um ihren Konflikt samt seinen „unappetitlichen Tiefen“ bearbeiten zu können.

23. Stroke-Filter

Strokes gehören zu den psycho-physiologischen Grundbedürfnissen, die die Transaktionsanalyse benennt. Ihre Vernachlässigung führt nicht nur zu psychischen Problemen, sondern auch zu biologischen Komplikationen bis hin zum Tode. Als ein Stroke wird eine Einheit an Beachtung betrachtet, egal ob es sich um eine förderliche oder hinderliche, positive oder negative Zuwendung handelt. Jede Form der Beachtung, ob Anerkennung oder Ablehnung, Zu- oder Abwendung ist ein Stroke.

Dabei sind positive Strokes sozusagen verhaltens- oder seinsbejahende Anerkennungen, unabhängig vom moralischen oder sonstigen wertorientierten Urteil. Als negativ werden verhaltens- oder seinsverneinende bzw. -ablehnende Zuwendungen bezeichnet. (Zuweilen wird das in der Literatur, mehr noch aber in der Praxis der Transaktionsanalyse nicht ausreichend beachtet. Strokes erhalten per se eine moralische gute und positive Konnotation. Die Theorie der Strokes gibt dafür keine Anhaltspunkte.)

Der Stroke-Filter ist die Metapher für das Phänomen, dass Menschen bestimmte Zuwendungen buchstäblich ausblenden und nicht wahrnehmen, während sie andere umso deutlicher für-wahr-nehmen. Hier hilft die konzeptionelle Vorstellung, dass wir Menschen die Filtereinstellungen selbst bestimmen können. Wir sind in der Lage, Lob ernst zu nehmen und Kritik angemessen einzuordnen. Wir müssen nicht Lob als Gefahr für Müssiggang und Kritik als unumstößliche ewige Wahrheit annehmen.

24. Stroke-Hunger

Stroke-Hunger bezeichnet einfach die psycho-physiologische Tatsache, dass wir Strokes benötigen, um zu (über-)leben. Ohne Zuwendung stirbt der Mensch. Sie ist wie die Luft, die Nahrung und das Wasser lebensnotwendig. Aus diesem Grunde sind wir manchmal dazu genötigt, uns eigenartige Dinge einfallen zu lassen, um dem Tode zu entgehen.

Einige bemalen sogar Volleybälle, um nicht zu sterben…– und sterben doch fast für sie.

…ergreifend.

Das Konzept kann mitunter Erklärungen bieten für die scheinbar unerklärlichen Dinge, die Menschen in Konfliktsituationen tun oder sagen.

25. Rollenkonzept

Das Rollenkonzept der Systemischen Transaktionsanalyse unterscheidet sich vom Rollenkonzept der Soziologie, in dem eine soziale Rolle – grob vereinfachend – die Gesamtheit der Verhaltenserwartung bezeichnet.

Eine transaktionsanalytische Rolle stellt nach Bernd Schmid ein kohärentes System von Einstellungen, Gefühlen, Verhaltensweisen, Wirklichkeitsvorstellungen und zugehörigen Beziehungen dar. Ein zwar hochkomplexer Begriff, der allerdings in der praktischen (Beratungs-)Arbeit wohlerprobt ist.

Als Mediator nützt dieses Modell in erster Linie im Kontext von Organisation. Es hilft dabei, strukturell bedingte Konflikte zwischen Rollenträgern zu erläutern und die unterschiedlichen Rollenanforderungen als eine von mehreren Ursachen im erforderlichen Maße zu erkennen, zu reflektieren und in das Mediationsgespräch einzuführen.

In Zusammenhang mit dem Rollenkonzept der Transaktionsanalyse kann das Weltenkonzept nicht unerwähnt bleiben.

26. Weltenmodelle

Die systemische Transaktionsanalyse (vor allem durch Schmid und Mohr diesbzgl. formuliert) identifiziert (mittlerweile) fünf Welten, deren Kulturen auf Menschen (besser: Rollenträger) wirken bzw. durch diese in Ausgleich zu bringen sind. Ihrer Dynamik und Logik nach besteht die Tendenz, dass die einzelnen Welten die Personen ganz zu vereinnahmen suchen.  Wir haben unsere liebe Mühe, Berufs- und Privatwelt zu trennen. Verstärkt scheinen wir der Versuchung ausgesetzt, uns dem Druck der Organisationswelt zu beugen, auch im Privaten (Stichpunkt: ständige Erreichbarkeit). Und das Ganze verkaufen wir uns als Zeichen von Professionalität. Oder sprechen doch die besseren Argumente dafür, dass unsere Weltenkonzepte 1.0 von einer Industrie 4.0 überholt werden? Wie man es auch wendet, Fakt ist: Rollen kompetent und für sich ressourcenorientiert auszufüllen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben des modernen Menschen.

Die fünf Welten sind

  • Professionswelt
  • Organisationswelt
  • Privatwelt
  • Gemeinwesenwelt
  • Konsumwelt

27. Gruppendynamische Konzepte

Die Berneschen Gruppenkonzepte gehören in die Aufzählung einer Liste von TA-Konzepten für die Mediation. Aber sie im einzelnen zu erörtern, würde selbst den großzügigen Rahmen dieses Blogbeitrags sprengen. Doch für Mediatoren sind die Ausführungen von Eric Berne eine Fundgrube an Hinweisen und Reflexionsmaterial.

28. Functional Fluency-Modell

Das FF-Modell ist ein empirisch überprüftes Modell menschlichen Funktionierens und ermöglicht eine – wissenschaftlich fundierte – Verhaltensdiagnose, die für Mediatoren hilfreich ist, die Konflikt- und Kooperationsprozesse innerhalb hocheskalierter Konflikte zu diagnostizieren und angemessene Interventionen zu planen und umzusetzen bzw. zu evaluieren.

Das Modell ist eine Weiterentwicklung der transaktionsanalytischen Ichzustands-Theorie, die die ursprünglichen „Konstruktionsmängel“ zu beheben versucht und sprachliche Genauigkeit einzupflegen versucht. Letzteres ist für den theoretischen Diskurs wichtig, wird aber in der TA-Praxis kaum ausreichend genutzt.

29. Grundbedürfnisse

Die Transaktionsanalyse unterscheidet physiologische und psycho-physiologische Grundbedürfnisse. Zu den physiologischen Grundbedürfnissen gehören Nahrung, Kleidung und Platz, also Schutz bzw. Obdach. Zu den psycho-physiologischen Grundbedürfnissen gehört Stimulation, Struktur und Strokes (Konzept-Nr. 23)

Stimulation klärt, ob die Sinne ausreichend angeregt werden, Tasten, Schmecken, Riechen, Sehen und Hören. Deren Anregung ist essentiell für unser Wohlbefinden. Strukturbedürfnis fragt nach der Qualität der Zeit. Wie verbringe ich meine Zeit? Gibt es Muster; sind die hilfreich, förderlich oder schädigend?

