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#36 EdM

Gesprächsregeln in der Mediation?

Zusammenfassung

In dieser Folge sprechen wir über Gesprächsregeln in der Mediation und darüber, welche Rolle sie im Verfahren spielen. Wir ordnen ein, dass viele Mediatoren Gesprächsregeln als zentral ansehen, wir aber davon abraten, Mediation als besonders regelgebundenes Verfahren zu präsentieren.

Wir unterscheiden zwischen Fällen, in denen von Beginn an klare Grenzen nötig sind, etwa wenn es um Drohungen oder Beleidigungen geht, und den meisten Mediationen, in denen wir die Gesprächsregeln nicht selbst in den Vordergrund stellen sollten. Stattdessen sollen die Parteien den Konflikt bearbeiten und ihre eigenen Grenzen benennen.

Wir betonen, dass wir als Mediatoren nicht in eine Polizistenrolle geraten wollen. Unsere Aufgabe ist es nicht, Schuldige zu benennen oder Regelverstöße zu sanktionieren, sondern die Beteiligten des Konfliktsystems in die Verantwortung zu bringen und destruktive Kommunikation für die Bearbeitung nutzbar zu machen.

Außerdem sprechen wir darüber, wie wir mit Situationen umgehen, in denen eine Partei erwartet, dass wir einschreiten. Wir fragen dann zurück, was die Person von uns braucht und was sie selbst sagen oder verhandeln kann. So werden die Parteien ermutigt, ihre Grenzen klar zu formulieren und Konsequenzen bei Überschreitungen selbst mitzutragen. Wir achten als Mediatoren darauf, dass sie verstanden werden und wo sich im Zuge dessen, Un-Einigkeiten (Einverständnisse) zeigen.

Zum Schluss fassen wir zusammen, dass Mediation nicht durch starre Gesprächsvorgaben glaubwürdig wird, sondern durch die Unterstützung bei Aushandlungsprozessen. Wir beschreiben auch ein Beispiel aus einer Trennungsmediation, in dem gerade die offene Thematisierung von Erwartungen und Enttäuschungen zu einem ehrlichen Dialog führte.

Kapitel

0:12 Gesprächsregeln einordnen

2:20 Warum Regeln abschrecken

5:23 Die Rolle des Dritten

8:15 Grenzen statt Vorschriften

12:41 Ein Fall aus der Praxis

17:54 Das Fazit zu Gesprächsregeln

Podcast-Player

vollständiges Transkript der Episode

 

