INKOVEMA-Podcast „Gut durch die Zeit“
#269 GddZ
Die Zukunft der normenbasierten Friedensmediation
normenbasierte Friedensmediation vs. transaktionale Friedensmediation
Im Gespräch mit Dr. Carla Schraml & Luxshi Vimalarajah
Dr. Carla Schraml ist Advisor Mediation & Negotiation Support. Sie ist zertifizierte Mediatorin, hat im Bereich Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Marburg promoviert und besitzt ein Diplom/laurea in Soziologie der TU Dresden und der Università degli Studi di Trento. Bevor sie zu Berghof kam, hat sie im Bereich Friedens-, Dialog- und Mediationsunterstützung bei CSSP Berliner Zentrum für Integrative Mediation, als selbständige Gutachterin, bei der GIZ und der Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung (FriEnt) und an der Universität Marburg gearbeitet. Carla hat in der Côte d’Ivoire, in Ruanda, Burundi und Frankreich gelebt und gearbeitet, hat für mehrere Jahre ein Dialog und Mediationsprojekt in Bosnien-Herzegowina geleitet und hat Erfahrungen mit Kurzzeiteinsätzen und -projekten in Kenia, Uganda, Guinea, in der DR Kongo und in Liberia.
Luxshi Vimalarajah ist leitende Beraterin für Friedensvermittlung bei der Berghof Foundation und arbeitet hauptsächlich auf den Ebenen 1 und 1,5. Seit 2003 ist sie aktiv an der Gestaltung, Leitung und Förderung von Dialog- und Vermittlungsprozessen beteiligt. Sie unterstützt Verhandlungsführer, Berater, Sondergesandte und Mediatoren, die an Friedensverhandlungen beteiligt sind, bei Verhandlungen und leistet auf Anfrage Unterstützung. Als Wissenschaftlerin und Praktikerin im Bereich Mediation umfasst ihre Arbeit Politikberatung, Wissensaustausch, Kapazitätsaufbau sowie technische und thematische Unterstützung.Sie hat mehrere Jahre lang Friedensverhandlungen und nationale Dialogprozesse in verschiedenen Regionen unterstützt, darunter Sri Lanka, Nepal, Myanmar, die Türkei, der Jemen, das Baskenland, Nordmazedonien und Kolumbien. Derzeit ist sie an diskreten Mediationsprozessen in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum beteiligt.
Kleine Reihe: Beiträge aus der Konfliktdynamik. Teil 9
Inhalt
Kapitel:
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0:08 – Einführung in die Friedensmediation
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1:18 – Der Weg zur Friedensmediation
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4:07 – Ansätze der Berghof Stiftung
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5:25 – Vertrauen aufbauen in Konflikten
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9:44 – Präventive Mediation als Schlüssel
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11:13 – Militärische und diplomatische Verhandlungen
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14:49 – Vertrauen und Transparenz in Verhandlungen
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17:29 – Herausforderungen der Friedensmediation
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19:15 – Veränderungen im Mediationsfeld
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21:31 – Mediation und Machtpolitik
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24:21 – Kriterien für erfolgreiche Mediation
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30:17 – Die Rolle von Mediatoren im Wandel
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38:39 – Fragmentierung der Mediationslandschaft
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46:37 – Fazit und Ausblick auf die Zukunft
Zusammenfassung
In dieser Episode von „Gut durch die Zeit“ liegt der Fokus auf der Friedensmediation, einem essentiellen, aber oft missverstandenen Teil der Konfliktbewältigung. Ich habe die Gelegenheit, mit den beiden Expertinnen Dr. Carla Schraml und Luxshi Vimalarajah zu sprechen, die in der Berghof Stiftung tätig sind. Gemeinsam schauen wir uns die Entwicklungen und Herausforderungen der Friedensmediation an, insbesondere im Lichte aktueller globaler Konflikte.