30. Bonding-Kreislauf nach Kohlrieser

Um Bindungsphänomene angemessen zu würdigen, lohnt es sich auf den Bonding-Kreislauf wie ihn G. Kohlrieser beschrieben hat, zurückzugreifen. Als ehemaliger Geiselnehmerverhandler ist das Konzept mit jahrelanger Erfahrung in akuten, hocheskalierten Konfliktsituationen angereichert, das sich lohnt, für die Mediation genutzt und studiert zu werden.

31. Acht Interventionen nach Berne

Berne hatte 8 Interventionen für seine Beratungsarbeit identifiziert. Der TA-versierte Mediator kann sich an diesem Ordnungssystem orientieren, um sich Klarheit im Prozessverlauf zu verschaffen. Es bedarf lediglich einiger inhaltlicher Anpassungen an den mediativen Kontext und Auftrag, um die Interventionsformen rollenangemessen zu verwenden.

Die acht Interventionen sind:

  • Befragung = Weniger zu eigenen Informierung, mehr zur Intervention, zum Herausschälen wesentlicher Punkte.
  • Hervorhebung = Im Wege des Paraphrasieren werden wichtige Punkte markiert.
  • Konfrontation = Herausstellen von Informationen der Beteiligten, die auf einen Widerspruch und eine Unvereinbarkeit hinweisen. („Sie können sich partout nicht ausstehen, sagen Sie, verbringen aber die meiste Zeit miteinander, obschon sie niemand zwingt?!“; „Was wollen Sie sich mit Ihrem gegenseitigen Anschweigen mitteilen?“).
  • Erklärung = Durch das Angebot eines TA-Konzepts (z.B. des Dramadreiecks) wird der Modus des Erwachsenen-Ichs angeregt und aktiviert, indem eine Konfliktsituation mit dem TA-Konzept betrachtet und reflektiert wird.
  • Veranschaulichung = Ist ein Vergleich, ein Gleichnis oder eine Anekdote, die sich an die Ausführungen der Beteiligten anschließt und eine gewisse Konfrontation einleitet. Humorvoll, abmildernd bei Bedarf. Entspricht nicht ganz dem Konzept der Metaphernarbeit in der Mediation, da eine Veranschaulichung keine Lösungsrichtung anbietet im Gegensatz zu einer Metapher.
  • Bestätigung = Eine Bekräftigung. Gerade zu Beginn sehr beliebt bei Mediatoren.
  • Deutung = Ist eine erlebnisgeschichtliche Deutung, die keinesfalls in jedem Mediationskontext angebracht ist, bei langwierigen Konfliktprozessen in Dauerbeziehungen (Familie, Arbeit), aber durchaus in Betracht zu ziehen.
  • Kristallisation = Ist eine Situation, in der die Medianten vor eine Entscheidung gestellt werden, nachdem alle denkbaren Aspekte betrachtet und beachtet wurden. Die Mediation ist für sich genommen bereits entscheidungsorientiert, weshalb die TA als entscheidungsorientiertes Beratungsverfahren (decisional TA) wunderbar ergänzend passt.

32. Vertragskonzept

Das transaktionsanalytische Vertragskonzept hilft dem Mediator, den Gesprächs-Prozess zu strukturieren und (immer wieder) zu klären, wie sich alle Beteiligten der Mediation ver-tragen wollen, damit sie sich nicht verheben. Das Vertragskonzept ist ein prozessorientiertes Instrument, das Klärung ermöglicht. Es nutzt die allseitige Vereinbarung als Beratungs- und Bearbeitungsmethode und sichert auf diese Weise die Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten. Diese transaktionsanalytischen Vorarbeiten sind ein Steilpass für die Aufgaben und Vorgehensweisen von Mediatoren.

33. Kulturdiagnose von Organisationen nach Balling

Das Konzept der Kulturdiagnose von Balling eignet sich hervorragend für Mediationen in organisationalen Kontexten. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Medianten ihre organisationale Lösungskultur „mitbringen“  – und dadurch das gemeinsame Problem, den Konflikt noch verschärfen. Hier hilft sich der Mediator (und den Medianten), wenn er einen Blick auf die Organisationskultur riskiert und Mediation nicht als einen abgeschlossenen Raum versteht.

Transaktionsanalyse Mediation

So das waren 33 TA-Konzepte für Mediationen, die ich hier in mehr oder weniger willkürlicher Aufzählung knapp vorgestellt habe. Für eine seriöse Mediationsarbeit bedarf es freilich noch weiterer, ganz anders gelagerter Konzepte, aber die hier vorgestellten tragen einen Konfliktvermittler schon recht weit.

Was meinst Du, welches TA-Konzept fehlt Dir hier in der Aufzählung? Welches Nicht-TA-Konzept kannst Du statt eines der hier vorgestellten empfehlen? Schreib mir! Ich freu mich!

sw.

Dank an N. B. Andrade  für das hilfreiche Feedback vorab!

1. Grundhaltungen 

Sie sind der Ausgangspunkt vermittelnder Konfliktbearbeitung. Das Konzept der Grundhaltungen stammt noch von Eric Berne aus den Anfängen der Transaktionsanalyse. Das schlagwortartige „Ich bin ok., Du bist ok.“ birgt für den Mediator den Schatz, nicht in die Falle eskalierender Konflikte zu geraten und den Konflikt als Problem zu personalisieren und Schuld zu verteilen. Nicht die anderen Menschen sind das Problem, sondern deren Verhalten. Oder wie es im Harvard-Konzept heißt: Trenne den Menschen vom Problem – und löse es mit ihm.

Transaktionsanalyse Mediation

Das Konzept lässt sich auch dazu verwenden, grundsätzliche Herangehensweisen und Einstellungen gegenüber Problemen und Konflikten zu differenzieren, mit deren Hilfe verschiedene Konfliktstile und „-lösungsversuche“ strukturiert werden können. Insoweit handelt es sich eher um ein Analyse-Tool.

