#278 GddZ – Verhandlungslehre. Teil 7 – Der kompetitive Verhandlungsansatz. Im Gespräch mit Dr. Jörg Schneider-Brodtmann

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#278 GddZ

Verhandlungslehre. Teil 7

Der kompetitive Verhandlungsansatz.

Intuitives Verhandeln

Im Gespräch mit Dr. Jörg Schneider-Brodtmann

Rechtsanwalt, Verhandlungsexperte und Mediator; studierte Rechtswissenschaften in Tübingen, Genf/Schweiz, Heidelberg; Master of Laws (Mediation und Konfliktmanagement), Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder). Anwalt des Jahres für Technologierecht, Handelsblatt / Best Lawyers 2022 und 2024; Empfohlen für IT- und Technologierecht, Handelsblatt / Best Lawyers 2022, 2023 und 2024; Empfohlen für Data / Information Technology, Who’s Who Legal Global und Germany 2022 und 2023; gilt als einer der renommiertesten Anwälte für IT-Recht, WirtschaftsWoche 34/2019.

Kleine Reihe: Verhandlungslehre. Teil 7

Kapitel:

0:08 Verhandlungsauftakt und Grundbegriffe

3:25 Was ist Verhandlung eigentlich?

7:21 Die Linie des Kompetitiven

10:19 Druck statt Mehrwert

13:58 Mediation und Konkurrenz

16:52 Das Intuitive im Verhandeln

20:08 Gewinner trotz Wettbewerb

25:24 Distributive Phasen erkennen

29:52 Taktiken und Informationsspiele

35:19 Hart, weich und Klischees

41:43 Angriff und Abwehr

43:46 Das Verhandlungsdilemma

48:00 Kultur und Feilschen

Zusammenfassung:

In dieser Episode sprechen wir über kompetitives Verhandeln als eine grundlegende Form des Verhandelns. Wir ordnen es als Gegenstück zum kooperativen, interessenorientierten Verhandeln ein und betonen, dass es etwas Alltägliches und Intuitives ist, das wir früh lernen und oft unbewusst anwenden.

Wir definieren Verhandlung als einen Prozess, in dem mehrere Personen mit unterschiedlichen Interessen versuchen, ein Ziel zu erreichen. Dabei geht es häufig darum, ein klares Ja zur eigenen Position zu bekommen, etwa bei Kaufverhandlungen, Gehaltsgesprächen oder in Konfliktsituationen.

Wir erklären, dass kompetitives Verhandeln auf Verteilung und Gegensatz beruht: Der Gewinn der einen Seite ist oft der Verlust der anderen. Typische Mittel sind Druck, Zeitdruck, Argumentation, das Zurückhalten von Informationen und das Erzeugen von Konkurrenzsituationen.

Wir unterscheiden Strategie und Stil. Kompetitives Verhandeln kann freundlich, verbindlich und ruhig auftreten, ohne seinen harten Verteilungscharakter zu verlieren. Umgekehrt kann auch kooperatives Verhandeln klar und bestimmt sein. Die Einteilung in hart und weich reicht dafür nicht aus.

Wir besprechen außerdem den Zusammenhang mit Mediation. Dort kann es ebenfalls Phasen geben, in denen verteilt werden muss. Wenn die Beziehung geklärt ist, werden kompetitive Techniken leichter akzeptiert. Gleichzeitig bleibt wichtig, Informationsasymmetrien, Misstrauen und eskalierende Taktiken zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

Zum Schluss halten wir fest, dass kompetitives Verhandeln nicht per se negativ ist. Es ist vor allem in Verteilungssituationen normal und oft notwendig. Wer professionell verhandeln will, sollte sowohl kompetitive als auch kooperative Ansätze beherrschen.

Kompetitives Verhandeln

Kompetitives Verhandeln bezeichnet einen Verhandlungsstil, bei dem die Durchsetzung der eigenen Interessen im Vordergrund steht. Verhandlungen werden als Verteilungskonflikt verstanden: Was die eine Seite gewinnt, verliert die andere. Nullsummenspiele. Ziel ist es, den größtmöglichen eigenen Vorteil zu erzielen – etwa bei Preis, Macht, Ressourcen oder Konditionen.

Vorteile

  • Klare Interessenvertretung und konsequente Zielverfolgung.
  • Besonders wirksam bei einmaligen Verhandlungen ohne langfristige Beziehung.
  • Geeignet, um gegen unfaire Forderungen oder aggressives Verhalten standzuhalten.
  • Kann in Zeitdrucksituationen schnelle Entscheidungen ermöglichen.

Anwendungsfelder

  • Preis- und Vertragsverhandlungen mit hohem Verteilungsanteil.
  • Einmalige Geschäftsabschlüsse oder Auktionen.
  • Verhandlungen mit Wettbewerbern oder Marktgegnern.
  • Situationen, in denen die Beziehung zur Gegenseite nachrangig ist oder Machtfragen im Vordergrund stehen.

Risiken

  • Beschädigung oder Verlust der Geschäfts- oder Arbeitsbeziehung.
  • Eskalation von Konflikten und zunehmende Konfrontation.
  • Geringere Bereitschaft zum Informationsaustausch, wodurch gemeinsame Wertschöpfungschancen ungenutzt bleiben.
  • Gefahr von Misstrauen, Blockaden oder Vergeltungsstrategien in späteren Verhandlungen.
  • Kurzfristige Gewinne können langfristige Kooperationen und den eigenen Ruf beeinträchtigen.

In der Praxis ist kompetitives Verhandeln daher kein grundsätzlich „guter“ oder „schlechter“ Ansatz. Seine Wirksamkeit hängt vom Kontext ab: Je stärker es um die reine Verteilung eines festen Wertes geht, desto sinnvoller kann ein kompetitives Vorgehen sein. Je wichtiger dagegen eine tragfähige Beziehung oder die Entwicklung gemeinsamer Lösungen ist, desto eher stößt dieser Ansatz an seine Grenzen.

  • Adler jr., Bill: How to negotiate like a child. Unleash the little monster within to get everything you want, 2006.
  • Risse, Jörg: Wirtschaftsmediation, 2. Auflage, München 2o22.
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