INKOVEMA-Podcast „Episoden der Mediation“

#08 EdM – Wenn eine Konfliktpartei einfach nicht will, aber in die Mediation muss

Umgang mit Un(frei)willigkeiten und Widersprüchlichkeiten

Episoden der Mediation. Der Podcast zu den praktischen Fragen zur Mediation und des Konfliktmanagements.

Herzlich Willkommen zu den EdM, 

dem Lehrstream von INKOVEMA zu den praktischen Fragen der Mediation und und des Konfliktmanagements. 

Hier werden Praxissituationen der Mediation, aber auch von Coachings und Konfliktberatungen erläutert, reflektiert und eingeordnet.

Das ist Folge 8 – Freiwilligkeit im Kontext von Organisationen, ganz praktisch.

Problemdarstellung

Niemand kommt gern in eine Mediation – außer Mediator*innen, wohl kaum aber die Konfliktparteien. Für diese ist die Mediation die größte Hoffnung oder das kleinste Übel – je nach persönlicher Perspektive. Und in diesem Kontext können wir von Freiwilligkeit sprechen, die gewahrt sein sollte. 

Nirgends wird das deutlicher als in Familienkonflikten und in Streitigkeiten in der Arbeitswelt.

Der Preis, den die Konfliktparteien zahlen müssten, wenn sie nichts unternehmen und die Konfliktbeziehung frei entfalten lassen würden, wäre einfach zu hoch – so dass der Versuch, in einer Mediation die Dinge zu regeln, preiswert erscheint. Aber weiß Gott, die Parteien könnten sich in aller Regel Besseres vorzustellen zu tun, als in einer Mediation zu sitzen. Doch wie gesagt, jeder ist sich im Klaren, dass die Beziehung ohne dieses Engagement noch schlechter werden würde.

Dazu folgender, fast schon skurriler Fall aus meiner Mediationspraxis, in der eine Seite der Konfliktparteien die Mediation rundheraus ablehnte und nicht mitmachen, aber auch nicht gehen und das Gespräch beenden wollte. Hier war guter Rat teuer!…

Ich entschied mich, einfach loszulegen, und den Umstand zu nutzen, dass die Biologie auf meiner Seite war: Den einen Mund kann man zwar bewusst verschlossen halten, nicht aber die beiden Ohren. Beides zeigt das Grundprinzip erfolgreicher Konfliktbearbeitung an: Mehr zuhören, weniger sprechen.

Ich begann mit dem GF zu sprechen und Ihre Zuhörbereitschaft am Fenster für den Klärungsprozess zu nutzen, gleichwohl aber respektvoll mit ihrem Wunsch, kein Wort sagen zu wollen, umzugehen. Deshalb habe ich auch nicht gefragt, ob das ok für Sie ist, dass ich einfach mit dem GF loslege und so in die psychologische Falle zu tappen,Sie zu einer Antwort zu nötigen, da sie ja kein Wort sagen wollte.

    • Einfache, offene Fragen, ggf. vermutete Befürchtungen der GF ansprechend aufgreifen (Theater?!)
      1. Wie geht es ihnen mit dem Konflikt bei Ihren Mitarbeiterinnen?
      2. Was war ihr Anliegen mit der Neueinstellung?
      3. Wann merkten Sie, dass das nicht so reibungslos verlaufen würde und wie stellte sich die Entwicklung für Sie dar?

Ganz viele Informationen für die Mitarbeiterin dem GF herauslockend.

    • Zirkuläre Fragen!!! (Riskant, aber dynamisierend)
      1. Was glauben Sie, Herr GF, was Ihre Kollegin antworten würde auf die Frage, weshalb Sie das Gespräch verweigert…?
      2. Was meinen Sie, was Sie sich wünscht, von Ihnen als AG?
    • Zum Schluss dann Fragen, die die Gegenwart und Zukunft ins Auge fassen. 
      1. WAS KÖNNEN SIE LEISTEN?
      2. WOZU SIND SIE BEREIT?
      3. WENN NICHTS PASSIERT, WAS PASSIERT DANN?

Was hätten Sie gemacht, verehrte Hörerin, verehrter Hörer???