2. Autonomiekonzept

Die Transaktionsanalyse geht in der Tradition humanistischer Psychologie davon aus, dass Menschen reifen und wachsen wollen, eigenverantwortliche Entscheidungen treffen und dafür Verantwortung übernehmen wollen – kurz, in der Sprache der TA, dass sie „autonom“ agieren wollen. Auto-Nomos, Selbst-Gesetzlichkeit. In der Mediation wird das mit dem Prinzip der Eigenverantwortlichkeit aller Beteiligten erfasst. Die Transaktionsanalyse bietet dazu das passende Menschenbild, tiefenpsychologisch konzeptualisiert und verbal-handlich verpackt. Lediglich mit einem derartig humanistischen Menschenbild lohnt sich überhaupt die Arbeit von Mediator_innen, denn nur wenn sie die Vorstellung hegen, dass Menschen lernen, wachsen und sich weiterentwickeln (wollen), bedarf es einer Methode wie der Mediation.

Transaktionsanalyse Mediation

3. Dramadreieck von Karpman

Das Dramadreieck ist m.E. das Konzept der TA „für die Mediation“ schlechthin. Jeder, der es einmal gehört oder davon gelesen hat, vergisst es nicht wieder. Sie finden dazu einen wunderbaren Artikel meiner Kollegin Luise Lohkamp im Handbuch „TA in der Mediation“. Es beschreibt die grundlegende Dynamik eskalierender Konflikte und hilft zu verdeutlichen, wie alle Beteiligten gemeinsam die Konfliktstrukturen schaffen, aufrechterhalten und eine eskalierende Dynamik unterstützen. Für mich eine Perle der Transaktionsanalyse wie geschaffen für die Mediation.

Das Dramadreieck ist freilich auch geeignet, in anderen Arbeitssettings als der Mediation genutzt zu werden. So hilft es Führungskräften und Mitarbeitern, sich in konfliktträchtigen Situationen professionell und rollenangemessen zu verhalten.

Transaktionsanalyse Mediation

Du willst mehr zum Dramadreieck wissen, dann lies diesen Beitrag.

4. Dreiecksvertrag nach English

Mit dem Dreiecksvertrag lässt sich in (organisational verankerten) Mediationen gut der Vertragsprozess (Konzept-Nr. 32) darstellen und klären, welche Absprachen zwischen welchen Beteiligten getroffen wurden und noch werden müssen, wer welche Pflichten wem gegenüber hat, so dass letztlich jedem Beteiligten bewusst ist, woran er mit wem arbeitet.

Das ist besonders wichtig, wenn der Auftraggeber nicht anwesend ist. Nicht selten ist das der Fall, wenn die Mediation im Auftrag einer Organisation stattfindet. Hier ist der auftraggebende Rollenträger in der Mediation zumeist nicht anwesend. Deshalb kommen Absprachen zwischen Auftraggeber und (externen) Mediator zustande, die den Medianten nicht bewusst oder bekannt werden. Hier hilft das Konzept des Dreiecksvertrages, die vorhandene Komplexität zu erkennen und angemessen zu reduzieren.

Transaktionsanalyse Mediation

5. Tangentiale Transaktion

Zuweilen streiten sich Konfliktparteien „immer über dasselbe“, gerade in langjährigen (Konflikt-) Beziehungen kommen scheinbar immer dieselben Themen auf den Tisch, ohne dass ein gegenseitiges Verständnis erreicht wird, vom Einverstandensein ganz abgesehen. Scheinbar wurde auf der Straße der Erkenntnis, wer der andere ist oder was er meint, eine Abzweigung eingebaut, die zum Ausgangspunkt zurückführt – Von dort wird dann jedes Mal wieder Fahrt aufgenommen. Jedes Mal ein Stückchen frustrierter. Kommunikation als Irrgarten. Wer hat da schon Lust, mehr miteinander zu kommunizieren – wie das „Allheilmittel der Gutmütigen“ lautet.

Dabei geht es nicht um „mehr Kommunikation“, sondern um Dialogfähigkeit; die Fähigkeit, sich aufeinander zu beziehen. Das Instrumentarium dafür ist das Konzept der Tangentialen Transaktionen, das zum „Mess- und Klärungswerkzeug“ der Passivität-Modelle (Konzept-Nr. 7-9) gehört. Tangentiale Transaktionen kommen zustande, wenn die Beteiligten sich nicht aufeinander beziehen, sondern nur einen (winzig kleinen) Teil der Inhalte des Konfliktpartners herausgreifen und diesen nutzen, um über andere Dinge zu sprechen. Zwei Tangential-Profis können ein verbales Katz- und Maus-Spiel initiieren, ohne dass sie sich dessen vollkommen im Klaren sind. Am Ende sind jedenfalls beide genervt und sauer auf den anderen.

6. Blockierende Transaktion

Blockierende Transaktionen sind die zweite Form der redefinierenden Transaktionen (dazu auch Konzept-Nr. 5). Ebenso wie die tangentialen Transaktionen dienen sie (zumeist) unbewusst dazu, den eigenen Bezugsrahmen (Konzept-Nr. 7) aufrecht zu erhalten – und damit neue, mitunter problemösungsrelevante Informationen außen vor zu behalten.

In Konfliktsituationen sind sie deshalb besonders häufig anzutreffen. Alle kommunikativen Schattierungen von  „Der Punkt ist doch im Grunde…!“ bis „…aber das spielt hier doch keine Rolle, denn die eigentliche Frage ist…“ können als machtaktivierende kommunikative Blockaden verstanden werden.

7. Bezugsrahmen

Der Bezugsrahmen stellt die Gesamtheit der Bedeutungs-, Sinn- und Wertzuschreibungen eines Menschen dar, die er angesichts dessen trifft, was ihm von „Innen“ und „Außen“ her kommend begegnet. Der individuelle Bezugsrahmen enthält auch Elemente, die der Kultur und Gesellschaftsschicht zuzuordnen sind. Schließlich sind wir soziale Wesen und lernen voneinander.

Als Metapher für den Bezugsrahmen eignet sich die Brille, durch die der Mensch die Welt ganz individuell und anders sieht als ohne.

Der Vorteil von Bezugsrahmen ist, dass er psychologisch Sicherheit „gewährt“ und insofern Komplexität zu reduzieren hilft. Deshalb wird er auch gegen Angriffe, Veränderungen etc. verteidigt. Konfliktsituationen sind immer auch Bedrohungen der involvierten Bezugsrahmen. Darauf sollten Mediator_innen Acht geben.

Kommunikative Verteidigungsstrategien sind tangentiale und blockierende Transaktionen (Konzepte-Nr. 5 und 6)!

8. Passivität im Denken

Die Transaktionsanalyse nennt Denken passiv, wenn unbewusst Informationen nicht zur Kenntnis genommen werden, die für die Problemlösung relevant wären. Sie benennt vier Stufen passiven Denkens.

