INKOVEMA-Podcast „Gut durch die Zeit“

#268 GddZ

Purpose in Organisationen

Welche Auswirkungen hat die Purpose-Debatte auf den Umgang mit Konflikten?

Im Gespräch mit Prof. Nicole Steller

Wirtschaftswissenschaftlerin, seit 2025 ist sie als Assistant Professor am Department of Management der ESCP Business School an den Standorten Madrid und Berlin; Ihre Dissertation mit dem Titel „Corporate Purpose – Concept, Complications and Consequences“ reichte sie an der Universität Witten/Herdecke ein und untersuchte, wie Unternehmen Purpose strategisch implementieren und welche Managementherausforderungen dabei entstehen. Während dieser Zeit war sie auch als Visiting Fellow an der University of Queensland tätig.

Inhalt

Kapitel:

  • 0:23 Einführung in den Purpose
  • 1:01 Der Trend des Purpose
  • 4:50 Purpose als Fundament
  • 8:17 Transformation durch Purpose
  • 13:29 Strategische Nutzen von Purpose
  • 17:17 Interne und externe Perspektiven
  • 21:53 Konflikte im Kontext von Purpose
  • 27:44 Die Rolle der Chief Purpose Officers
  • 33:48 Kritische Reflexion des Purpose
  • 42:09 Die Zukunft des Purpose in Organisationen
  • 46:41 Abschluss und Ausblick

Zusammenfassung

In dieser Episode des Podcasts „Gut durch die Zeit“ steht das Thema Organisationen im Fokus, insbesondere die zunehmende Bedeutung von Purpose in der modernen Arbeitswelt. Ich spreche mit Nicole Steller, Assistant Professor an der ESCP Business School, die sich intensiv mit Corporate Purpose beschäftigt. Wir diskutieren, warum Purpose für Unternehmen immer relevanter wurde und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus ergeben.

Nicole gibt uns zunächst einen Einblick in ihre berufliche Reise und ihr Engagement für das Thema Purpose. Sie erläutert, dass Purpose nicht einfach ein neuer Modebegriff ist, sondern vielmehr tiefgreifende Fragen nach dem Warum einer Organisation aufwirft. Während viele Unternehmen sich zunächst auf ihre Produkte und Dienstleistungen konzentrieren, hilft der Purpose, den zentralen Sinn hinter ihrer Existenz zu erkennen und auszudrücken.

Die Diskussion geht weiter zur historischen Entwicklung des Konzeptes: Ursprünglich begannen Organisationen, ihren Purpose vor allem zur Mitarbeitergewinnung und zur Verbesserung der externen Kommunikation zu definieren. Doch wir fragen uns auch, ob dies nur eine oberflächliche Maßnahme ist oder ob wirklich greifende Veränderungen im Denken der Organisationen stattfinden. Nicole gibt an, dass zunehmend ein Umdenken in großen Firmen stattfindet, hin zu einem integrierten Ansatz, in dem die Werte des Unternehmens direkt in die operativen Entscheidungen einfließen sollen.

Daraus ergeben sich oftmals hitzige Debatten und handfeste Konflikte, die nun anhand eines neuen normativen Konzepts ausgetragen werden. Das bringt erhebliche Spannungen mit sich.

Ein weiterer zentraler Punkt unserer Unterhaltung ist die Differenzierung zwischen Vision, Leitbild und Purpose. Während Visionen oft abstrakt und unverbindlich wirken, stellt der Purpose eine fundamentale Frage nach der Identität der Organisation und ihren Bedürfnissen. Wir beleuchten, wie verschiedene Unternehmen mit dieser Thematik umgehen und welche Strategien sie entwickeln, um ihren Purpose nicht nur zu formulieren, sondern auch zu leben.

Darüber hinaus diskutieren wir die Rolle von Chief Purpose Officers und wie diese in der Organisation verankert sind. Ihre Aufgabe besteht oft darin, den Purpose operational greifbar zu machen und ihn in Entscheidungen einzubeziehen, was zu Herausforderungen und Konflikten innerhalb der Organisationsstrukturen führen kann. Nicole bringt es auf den Punkt: Wo es viele Interessen gibt, können verschiedene Wahrnehmungen über den Purpose zu Spannungen führen, die in der Konfliktbearbeitung relevant werden.

Im Verlauf unserer Gespräche wird klar, dass die Implementierung eines Purpose nicht nur eine Frage der Kommunikation ist, sondern ein tiefgreifender Transformationsprozess, der weitreichende Konsequenzen für die Kultur und das Verhalten in Organisationen hat. Wir diskutieren, wie Unternehmen mit diesen Veränderungen umgehen können und welche langfristigen Kosten und Nutzen damit verbunden sind.

Am Ende der Episode reflektieren wir gemeinsam, wie sich die Praxis entwickelt hat und welche Zukunftsperspektiven sich für Unternehmen ergeben, die sich ernsthaft mit ihrem Purpose auseinandersetzen.

01 Breit scannen
Alle potenziellen Parteien identifizieren: Wer könnte Wert hinzufügen? Wer fehlt? Welche Beziehungen und Einflusswege existieren?
02 Rückwärts kartieren
Vom Ziel zurück zur Gegenwart denken. Welche Vereinbarungen müssen vorher stehen? Wer muss an Bord sein, damit die entscheidende Partei Ja sagt?
03 Informationsfluss steuern
Was wird wann öffentlich? Welche Botschaft bekommt welche Partei? Welche Ergebnisse früher Gespräche fließen wie in spätere ein?