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Titel

#287 GddZ – Freiwilligkeit und Mediation

Wem dient die Freiwilligkeit der Mediation?

Im Gespräch mit Dr. James Peter

Renommierter Schweizer Jurist, selbstständiger Rechtsanwalt und anerkannter Experte für Mediation und außergerichtlicher Streitbeilegung in der Schweiz. Seine praktische Erfahrung im Konfliktmanagement begann 1996/1997 am Dispute Resolution Center in Austin, Texas. Seit 1999 arbeitet er als selbstständiger Anwalt in Zürich und ist heute Partner bei Krepper Spring Partner. Im Jahr 2001 gründete er das Netzwerk Bellevue Mediation mit, wo er seither als Mediator aktiv ist. Neben seiner Praxistätigkeit gibt er sein Wissen als Dozent an den Universitäten Zürich und Luzern weiter. Zudem engagiert er sich stark in Fachverbänden, unter anderem als ehemaliger Präsident der Schweizer Kammer für Wirtschaftsmediation (SKWM) und als Vorstandsmitglied der International Academy of Mediators (IAM).

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Inhalt

Kapitel

  • 0:10 Freiwilligkeit hinterfragen
  • 3:13 Mediation in der Schweiz
  • 5:38 Amerikanische Dogmen
  • 11:38 Was Freiwilligkeit wirklich meint
  • 15:41 Die erste Hürde
  • 18:36 Das Mediationsparadox
  • 21:45 Druck oder Verantwortung
  • 26:05 Anordnung im Arbeitskontext
  • 31:49 Freiwilligkeit und Umsetzung
  • 33:26 Verantwortung im sozialen Gefüge
  • 36:05 Zwei Ebenen der Freiwilligkeit
  • 40:03 Schutz der Mediatoren
  • 43:52 Mediationsklauseln im Streitfall
  • 48:43 Kreislauf der Auslegung
  • 50:14 EU und Schweizer Praxis
  • 51:07 Ein Blick nach vorn

Zusammenfassung

Im Gespräch geht es um Empathie als Kernfrage von Mediation und Konfliktbearbeitung. Zu Beginn wird die Grundidee erläutert, dass es bei Mediation nicht nur um Konfliktlösung, sondern auch um das Teilen von Erfahrung und Perspektiven geht. Fritz Breithaupt beschreibt, dass seine Forschung von Fragen ausgeht, die keine disziplinären Grenzen haben, und deshalb Literaturwissenschaft, Kognitionswissenschaft und weitere Fächer verbindet.

Ein zentraler Punkt ist das sogenannte Mediationsparadoxon: Mediation gilt als sinnvolles, preiswertes, gut beleumundetes Verfahren, wird aber von Konfliktparteien oft nicht genutzt. Gleichzeitig zeigen Studien, dass diejenigen, die Mediation tatsächlich durchlaufen, meist sehr zufrieden sind. Daraus wird die Frage abgeleitet, warum die Hürde in das Verfahren so hoch ist und welche Rolle dabei Begriffe, Erwartungen und narrative Vorstellungen spielen.

Breithaupt vertritt die These, dass der Begriff „Mediation“ selbst abschreckend wirken kann, weil er für viele Streitende nach frühzeitiger Aufgabe der eigenen Position klingt – noch bevor die Parteien sich äußern konnten. Zunächst gehe es Betroffenen eher darum, gehört zu werden, Recht zu behalten oder die eigene Sicht bestätigt zu bekommen. Deshalb betont er Anhörung als ersten Schritt, nicht vorschnelle Einigung oder Kompromiss.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rolle von Empathie. Breithaupt erklärt, dass Empathie im Konflikt meist nicht dazu führt, beide Seiten gleichzeitig zu verstehen, sondern dass sie häufig eine bereits begonnene Parteinahme stabilisiert. Konflikte werden dadurch klarer als Zweierkonstellationen wahrgenommen, was Polarisierung verstärken kann. Als Beispiel wird der Nordirland-Konflikt erwähnt, bei dem Perspektivwechsel im Unterricht nicht zu mehr Einigung, sondern eher zu einer Festigung der eigenen Position führten.

Diskutiert wird auch die Allparteilichkeit von Mediatoren. Breithaupt hält sie als Anspruch für sehr schwer umzusetzen und betont, dass entscheidend sei, wie Konfliktparteien den Mediator wahrnehmen. Wichtig sei, dass er nicht eindeutig auf einer Seite stehe. In der Dreierkonstellation zwischen zwei Parteien und einer vermittelnden Person könne sich die Wahrnehmung ständig verschieben.

Am Ende wird hervorgehoben, dass viele Menschen ihre Mediationserfahrung nur dann als gelungen erinnern und weitererzählen können, wenn sie eine passende Geschichte darüber finden. Mediation wird damit als Verfahren beschrieben, das nicht nur auf Einigung, sondern auch auf Erzählbarkeit, Anerkennung und den Umgang mit eigener Position angewiesen ist.

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