  1. Die Ausblendung des Problems. (=“Ich habe kein Konflikt mit Dir. Das ist Dein Problem.“)
  2. Die Abwertung des Problems. (=“Das mag sein, aber das ist doch nicht so schlimm wie Du behauptest. Da könnte ja jeder kommen!“)
  3. Die Unlösbarkeit des Problems wird angenommen. (=“Das ist schlimm,  aber nicht zu ändern.“)
  4. Die eigene Lösungsfähigkeit wird abgewertet. (=“Das ist schlimm, aber ich bin nicht in der Lage das Problem zu lösen.)

Transaktionsanalyse Mediation

Dem Mediator helfen diese Stufen, nicht mit den Medianten an Lösungen zu arbeiten (Stufe 4!), wenn sie den gemeinsamen Konflikt noch als Problem der jeweils anderen Partei definieren (Stufe 1!) bzw. die andere Partei zum Problem degradieren (Stufe 2!) oder oder oder…, jedenfalls noch nicht die Vorstellung hegen, dass sie ihre Konfliktsituation zu verantworten haben und deshalb in der Lage sind, diese gemeinsam zu beenden. Mediator_innen sollten deshalb das Konzept der Passivität kennen, um mit den Medianten auf der Stufe zu interagieren, auf der Probleme und Lösungsmöglichkeiten abgewertet werden.

9. Passivität im Handeln

Die Idee passiven Handelns gehört zum Konzeptpaket des Bezugsrahmens, zu dem auch das passive Denken gehört (Konzept-Nr. 8). Das Konzept der transaktionsanalytischen Passivität ermöglicht es, jegliche nicht problemlösende Handlungen zu identifizieren. Dazu zählen etwa das Nichtstun (offensichtliche Passivität), die Überanpassung (höchste Aktivität, Aktionismus), Agitation (Druckausüben) sowie Gewalt gegen sich selbst und andere (wozu etwa Alkoholis

10. Abwertungsmatrix

Die Abwertungsmatrix ist ein Arbeitstool, das sich aus den Überlegungen zur Passivität entwickelt hat. Es ist ein hervorragendes Diagnose- und Interventionstool, um den Problem- und Konfiktlösungsprozess intelligent zu strukturieren. Die Kommunikationsinhalte können anhand der Abwertungsmatrix ausgerichtet werden und dem Mediator wichtige Impulse liefern, die richtigen Fragen zur richtigen Zeit zu stellen.  Die Abwertungsmatrix kann deshalb gut mit der Mediations-Matrix (Konzept-Nr. 16) kombiniert verwendet werden.

Wie konkret die Abwertungsmatrix für Mediator_innen hilfreich ist, hat H. Schulze im Handbuch der Transaktionsanalyse in der Mediation ausführlich dargelegt. Dort findest Du einen guten Áufsatz, der sich konkret mit dem Thema auseinandersetzt.

Die folgende Grafik deutet allerdings die Komplexität an, wie beispielsweise eine alkoholabhängige Person ihr existentes Problem abwerten könnte und welch unterschiedlichen „Frageziele“ daraus abgeleitet werden müssen.

Transaktionsanalyse Mediation

11. Kommunikationsmodell der Transaktionsanalyse

Das Kommunikationsmodell der Transaktionen gehört zu den tragenden Säulen des gesamten „TA-Hauses“. Es basiert auf dem klassischen Sender-Empfänger-Modell, deren Ungewissheitsrelationen jedoch den “systemischen Prinzipien von Input und Outputkonflikten“ (Gührs/Nowak) folgen. Die Transaktionsanalyse i.e.S. umfasst drei Grundformen von Transaktionen:

  • komplementäre (parallele) Transaktionen
  • irritierende (gekreuzte) Transaktionen
  • disparate (verdeckte) Transaktionen

Jede Sequenz einer Kommunikation, jede Aktion und Reaktion, kann einer dieser drei Formen von Trans-Aktionen zugeordnet werden. Aus diesen Formen wiederum können sich Muster ergeben, sog. psychologische Spiele (Konzept-Nr. 15).

Für den Mediator ist das Konzept eine wirkliche Hilfe, um sich ein Bild von der Konfliktkommunikation und ihren Strukturen zu verschaffen. Zu Beginn etwas aufwendig, mit dem Konzept zu arbeiten, aber Übung macht hier nicht nur den Meister, sondern auch die Arbeit leichter.

12. Gekreuzte Transaktion

Gekreuzte Transaktionen helfen dem Mediator die Konfliktkommunikation zu identifizieren und sie grafisch darstellbar zu machen. Das hat entschleunigende Wirkung und hilft, die beiderseits enttäuschten Erwartungen besprechbar zu machen.

Erforderlich zum Verständnis gekreuzter Transaktionen ist die Kenntnis der kommunikationsrelevanten Verhaltensmodi (Funktionsmodell der Ichzustände). Hierbei handelt es sich um den bedeutendsten Beitrag der TA zur allgemeinen Kommunikationstheorie.

13. Paralleltransaktion

Ergänzend zu den gekreuzten Transaktionen (Konzept Nr. 12)  handelt es sich bei den sog. Paralleltransaktionen um Interaktionen, die den beiderseitigen Erwartungen entsprechen. D.h. die anvisierten, erwarteten Verhaltensmodi werden von dem Gesprächspartner auch genutzt, sodass die Reaktion den Erwartungen entspricht.

Hierbei handelt es sich klassischerweise nicht um eine Konfliktkommunikation, obschon die Paralleltransaktionen auch dazu genutzt werden können, um Konflikte zu stabilisieren, indem sie gerade nicht angesprochen werden. Derartige Konfliktmuster allerdings unterliegen einem genaueren Diagnosebedürfnis. Hierfür kann der Mediator die Transaktions-Analyse i.e.S. nutzen.

14. Verdeckte Transaktion

Verdeckte Transaktionen gehören zum Konzept der Transaktionsanalyse im engeren Sinne wie die parallelen und gekreuzten Transaktionen (Konzept-Nr. 12, 13).

Verdeckte Transaktionen beschreiben das Phänomen, dass auf zwei Ebenen kommuniziert wird, auf einer sozialen, offenen Ebene und auf einer psychologischen, verdeckten Ebene. Maßgeblich für den Fortgang der Interaktion zwischen den Beteiligten, ihr Wohlbefinden und ihr Miteinander ist dabei die psychologische Ebene. Sie umfasst die gesamte Beziehungsebene, wie es bei Watzlawick heißen würde. Im Konzept von Schulz von Thun, dem Vier-Ohren-Münder-Modell würden die Beziehungs-, Appell- und Selbstoffenbarungsebene erfasst sein.

