#38 EdM – Vorgespräche für eine Mediation nur mit dem Chef?!

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#38 EdM

Vorgespräche für eine Mediation nur mit dem Chef?!

Zusammenfassung

In dieser Folge sprechen wir über Vorgespräche in der Mediation und darüber, wann solche Gespräche nur mit dem Chef oder Organisationsvertreter geführt werden sollten. Ausgangspunkt ist ein Fall aus einem jungen Unternehmen mit Konflikten im Führungskreis, in dem die Personalabteilung eine Mediation anfragt.

Wir beschreiben das Aufklärungsgespräch mit dem Geschäftsführer als Auftraggeber der Mediation. Dabei klären wir die Rollen im Unternehmen und unterscheiden zwischen seiner Funktion als Vertreter der Organisation und seiner späteren Rolle als Mediant in der Mediation.

Ein zentrales Thema ist die Frage, ob vorab auch mit den anderen Beteiligten der angedachten Mediation Einzelgespräche geführt werden sollten. Wir lehnen das in diesem Fall ab und begründen das damit, dass das Auftragsklärungsgespräch mit dem Organisationsvertreter ausreicht und dass es wichtig ist, die Beteiligten in ihren Rollen innerhalb der Organisation anzusprechen.

Wir erläutern außerdem, dass in solchen Konflikten Macht, Hierarchie, Arbeitsrecht und persönliche Beziehungen eine Rolle spielen können. Deshalb sehen wir es als sinnvoll an, das Verfahren so zu gestalten, dass mit den Beteiligten zunächst ein Arbeitsbündnis im Auftaktgespräch geklärt wird, statt vorab über den Mediationsvertrag mit ihnen zu sprechen.

Abschließend kündigen wir an, die unterschiedlichen Vertragslagen und Rollen noch einmal übersichtlich darzustellen, und laden dazu ein, eigene Erfahrungen oder alternative Vorgehensweisen zu teilen.

Titel

0:27 Auftakt und Fallfrage
0:55 Konflikt im Führungskreis
3:02 Auftragsklärung mit dem Chef
4:16 Vorgespräche nur mit Chef?
6:41 Macht, Hierarchie und Rollen
8:40 Fazit zur Organisationsmediation

Podcast-Player

vollständiges Transkript der Episode

[0:19] Hallo und herzlich willkommen zu den Episoden der Mediation,

[0:23] dem Podcast von INKOVEMA zu den praktischen Fragen der Mediation und des Konfliktmanagements. Ich bin Sascha Weigel und erläutere hier Fallfragen aus meiner konfliktberaterischen und mediatorischen Praxis. Das ist Folge 38, Vorgespräche nur mit dem Chef. Das Mediationsgesetz sieht vor, dass Vorgespräche, Einzelgespräche mit den Medianten, stattfinden dürfen, aber eben auch dann mit allen und nicht nur Einzelnen.

[0:55] Ich hatte kürzlich einen Fall, da hat mich eine Personalabteilung angefragt, ob ich eine Mediation übernehmen würde im Unternehmen, ein junges Unternehmen, am Wachsen und am Aufstreben, skalieren, wie man so heute sagt. Man hat Konflikte im Führungskreis und die sind sehr extrem und es drohen Personen, die Unternehmung zu verlassen und es hänge alles an, dem Chef, der sich da ganz unkooperativ und unmöglich benimmt. Ich habe gesagt, dass ich interessiert bin, das klingt sehr interessant, fühle ich mich zuständig und könnte das gerne in die Wege leiten und auch die.

[1:40] Personalbeleitung würde auch mit zu dem Kreis dann dazugehören, würde also selbst auch Mediantin. Dann werden in Person, war für mich auch völlig fein, aber wir beide waren auch einig, dass ich mit, dem Geschäftsführer noch vorher sprechen solle, um mich ins Bild setzen zu lassen, und das habe ich dann auch getan und befürwortet. Ich habe mich mit dem Vorgesetzten, das war der Geschäftsführer der GmbH, der einzige Geschäftsführer. Die anderen waren der Führungskreis aus der Führungsmannschaft, aber letztlich und arbeitsvertraglich dem Geschäftsführer unterstellt und haben verschiedene Bereiche geleitet. Und das war ein Kreis, der sich entwickelt hat im Laufe der Zeit als die Führungsmannschaft. Und ein Streit ging letztlich auch darum, dass.

