INKOVEMA-Podcast „Gut durch die Zeit“

#264 GddZ

KI-gestützte Psychotherapie

Wie weit sind die neuen Technologien für einen Einsatz im Kontext Psychotherapie?

Im Gespräch mit Stefan Lüttke (Univ. Greifswald)

Dipl.-Psych., Stefan Lüttkeist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Greifswald; Seine Arbeit erforscht digitale Ansätze in der Psychotherapie. Lüttke fokussiert sich auf die Schnittstelle zwischen Psychologie und moderner Technologie, insbesondere bei der Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen:

  • Projektleitung iCAN: Er leitet das Projekt „iCAN“ (Intelligente, Chatbot-assistierte ambulante Nachsorge), das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert wird.
  • Digitale Diagnostik: Mit dem Projekt „What’s up?“ arbeitet er an einem digitalen Frühwarnsystem für Rückfälle bei Depressionen, das Smartphone-Daten und Wearables nutzt.
  • Weitere Interessen: Er forscht zur digitalen Phänotypisierung der Depression sowie zum Zusammenhang von Emotionen und sozialer Kognition.

Kleine Reihe: Neue Technologien für Mediation und Beratung (Teil 12)

Inhalt

In dieser Episode des Podcasts „Gut durch die Zeit“ dreht sich alles um den Einsatz von neuen Technologien in der Beratung, insbesondere im Bereich der Therapie und Psychotherapie. Ich habe das Vergnügen, Stefan Lüttke, einen Experten für Kinder- und Jugendpsychologie, als meinen Gast zu begrüßen. Wir gehen der Frage nach, welche Möglichkeiten diese Technologien bereits bieten und welche Zukunftsperspektiven sich daraus ergeben können, insbesondere für Beratungsformate wie Konfliktberatung und Mediation.

Stefan, der an der Universität Greifswald tätig ist, teilt seine Erfahrungen aus der Forschung, in der er sich intensiv mit digitalen Anwendungen beschäftigt, die sich für die Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen nutzen lassen. Er erklärt, dass die Affinität der jüngeren Generationen zu Smartphones ein großes Potenzial birgt, therapeutische Hilfe durch digitale Medien zugänglicher zu machen. Wir diskutieren über den Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) und darüber, wie bereits vor Jahren erste Ansätze zur Analyse von WhatsApp-Nachrichten begonnen wurden, um depressive Symptome zu erkennen. Dies zeigt, wie technologiegestützte Ansätze rasch an Bedeutung gewinnen und potenziell Früherkennung und Interventionen revolutionieren können.

Ein zentraler Punkt unserer Diskussion ist der Einsatz von Chatbots, die mittlerweile relevante Rollen in der psychologischen Beratung einnehmen. Stefan berichtet von einer großen Studie, die zeigt, dass insbesondere vulnerable Jugendliche diese Dienste nutzen, um emotionale Unterstützung zu erhalten. Wir betrachten die Auswirkungen solcher Technologien auf das psychische Wohlbefinden und die Herausforderungen, die mit der Nutzung von KI in sensiblen Bereichen wie der Psychotherapie verbunden sind. Gleichzeitig diskutieren wir die Balance zwischen Nutzen und Gefahr, insbesondere im Hinblick auf Datenschutz und die Qualität der Informationen, die von diesen Bots bereitgestellt werden.

Wir gehen auch der Frage nach, inwieweit Technologien die Ausbildung von Therapeuten beeinflussen können. Stefan hebt hervor, dass durch computergestützte Simulationen von Patientengesprächen angehende Therapeuten spezifische Situationen trainieren können, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Dies könnte eine bedeutende Erleichterung in den Ausbildungsprozessen darstellen und die Qualität der therapeutischen Interventionen positiv beeinflussen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass neue Technologien zwar enorme Potenziale bieten, die bestehende Beratungslandschaft zu ergänzen und zu verbessern, jedoch auch ethische und wissenschaftliche Herausforderungen mit sich bringen. Diese gilt es, sorgfältig zu navigieren, um den Patienten die Sicherheit und die effektive Unterstützung zu bieten, die sie benötigen. Stefans Einsichten liefern einen beeindruckenden Überblick über die Entwicklungen und Möglichkeiten in diesem spannenden Feld der digitalen Psychologie und zeigen, wie wichtig es ist, fundierte und verantwortungsvolle Wege im Einsatz von Technologie zu finden.

Kapitel:

0:03 – Willkommen im Podcast
2:01 – Technologien in der Psychotherapie
4:05 – KI und ihre Möglichkeiten
8:30 – Risiken und Herausforderungen von KI
13:45 – Gesellschaftliche Bedarfe in der Beratung
16:48 – Notwendigkeit spezieller Tools
21:35 – Zukunft der Therapieausbildung
27:30 – Mensch und Maschine im Dialog
32:40 – Fazit und Ausblick