Die Transaktionsanalyse schafft es, all diese Formen von Kommunikation grafisch mit Hilfe ihres Funktionsmodells von Ichzuständen darzustellen, die bestimmte Verhaltensmodi darstellen. Hier zum Beispiel handelt es sich um eine verdeckte Transaktion in der Arbeitswelt. Die verdeckte Ebene ist häufig an Tonfall, Gestik und Mimik erkennbar und deshalb grafisch nicht vollends darstellbar.

Transaktionsanalyse Mediation

15. Psychologische Spiele

Die Lehre der psychologischen Spiele ist eine der vier Säulen der klassischen Transaktionsanalyse. Eric Berne beschrieb klug und humorvoll dutzende Kommunikationsmuster zwischen Menschen in „Spiele der Erwachsenen“ (1964), einem frühen Klassiker der TA-Literatur und ein Bestseller der 60er Jahre in Amerika.

Psychologische Spiele sind Kommunikationsmuster von verdeckten Transaktionen (Konzept-Nr. 14), die schlussendlich mit großer Unzufriedenheit oder schlimmeren Ausgängen (Gewalt, Trennung, Tod oder Gefängnis) abgeschlossen werden. Die Doppelbödigkeit der Interaktionen zwischen den Beteiligten ist diesen nicht bewusst, so dass sie selbst überrascht und enttäuscht über die Entwicklungen sind. Beobachter allerdings erkennen die Musterhaftigkeit und sind zu gewissen „Vorhersagen“ in der Lage.

Für Mediator_innen ist das Konzept überaus bedeutsam, weil sie frühzeitig in die Lage kommen, verdeckte Anliegen im Konflikt aufzuspüren und ungute Entwicklungen beeinflussen können.

Christoph-Lemke Transaktionsanalyse Mediation

16. Mediationsmatrix nach Kouwenhoven

Der holländische Psychologe und Mediator M. Kouwenhoven hat im Handbuch „…Transaktionsanalyse in der Mediation“ (2014) ein Prozess-Modell für Mediationen vorgelegt, mit dem es möglich ist, die Konfliktbearbeitungsphase in der Mediation zu strukturieren und die Autonomie der Beteiligten zu aktivieren.

17. Grundgefühle nach Thomson

Ausgangsüberlegung ist, dass Gefühlen eine funktionsbezogene Angemessenheit attestiert werden kann. In der Transaktionsanalyse steht dafür das Konzept der Grundgefühle nach Thomson (ZTA 1989) zur Verfügung.

Er benennt vier Grundgefühle – Angst, Ärger, Trauer, Freude  –, die sich vier grundlegenden Verhaltensmodifikationen zuordnen lassen.

  • Angst ist die Gefühlsreaktion auf Bedrohungen, die zur Vorsicht und in einen gewissermaßen fügsamen Zustand führt.
  • Ärger ist die Gefühlsreaktion auf Hindernisse, die zu Anspannungen und in einen widerstrebenden, rebellischen Zustand führt.
  • Trauer ist die Gefühlsreaktion auf Verluste, die zu Hilflosigkeit und einem zurückgezogenen Zustand führt.
  • Freude ist die Gefühlsreaktion auf Problemfreiheit und Zufriedenheit, die zu Lockerheit und Unbekümmertheit und in einen freien Zustand führt.

 Diese vier Grundgefühle haben in dieser Konzeption einen historischen Bezugspunkt (Zeitqualität) sowie eine lebenserhaltende Funktion:

  • Angst ist auf die bedrohliche Zukunft gerichtet und soll den Fühlenden schadlos halten und Sicherheit vor der Bedrohung bieten.
  • Ärger ist auf die frustrierende Gegenwart gerichtet und soll verändernd wirken und damit die Frustrationsbewältigung ermöglichen.
  • Trauer ist auf die (verlust-)reiche Vergangenheit gerichtet und soll lösend wirken und damit Abschied ermöglichen.
  • Freude ist auf die (genuss-)reiche Gegenwart gerichtet und soll Freude ausdrücken um der Freude willen. Was sonst?!

Für Mediator_innen ist diese einfache Konzept hervorragend geeignet, die entsprechenden Gefühlsphänomene zuzuordnen und zu prüfen, ob diese angemessen sind oder möglicherweise eine verwirrende Doppelbödigkeit vorliegt. Dies stellt sich regelmäßig als ein Schlüssel zur Tiefenstruktur des Konflikts dar. 

Nebenbei zur Prävention: Das ist keine Spielart therapeutischer Mediation.

18. Ersatzgefühle nach English

Ein Ersatzgefühl ist ein Gefühl, das anstelle eines anderen, der erlebten Situation angemesseneren Gefühls zu treten pflegt.

Wenn wir Menschen z.B. einen schweren Verlust zu verarbeiten haben, ist es nicht angemessen, Freude zu empfinden oder Ärger. Trauergefühle sind in diesem Falle durchaus angemessen, wenn auch für einige mit ihren biografischen Erfahrungen immer noch „verboten“ („Sei nicht traurig! War doch nur ein Hamster!“).

In Krylows Fabel schafft es der Fuchs nicht, die zu hoch hängenden Kirschen vom Baum zu pflügen…Eigentlich ärgerlich und dann auch traurig…aber der Fuchs meint nur lapidar: „Sie sind ohnehin sauer!“ – So entkommt man einem unangenehmen Gefühl – und pflegt ein Ersatzgefühl (der Überheblichkeit).

Das Ersatzgefühl tritt an die Stelle der eigentlich „passenden“ Gefühle, wenn diese einstmals nicht erlaubt und unerwünscht waren. Mit einer gewissen Übung und Konsequenz, die wir alle ausreichend in unserer Kindheit und Schulzeit genießen durften, haben wir möglicherweise gelernt, statt traurig wütend zu sein oder statt wütend lieb, um entsprechend süß und niedlich zu wirken. Je nach dem, was bei den anderen, den Mächtigen ankam. Denn Ersatzgefühle werden in übermächtigen Situationen etabliert (soziale Lernprozesse).

Keineswegs nur in der engeren Familie, dort aber intensiv, generell gibt/gab es im gesellschaftlichen Umfeld eine bestimmte „Gefühlskultur“, die uns zu Ersatzgefühlen „verleiten“ konnte. Zuweilen fällt es uns heute schwer, Ersatzgefühle als solche wahrzunehmen, weil sie sich echt anfühlen. Lediglich andere spüren, dass da was „nicht ganz stimmt“. Der- oder diejenige selbst allerdings „schauspielert“ nicht, sondern fühlt wirklich und es bedarf einiger Anstrengung und Reflexion, vor allem aber Übung, die eigene Gefühlsspannweiten zu erweitern, zu erleben – zu genießen. Ach, was kann Trauer, tiefe Traurigkeit fühlend zulassen doch befreien! Und wie genussvoll ist ein ordentlicher Ärgeranfall! Und wie intelligent unsere Entscheidungen sein können, erfährt derjenige, der seiner Angst genau zuhört und ganz wortwörtlich in Erfahrung bringt, was sie mitzuteilen hat.