[2:35] Die Ideen unterschiedlich waren, Konflikte lautstark wurden über die Art und Weise, was getan wird und ja, der Vorgesetzte jetzt mehr und mehr dann auch auf seine rechtliche, Macht, gepocht hat, verdeutlicht hat, letztlich bin ich hier der Chef und so machen wir es jetzt. Und das hat den Unmut der Beteiligten natürlich nochmal verstärkt.

[3:02] Ich habe das Gespräch geführt. Das war ein Auftragsklärungsgespräch für mich. Ich habe mich persönlich vorgestellt. Ich habe meine Art des Mediierens vorgestellt beziehungsweise in dem Gespräch auch zum Besten gegeben. Das wird sich genauso in etwa auch anhören, wenn ich dann tatsächlich arbeite, mit den Kollegen und Ihnen. Und dann kam die Frage auf, ob ich eben auch nochmal mit den anderen vorher sprechen würde. Das war die feste Idee und auch Annahme der Person, dass ich das tun werde, damit ich von allen gleich ins Bild gesetzt bin und damit ich auch nicht, irgendwelche Fantasien produziere, dass ich eben hier einseitig geprieft wurde, geimpft wurde und wie man das nun auch immer heute bezeichnet.

[3:47] Und das war mir auch naheliegend zunächst, dieses Verständnis, und konnte ich auch gut hören und habe es dann dennoch abgelehnt. Und zwar aus folgender Überlegung. Und mich würde interessieren, wie du damit umgegangen wärst, liebe Hörerin, lieber Hörer, der du auch in solchen Gesprächen tätig sein kannst, bist. Und ob nun als Mediatorin oder als Konfliktcoach oder was auch immer der Titel dann ist.

[4:16] Ich habe das abgelehnt und habe dem Geschäftsführer meine Überlegung folgendermaßen erläutert. Das hier ist ein Auftragsklärungsgespräch, was die Auftraggeberperson.

[4:30] Durchführt. Das ist er als Geschäftsführer und damit als Gesicht der Organisation, und dafür braucht es nur ihn. Das ist keine Mediation zwischen gleichgestellten Personen. Jeder hat natürlich seine Rechte, aber arbeitsvertraglich sind das eben unterschiedliche Rechte. Und hier spricht er zu mir als Auftraggeber, der letztlich diese Mediation initiiert und zu verantworten hat, dass auf diese Art und Weise die Organisation ihr Problem, Konflikt im Führungskreis, bearbeitet. Und dabei ist es unbenommen, dass er dann auch in der Mediation als Mediant eine Rolle spielen wird, aber eben auch seine Geschäftsführerrolle.

[5:18] Die Gefahr, dass die anderen Beteiligten sich auf diese Art und Weise vor den Kopf gestoßen fühlen oder von mir nicht entsprechend gesehen werden oder die Fantasie entsteht, ich bin ja schon, geprägt und einseitig ins Bild gesetzt worden, ist real. Das ist tatsächlich möglich, dass das die Konfliktparteien so fantasieren oder vermuten. Und diese Gefahr nehme ich auch in Kauf, weil ich es wichtiger finde, die Personen in ihren Rollen anzusprechen und in ihren Rollen auch zu verhandeln. Also ich behandle sie in ihren Rollen als Mitarbeiter der Organisation, nicht als Personen, auch wenn ich sie natürlich mit Namen oder gegebenenfalls mit Vornamen anspreche. Und insoweit benötigt die Mediation oder das Verfahren dieser Organisationsmediation, dann auch ein Arbeitsbündnis, eine Klärung, ob diese Personen, die, im Kreis der Medianten dann vertreten sind, auch mit mir als Mediator arbeiten wollen und können. Und dafür müssen sie mich auch kennenlernen. Hier war es nicht möglich, ein Vorab-Kennenlernen durchzuführen.