Carla begibt sich auf eine persönliche Reise und beschreibt, wie ihre Erfahrungen in verschiedenen krisengeschüttelten Ländern wie Ruanda, Burundi und Bosnien sie motiviert haben, zur Konfliktlösung beizutragen. Ihr Werdegang zeigt eindrucksvoll, wie vielschichtig und dynamisch der Weg zur Friedensmediation ist. Luxshi hingegen bringt eine einzigartige Perspektive ein, da sie ihre Kindheit unter den Bedingungen eines Bürgerkriegs in Sri Lanka verbracht hat. Ihre persönlichen Erlebnisse und die Fragen, die sich daraus ergeben haben, spiegeln die Komplexität der Friedensmediation wider, insbesondere wenn es um die Frage geht, wie Frieden in asymmetrischen Konflikten erreicht werden kann.
Wir diskutieren, ob Frieden durch Mediation tatsächlich erreichbar ist, und bringen Beispiele aus der Praxis, wie den Havanna-Prozess zwischen der FARC und der kolumbianischen Regierung, um hervorzuheben, dass auch unter schwierigen Umständen Verhandlungen möglich sind. Der Gesprächsverlauf beleuchtet diverse Themen, von der Notwendigkeit des Vertrauensaufbaus in der Vorverhandlungsphase bis hin zur Realität, dass Gewalt und Verhandlungen oft parallel zueinander stattfinden. Dies führt uns zu der Überlegung, wie wir Vertrauen aufbauen können, während wir gleichzeitig mit Parteien arbeiten, die sich im Krieg befinden.
Ein zentraler Diskussionspunkt ist die Frage, wie sich die Rahmenbedingungen für die Friedensmediation verändern. Wir reflektieren die zunehmende Politisierung und Komplexität des Mediationfeldes und die Herausforderungen, die durch die Interaktion mit verschiedenen internationalen Akteuren entstehen. Dabei wird deutlich, dass die tradierten Ansätze der Friedensmediation angesichts geopolitischer Veränderungen und einer Fragmentierung der Mediationslandschaft neu gedacht werden müssen. Auch die Rolle von Staaten und NGOs wird kritisch hinterfragt.
Carla und Luxshi betonen, dass Herausforderungen auch die Möglichkeit bieten, kreative Lösungen zu finden. Wir beleuchten, wie mediale Darstellungen von Mediation verzerrt sind und welche Langzeitfolgen dadurch entstehen können. Zudem thematisieren wir, wie wichtig es ist, dass Mediatoren aus der Region selbst involviert sind, um eine verbindliche und nachhaltige Lösung zu schaffen.
Abschließend stellen wir fest, dass der Weg zur Friedensmediation voller Hürden ist, aber auch Chancen birgt. Die Dynamiken und der Wandel innerhalb dieses Feldes erfordern von uns eine ständige Reflexion über unsere Praktiken und Ziele.
Unsere Ausbildung in Mediation und Konfliktmanagement in der Wirtschafts- und Arbeitswelt,
geleitet von Prof. Dr. Sascha Weigel.
Neustart jeweils jährlich im März und Oktober.
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Organisationsmediation ist die Bearbeitung von Konflikten, die in der Wirtschafts -und Arbeitswelt aufkommen. Sie findet in, mit und für die Organisation statt – indem den relevanten Organisationsmitgliedern eine angemessene Bearbeitung der Konflikte ermöglicht wird.
Wir bilden Sie dafür aus oder professionalisieren Ihre mediatorische, konfliktberaterische Vorgehensweise. Wir starten unsere Fortbildungsreihe regelmäßig im März eines Jahres.
- CARLA SCHRAML / LUXSHI VIMALARAJAH – Nach dem Ende der Geschichte. Die Zukunft der normenbasierten
Friedensmediation, in: KonfliktDynamik, 3/2025; 190-196.
Transkript
| Dimension | Normenbasiert | Transaktional |
|---|---|---|
| Leitidee | Werte & Prinzipien | Interessen & Austausch |
| Ziel | Gerechter Frieden | Stabiler Deal |
| Mediationsstil | normativ-inhaltlich | prozessual-verhandlungsorientiert |
| Legitimität | durch Normen | durch Zustimmung der Parteien |
| Risiko | geringe Akzeptanz vor Ort | „fauler Kompromiss“ |

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