In Konflikten kommt der Mediator recht häufig mit Ersatzgefühlen in Kontakt. Das Konzept kann ihm dabei helfen, ihnen nicht „auf den Leim zu gehen“, sondern die Medianten ein „guter Spiegel“ zu sein.

Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Mediantin, die stets traurig wurde und weinte, wenn sie von der anderen Partei wieder verbal verletzt wurde. Indem ich ihr „anbot“, dass dies für mich eine ziemlich ärgerliche Situation wäre, die sie erlebte, konnte sie allmählich zu ihrem Ärger-Gefühl einen Zugang entwickeln – und fand wenig später ihre zuvor wirklich empfundene Traurigkeit geradezu eigentümlich. Nun, späterhin, als es wirklich Abschied zu nehmen galt von vormaligen Vorstellungen, konnte der Traurigkeit erneut, aber diesmal angemessen Platz eingeräumt werden.

19. Beziehungsbedürfnisse von Erskine

Konflikte zwischen Menschen sind zuweilen ein „tragischer Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse“ (M. Rosenberg). Allein schon aus diesem Grund ist es für Mediator_innen erforderlich, eine Vorstellung der verschiedenen Bedürfnisse des Menschen zu haben.

Die Transaktionsanalyse kennt bereits seit Berne sowohl physische als auch psychische Grundbedürfnisse (Konzept-Nr. 29); für Konfliktsituationen hilft es obendrein, sich eine konkrete Vorstellung davon zu machen, welche Bedürfnisse innerhalb einer Beziehung existieren.

Richard Erskine hat acht derartiger Beziehungsbedürfnisse aufgrund seiner jahrzehntelangen Beratungsarbeit mit Paaren identifiziert.

  • Bedürfnis nach Sicherheit
  • Bedürfnis nach Wertschätzung durch den anderen
  • Bedürfnis nach Akzeptanz und Anerkennung
  • Bedürfnis, verstanden zu werden und die persönliche Erfahrungen bestätigt zu bekommen
  • Bedürfnis nach Bestätigung der Einzigartigkeit
  • Bedürfnis, wahrnehmbaren Einfluss auf andere ausüben zu können
  • Bedürfnis, dass ein anderer die Initiative ergreift
  • Bedürfnis, Liebe, Zuneigung bzw. Zuwendung ausdrücken zu können.

All diese Bedürfnisse bestehen nicht nur oder zuvorderst gegenüber dem Konfliktpartner, sondern auch in Beziehung zum Mediator in unterschiedlichen Abmischungen. Nach meinen Erfahrungen können anhand dieser Konzeption hilfreiche Muster erkannt und schwierige Klippen bei der Analyse der Tiefenstruktur des Konflikts genommen werden. Das betrifft keineswegs nur Mediationen in Paarkonflikten, sondern insbesondere Konflikte am Arbeitsplatz und im Arbeitsteam. Das ist allzu verständlich, da wir mit den Arbeitskolleg_innen immerhin einen Großteil unserer Zeit verbringen.

20. Antreiberdynamiken nach Kahler

Die TA kennt 5 Antreiberdynamiken, die nicht nur im Rahmen von Burnout-Prävention und -bearbeitung ein weit über die TA-Szene hinaus etabliertes Konzept darstellen, sondern auch hervorragend geeignet sind, um Konfliktdynamiken zu erkennen und zu entschleunigen.

Die fünf Antreiberdynamiken sind:

  • „Sei (immer) perfekt!“
  • „Sei (immer) stark!“
  • „Beeil‘ Dich (immer)!“
  • „Streng‘ Dich (immer) an!“
  • „Mach’s anderen (immer) recht!“

Für Mediator_innen eignet sich das Konzept natürlich auch, um sich vorzubereiten und selbst gut „eingemittet“ zu sein – sozusagen perfekt vorbereitet.  😉

21. Systemdynamiken nach Mohr

Die Systemdynamiken nach Günther Mohr sind ein Metakonzept zur angemessenen Diagnose und Intervention in Organisationen. Das ist besonders wichtig für Vermittlungsarbeit in und mit Organisationen bzw. beim Nutzen von Konfliktmanagement- und Mediationskompetenzen im Rahmen eines systematischen Konfliktmanagements von Organisationen. Selbst eine knappe Einführung in das Konzept würde den Rahmen dieses Blogpost sprengen, weshalb ich lediglich mit dem Literaturhinweis auf Mohrs Aufsatz zu den Systemdynamiken im Handbuch „TA in der Mediation“ (2014, S. 455 – 468) hier diese Übersicht präsentiere.

Transaktionsanalyse Mediation

22. Die 3 Ps nach Crossman

Mediator_innen benötigen die Fähigkeit, sich (und andere) selbstbewusst durch einen problematischen und mitunter nervenaufreibenden Kommunikations- und Konflikt-Klärungsprozess zu steuern.

Die amerikanische Transaktionsanalytikerin Pat Crossman bietet in ihren Überlegungen Leitlinien für Berater und Prozessbegleiter an, die auch Mediator_innen hilfreich sein können, eine angemessene innere Haltung aufzubauen, um Menschen in Krisen- oder Konfliktsituationen achtsam begleiten zu können.

Das Kürzel „3P“ steht für Permission, Protection, PotencyMediator_innen bieten während des Vermittlungsprozesses Erlaubnis, Schutz und Stärke an, die sich in einer „er-fragenden Haltung“ äußern. Durch die Fragen der Mediator_in werden die Mediant_innen angeregt, über konflikt- mitunter sogar tabuträchtige Themen offen zu sprechen, was nur möglich ist, wenn diese in einem geschützten Rahmen stattfindet, der auch von der emotionalen Stärke des Dritten abhängt.

Die „3P“ bieten eine schnelle Orientierung und Grundlage für eine angemessene Hypothesenbildung, wenn es darum geht herauszufinden, was die Konfliktbeteiligten in der konkreten Situation „brauchen“, um ihren Konflikt samt seinen „unappetitlichen Tiefen“ bearbeiten zu können.