[6:37] Sonst hätte ich mir das nochmal überlegt, wenn mehr Zeit gewesen wäre. Das war in dem Fall nicht so.

[6:42] Aber ich fand die Wirkung hier eine sinnvolle Intervention, dass auch der Streit um Macht und Einflussstellung in der Organisation betrieben wurde, nämlich Menschen, Macht Basis Hierarchie und Recht, Arbeitsrecht, aber auch Zusammenhalt und Einigkeit auf inhaltlicher Ebene, also natürliche Autorität, persönlicher Zusammenhalt. Es gibt auch persönliche Beziehungen untereinander zwischen den Mitarbeitern, auch zwischen den Medianten, die privat intensiver Natur sind.

[7:25] Sodass natürlich da auch Einflussgrößen zu beachten waren. Und mir war wichtig, die Personen in ihrer Organisationswelt anzusprechen, nicht in ihrer Privatwelt oder in ihrer Professionswelt. Also der ITler muss doch mehr Einfluss haben auf die IT-Entscheidungen als der BWLer. Das ist in professionsgetriebenen Organisationen zu weilen so, tatsächlich, aber die Organisationswelt ist letztlich maßgebend, wenn sie das zulässt. Und damit war hier im Auftragsklärungsgespräch gleichzeitig auch eine Intervention gesetzt, auf die ich mich vorbereitet habe zu erläutern im Auftaktgespräch mit allen Beteiligten. Wie hättest du die Situation gelöst, die ich hier hoffentlich in aller Deutlichkeit, wenn auch abstrahiert oder anonymisiert dargelegt habe? Und was wäre noch möglich gewesen? Oder was wäre auch stattdessen möglich gewesen? Mit welcher Idee? Schreib es mir oder gib mir eine Sprachnachricht. Dann kann ich hier das verwerten und nochmal ansprechen. Für den Moment jedenfalls soll es das erstmal gewesen sein.

[8:41] Zum Thema Vorgespräche nur mit dem Chef. Ja, wenn es das Auftragsklärungsgespräch ist und gleichzeitig auch eine Intervention, also eine Mitteilung, eine Überlegung.

[8:55] Professionelle Kommunikation an die Nicht-Eingeladenen vorher, sondern sie dann im Auftaktgespräch klären lassen, ob sie mit mir ein Arbeitsbündnis schließen wollen. Aber mit ihnen spreche ich nicht über den Mediationsvertrag seitens der Organisation. Das mache ich mit dem Organisationsvertreter. Mit den Beteiligten der Mediation, den Arbeitnehmern, auch der Geschäftsführer war natürlich Arbeitnehmer, aber mit den anderen Beteiligten führe ich dann ein Gespräch zur Klärung und Gestaltung eines Arbeitsbündnisses. Dazu werde ich nochmal eine Übersicht auch in den Shownotes veröffentlicht, beziehungsweise auf der Website, damit auch nochmal diese unterschiedlichen Vertragslagen deutlich werden.

[9:44] Ich hoffe, du hast hier für einen deiner Fälle oder auch für deine Überlegungen, ausreichend Futter, kannst du damit was gestalten und wenn ja, dann lass es mich doch wissen. Wenn du diesen Podcast hier unterstützen möchtest, hinterlass mir doch ein Feedback auf Apple Podcast oder auf Google Business oder schreib mir einfach eine E-Mail. Ich habe vor, diesen Podcast regelmäßiger und intensiver als bisher zu betreiben und werde deshalb auch etwas freier und salopper mit den Inhalten umgehen. Sie werden nicht ganz so druckreif und vollständig ausgefaltet werden wie bisher, sondern werden situativer und, fallkonkreter bearbeitet und immer mit einer konkreten Frage zu einem meiner Fälle aufgezogen und du bist eingeladen, daran mitzuwirken, mitzuarbeiten und deine Arbeitsweise und deine Wirkungsweise vorzustellen. Für den Moment verabschiede ich mich von dir und euch mit besten Grüßen. Bis zum nächsten Mal. Kommt gut durch die Zeit. Ich bin Sascha Weigel.

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