23. Stroke-Filter

Strokes gehören zu den psycho-physiologischen Grundbedürfnissen, die die Transaktionsanalyse benennt. Ihre Vernachlässigung führt nicht nur zu psychischen Problemen, sondern auch zu biologischen Komplikationen bis hin zum Tode. Als ein Stroke wird eine Einheit an Beachtung betrachtet, egal ob es sich um eine förderliche oder hinderliche, positive oder negative Zuwendung handelt. Jede Form der Beachtung, ob Anerkennung oder Ablehnung, Zu- oder Abwendung ist ein Stroke.

Dabei sind positive Strokes sozusagen verhaltens- oder seinsbejahende Anerkennungen, unabhängig vom moralischen oder sonstigen wertorientierten Urteil. Als negativ werden verhaltens- oder seinsverneinende bzw. -ablehnende Zuwendungen bezeichnet. (Zuweilen wird das in der Literatur, mehr noch aber in der Praxis der Transaktionsanalyse nicht ausreichend beachtet. Strokes erhalten per se eine moralische gute und positive Konnotation. Die Theorie der Strokes gibt dafür keine Anhaltspunkte.)

Der Stroke-Filter ist die Metapher für das Phänomen, dass Menschen bestimmte Zuwendungen buchstäblich ausblenden und nicht wahrnehmen, während sie andere umso deutlicher für-wahr-nehmen. Hier hilft die konzeptionelle Vorstellung, dass wir Menschen die Filtereinstellungen selbst bestimmen können. Wir sind in der Lage, Lob ernst zu nehmen und Kritik angemessen einzuordnen. Wir müssen nicht Lob als Gefahr für Müssiggang und Kritik als unumstößliche ewige Wahrheit annehmen.

24. Stroke-Hunger

Stroke-Hunger bezeichnet einfach die psycho-physiologische Tatsache, dass wir Strokes benötigen, um zu (über-)leben. Ohne Zuwendung stirbt der Mensch. Sie ist wie die Luft, die Nahrung und das Wasser lebensnotwendig. Aus diesem Grunde sind wir manchmal dazu genötigt, uns eigenartige Dinge einfallen zu lassen, um dem Tode zu entgehen.

Einige bemalen sogar Volleybälle, um nicht zu sterben…– und sterben doch fast für sie.

…ergreifend.

Das Konzept kann mitunter Erklärungen bieten für die scheinbar unerklärlichen Dinge, die Menschen in Konfliktsituationen tun oder sagen.

25. Rollenkonzept

Das Rollenkonzept der Systemischen Transaktionsanalyse unterscheidet sich vom Rollenkonzept der Soziologie, in dem eine soziale Rolle – grob vereinfachend – die Gesamtheit der Verhaltenserwartung bezeichnet.

Eine transaktionsanalytische Rolle stellt nach Bernd Schmid ein kohärentes System von Einstellungen, Gefühlen, Verhaltensweisen, Wirklichkeitsvorstellungen und zugehörigen Beziehungen dar. Ein zwar hochkomplexer Begriff, der allerdings in der praktischen (Beratungs-)Arbeit wohlerprobt ist.

Als Mediator nützt dieses Modell in erster Linie im Kontext von Organisation. Es hilft dabei, strukturell bedingte Konflikte zwischen Rollenträgern zu erläutern und die unterschiedlichen Rollenanforderungen als eine von mehreren Ursachen im erforderlichen Maße zu erkennen, zu reflektieren und in das Mediationsgespräch einzuführen.

In Zusammenhang mit dem Rollenkonzept der Transaktionsanalyse kann das Weltenkonzept nicht unerwähnt bleiben.

26. Weltenmodelle

Die systemische Transaktionsanalyse (vor allem durch Schmid und Mohr diesbzgl. formuliert) identifiziert (mittlerweile) fünf Welten, deren Kulturen auf Menschen (besser: Rollenträger) wirken bzw. durch diese in Ausgleich zu bringen sind. Ihrer Dynamik und Logik nach besteht die Tendenz, dass die einzelnen Welten die Personen ganz zu vereinnahmen suchen.  Wir haben unsere liebe Mühe, Berufs- und Privatwelt zu trennen. Verstärkt scheinen wir der Versuchung ausgesetzt, uns dem Druck der Organisationswelt zu beugen, auch im Privaten (Stichpunkt: ständige Erreichbarkeit). Und das Ganze verkaufen wir uns als Zeichen von Professionalität. Oder sprechen doch die besseren Argumente dafür, dass unsere Weltenkonzepte 1.0 von einer Industrie 4.0 überholt werden? Wie man es auch wendet, Fakt ist: Rollen kompetent und für sich ressourcenorientiert auszufüllen, gehört zu den vorrangigen Aufgaben des modernen Menschen.

Die fünf Welten sind

  • Professionswelt
  • Organisationswelt
  • Privatwelt
  • Gemeinwesenwelt
  • Konsumwelt

27. Gruppendynamische Konzepte

Die Berneschen Gruppenkonzepte gehören in die Aufzählung einer Liste von TA-Konzepten für die Mediation. Aber sie im einzelnen zu erörtern, würde selbst den großzügigen Rahmen dieses Blogbeitrags sprengen. Doch für Mediatoren sind die Ausführungen von Eric Berne eine Fundgrube an Hinweisen und Reflexionsmaterial.

28. Functional Fluency-Modell

Das FF-Modell ist ein empirisch überprüftes Modell menschlichen Funktionierens und ermöglicht eine – wissenschaftlich fundierte – Verhaltensdiagnose, die für Mediatoren hilfreich ist, die Konflikt- und Kooperationsprozesse innerhalb hocheskalierter Konflikte zu diagnostizieren und angemessene Interventionen zu planen und umzusetzen bzw. zu evaluieren.

Das Modell ist eine Weiterentwicklung der transaktionsanalytischen Ichzustands-Theorie, die die ursprünglichen „Konstruktionsmängel“ zu beheben versucht und sprachliche Genauigkeit einzupflegen versucht. Letzteres ist für den theoretischen Diskurs wichtig, wird aber in der TA-Praxis kaum ausreichend genutzt.

29. Grundbedürfnisse

Die Transaktionsanalyse unterscheidet physiologische und psycho-physiologische Grundbedürfnisse. Zu den physiologischen Grundbedürfnissen gehören Nahrung, Kleidung und Platz, also Schutz bzw. Obdach. Zu den psycho-physiologischen Grundbedürfnissen gehört Stimulation, Struktur und Strokes (Konzept-Nr. 23)

Stimulation klärt, ob die Sinne ausreichend angeregt werden, Tasten, Schmecken, Riechen, Sehen und Hören. Deren Anregung ist essentiell für unser Wohlbefinden. Strukturbedürfnis fragt nach der Qualität der Zeit. Wie verbringe ich meine Zeit? Gibt es Muster; sind die hilfreich, förderlich oder schädigend?

30. Bonding-Kreislauf nach Kohlrieser

Um Bindungsphänomene angemessen zu würdigen, lohnt es sich auf den Bonding-Kreislauf wie ihn G. Kohlrieser beschrieben hat, zurückzugreifen. Als ehemaliger Geiselnehmerverhandler ist das Konzept mit jahrelanger Erfahrung in akuten, hocheskalierten Konfliktsituationen angereichert, das sich lohnt, für die Mediation genutzt und studiert zu werden.

31. Acht Interventionen nach Berne

Berne hatte 8 Interventionen für seine Beratungsarbeit identifiziert. Der TA-versierte Mediator kann sich an diesem Ordnungssystem orientieren, um sich Klarheit im Prozessverlauf zu verschaffen. Es bedarf lediglich einiger inhaltlicher Anpassungen an den mediativen Kontext und Auftrag, um die Interventionsformen rollenangemessen zu verwenden.

Die acht Interventionen sind:

  • Befragung = Weniger zu eigenen Informierung, mehr zur Intervention, zum Herausschälen wesentlicher Punkte.
  • Hervorhebung = Im Wege des Paraphrasieren werden wichtige Punkte markiert.
  • Konfrontation = Herausstellen von Informationen der Beteiligten, die auf einen Widerspruch und eine Unvereinbarkeit hinweisen. („Sie können sich partout nicht ausstehen, sagen Sie, verbringen aber die meiste Zeit miteinander, obschon sie niemand zwingt?!“; „Was wollen Sie sich mit Ihrem gegenseitigen Anschweigen mitteilen?“).
  • Erklärung = Durch das Angebot eines TA-Konzepts (z.B. des Dramadreiecks) wird der Modus des Erwachsenen-Ichs angeregt und aktiviert, indem eine Konfliktsituation mit dem TA-Konzept betrachtet und reflektiert wird.
  • Veranschaulichung = Ist ein Vergleich, ein Gleichnis oder eine Anekdote, die sich an die Ausführungen der Beteiligten anschließt und eine gewisse Konfrontation einleitet. Humorvoll, abmildernd bei Bedarf. Entspricht nicht ganz dem Konzept der Metaphernarbeit in der Mediation, da eine Veranschaulichung keine Lösungsrichtung anbietet im Gegensatz zu einer Metapher.
  • Bestätigung = Eine Bekräftigung. Gerade zu Beginn sehr beliebt bei Mediatoren.
  • Deutung = Ist eine erlebnisgeschichtliche Deutung, die keinesfalls in jedem Mediationskontext angebracht ist, bei langwierigen Konfliktprozessen in Dauerbeziehungen (Familie, Arbeit), aber durchaus in Betracht zu ziehen.
  • Kristallisation = Ist eine Situation, in der die Medianten vor eine Entscheidung gestellt werden, nachdem alle denkbaren Aspekte betrachtet und beachtet wurden. Die Mediation ist für sich genommen bereits entscheidungsorientiert, weshalb die TA als entscheidungsorientiertes Beratungsverfahren (decisional TA) wunderbar ergänzend passt.

32. Vertragskonzept

Das transaktionsanalytische Vertragskonzept hilft dem Mediator, den Gesprächs-Prozess zu strukturieren und (immer wieder) zu klären, wie sich alle Beteiligten der Mediation ver-tragen wollen, damit sie sich nicht verheben. Das Vertragskonzept ist ein prozessorientiertes Instrument, das Klärung ermöglicht. Es nutzt die allseitige Vereinbarung als Beratungs- und Bearbeitungsmethode und sichert auf diese Weise die Eigenverantwortlichkeit der Beteiligten. Diese transaktionsanalytischen Vorarbeiten sind ein Steilpass für die Aufgaben und Vorgehensweisen von Mediatoren.

33. Kulturdiagnose von Organisationen nach Balling

Das Konzept der Kulturdiagnose von Balling eignet sich hervorragend für Mediationen in organisationalen Kontexten. Denn es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Medianten ihre organisationale Lösungskultur „mitbringen“  – und dadurch das gemeinsame Problem, den Konflikt noch verschärfen. Hier hilft sich der Mediator (und den Medianten), wenn er einen Blick auf die Organisationskultur riskiert und Mediation nicht als einen abgeschlossenen Raum versteht.

Transaktionsanalyse Mediation

So das waren 33 TA-Konzepte für Mediationen, die ich hier in mehr oder weniger willkürlicher Aufzählung knapp vorgestellt habe. Für eine seriöse Mediationsarbeit bedarf es freilich noch weiterer, ganz anders gelagerter Konzepte, aber die hier vorgestellten tragen einen Konfliktvermittler schon recht weit.

Was meinst Du, welches TA-Konzept fehlt Dir hier in der Aufzählung? Welches Nicht-TA-Konzept kannst Du statt eines der hier vorgestellten empfehlen? Schreib mir! Ich freu mich!

sw.

Dank an N. B. Andrade  für das hilfreiche Feedback vorab!

2017-08-29T14:48:20+00:001. 11. 2014|

Über den Autor:

Dr. jur. Sascha Weigel, Mediator und Ausbilder (BM), Transaktionsanalytiker und Systemdesigner, Gründer und Inhaber von INKOVEMA, spezialisiert auf strategische Mediationen und hochwertige Ausbildungen in Mediation.

2 Comments

  1. Sven Golob 13/04/2017 um 16:06 Uhr - Antworten

    Vielen Dank für diesen großartigen Artikel, der exakt das umfasst, wonach ich gesucht habe: Wie passen TA und Mediation zusammen, bzw. was bietet die TA konzeptionell für die Mediation?
    Da in meiner eigenen TA-Ausbildung zuletzt Abwertungen ein Thema waren, habe ich mich sehr über den Literaturtipp dazu gefreut.
    Interessant wäre noch zu betrachten, inwiefern Symbiose (s. Schiff-Schule) ein weiteres Konzept ist, das in der Mediation Beachtung finden sollte.

  2. Sascha 13/04/2017 um 16:06 Uhr - Antworten

    Sehr gerne, Sven. Konzeptionell passen zu diesem Thema die Beiträge in dem Handbuch „Theorie und Praxis der TA in der Mediation“ (2014, hrsg. von Sascha Weigel ;-)) ausführlicher und mit weiteren praktischen Anwendungsmöglichkeiten versehen.

    Dort findet sich auch auf S. 331 von Chr. Küster ein Beitrag, der sich intensiv mit dem Symbiose-Konzept im Rahmen der Mediation beschäftigt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Shares