[0:04]Herzlich Willkommen zu den Episoden der Mediation, dem Podcast von INKOVEMA zu den praktischen Fragen der Mediation und des Konfliktmanagements.
[0:12]
Gesprächsregeln einordnen
[0:13]Mein Name ist Sascha Weig und ich erläutere hier Fallfragen aus meiner konfliktberaterischen Praxis, insbesondere meiner Mediationspraxis. Das ist Folge 36, Gesprächsregeln in der Mediation. Heute soll es um Gesprächsregeln gehen. In der Mediation, insbesondere in der Mediationsausbildung.
[0:36]So meine Beobachtung, sind Gesprächsregeln ein Thema. Ja, für viele Mediatoren sind Gesprächsregeln ein Thema, weil sie darin einen ihrer Hauptexistenzberechtigungsgründe sehen, dass es Gesprächsregeln gibt, auf die sie achten. Denn der Konflikt, so wie die Parteien ohne den Mediator oder die Mediatorin, ausgeübt wird, ist nicht konstruktiv und das heißt, es ist eine destruktive Kommunikation. Also muss man gute Gesprächsregeln einführen und dann wird das schon. Und der Mediator, die Mediatoren sind dafür verantwortlich. Tatsächlich viele Mediatoren glauben, sie sind für Gesprächsregeln nicht nur verantwortlich, dass sie eingehalten werden, sondern dass sie auch überhaupt geschlossen werden. Ich halte das für eine unsägliche Praxis, abgesehen von den wenigen Fällen, wo es wirklich notwendig ist, zu Beginn klarzumachen, dass bestimmte Rahmen nicht verletzt werden, vor allen Dingen, weil die Struktur des Konflikts, die.
[1:43]Personen deutlich gemacht haben, zum Beispiel in einem Vorgespräch, dass sie der Mediation nur unter der Bedingung hier beiwohnen und mitmachen, dass bestimmte Drohungen oder Beleidigungen nicht fortgeführt werden. In diesem Falle kann man als Mediator von Beginn an direkt entweder eine Regel setzen oder auf Vereinbarungen zwischen den Konfliktparteien hinarbeiten, dass beide Seiten sich überhaupt erst einlassen auf die Mediation.
[2:20]
Warum Regeln abschrecken
[2:15]Da haben Mediatoren tatsächlich von Beginn an das Thema Gesprächsregeln auf der Agenda. Ansonsten, und das ist der weit größere Teil von Mediationen, würde ich davon abraten, das Thema selbst einzubringen. Aus mehrererlei Gründen, vor allen Dingen aber, weil die Parteien ihren Konflikt bearbeiten wollen und destruktive, Vorgehensweisen wunderbar sind, in der konkreten Mediation aufgegriffen zu werden, um dann in konstruktive Bahnen gelenkt zu werden. Denn der Ausgangspunkt, mit dem man arbeiten kann als Mediator ist, beide Seiten wollen den Konflikt konstruktiv lösen.
[3:01]Und dann ist es ungünstig, wenn man sich als Mediator in die Position des Gesprächspolizisten bringt, der die Regeln kennt und dann für Einhaltung sorgt. Das ist eine ungute Position. Das will ich hier erläutern. Zum einen gilt zu beachten, die Mediation nicht zu verkopfen und sie voraussetzungsreicher zu machen, als sie ohnehin schon ist, Es ist doch schon ein Glück, dass Parteien gemeinsam ihren Konflikt bearbeiten wollen und einen Dritten dabei zur Unterstützung heranziehen.
[3:43]Dann muss man nicht noch stark betonen, dass Mediation ein Verfahren ist, in dem Regeln herrschen. Und diese Regeln müssen erst mal gelernt werden. Viele Mediaturen sehen dazu ja nicht nur sich ausreden lassen und zuhören, sondern die Parteien sollen auch noch aktiv zuhören. Sie sollen auch noch wertschätzend miteinander umgehen und so weiter und so fort. Kurz und gut, die Parteien sollten erst mal ein Kommunikationsseminar belegen, oder eine Mediationsausbildung machen, dann würden sie den Sinn der Regeln schon genau verstehen. Das wird natürlich nicht so gesagt, aber die Tonlage ist in etwa die gleiche. Und das macht Mediation anstrengend. Der Konflikt ist schon anstrengend, aber jetzt auch noch eine enge Rahmenführung und Leitplanken, die hochgetürmt werden, innerhalb dessen die Konfliktparteien kommunizieren dürfen, macht die Mediation nicht besser. Naja, und häufig verhindert sie sogar die Mediation. Wenn man sich das durchliest, was Mediatoren unter Gesprächsregeln alles auftürmen, hat man keine Lust, als Konfliktpartei schon eine Mediation durchzuführen. Aber das ist Geschmackssache. Es kann ja sein, dass es tatsächlich so zutrifft, dass Parteien sich in die Mediation ja gerne getrauen wollen, aber nur, wenn dort alles ganz friedlich ist. und höflich abgeht.
[5:12]Und der Mediator muss dann dafür sorgen, dass er diese Polizeistellung auch übernimmt, dass er also für die Regeln einhält. Unter diesem Aspekt würde ich das nämlich sofort ablehnen.
[5:23]
Die Rolle des Dritten
[5:24]Man kann schon mit guten Gründen sagen, der Dritte ist halt dafür da, dass die Parteien nicht eskalieren. Die bloße Anwesenheit eines solchen Dritten führt aber schon dazu. Jeder Mediator, der schon Mediationen durchgeführt hat, kann das bestätigen und auch wir sonst können das im Alltag bestätigen, Dass ein Dritter, der auftaucht und neutral ist, zunächst dazu führt, dass jede Konfliktpartei diszipliniert agiert.
[5:52]Um sich ja nicht bei dem Dritten unmöglich zu machen. Von der Warte her haben wir ohnehin eine Disziplinierungsfunktion, die wir uns aber nicht aneignen müssen, sondern die die Parteien uns geben. Und wenn die Parteien dann aufdrehen und auch eskalieren, sich manchmal bedrohen oder beleidigen, dann ist das auch ein Vertrauensbeweis. Es ist nicht schön für die andere Seite und es ist auch nicht förderlich für die konstruktive Bearbeitung. Aber die Mediationsperson kann sich in dem Moment gewertschätzt fühlen, denn sie ist eingepflegt in die Konfliktbearbeitung. Sie wird nicht mehr als Fremdkörper wahrgenommen. Ihr wird vertraut, ihr wird zugetraut, dass sie nicht gleich wegrennt und ihr wird vertraut, dass sie damit umgehen weiß. Und jetzt ist auch die Stunde der Mediationsperson gekommen. Jetzt kann sie durchführen.
[6:51]Das Konfrontieren, was die Parteien miteinander treiben. Und das heißt nicht, und das hervorrate ich auch ab, dass die Mediationsperson jetzt den Schuldigen ausmacht und sagt, du hast die Regel verletzt, tue Buße. Das wäre fatal, sondern das Konfliktsystem insgesamt, die Konfliktparteien wollen gemeinsam ihren Konflikt lösen und sie stehen sich gegenseitig im Weg.
[7:22]Und wenn jetzt eine Art und Weise gewählt wird, die prinzipiell als destruktiv gewertet wird, nämlich Beleidungen sollten eben unterlassen werden von allen Seiten, dann können beide Seiten auch damit Umgang finden, wenn das passiert ist, was sie tun müssen, damit das ausbleibt und nicht fortgeführt wird. Das heißt, der Mediator sollte keinesfalls das Dramatreieck aufbauen, sobald jemand eine Gesprächsregel verletzt hat oder destruktiv agiert hat, sondern, er sollte das Konfliktsystem in die Verantwortung bringen. Das ist seine Aufgabe. Ich möchte also davon abraten, sich bei den Parteien damit zu bewerben, dass man Gesprächsregeln vereinbart und auf deren Einhaltung man achtet.
[8:15]
Grenzen statt Vorschriften
[8:16]Sondern allenfalls, wenn die Parteien vorab in Einzelgesprächen, das kommt häufig vor bei Konflikten, die schon eskaliert ausgetragen wurden und wo dann eine Seite sich unterlegen fühlte, entweder niedergesprochen wurde oder beleidigt wurde oder auch bedroht wurde, dass sie sich auf das Verfahren nur einlässt unter der Bedingung, dass das nicht nochmal passiert.
[8:43]Im Einzelgespräch höre ich mir das an und frage dann zurück, was die Partei von mir braucht. Und im Dreiaussetting, wenn das in der Mediation vorkommt, ebenso, dass ich, wenn ich dann angeschaut werde oder wenn ich aufmerksam gemacht werde, das war doch jetzt hier eine Beleidigung oder das ist doch eine ganz schöne Bedrohung, das darf doch hier eigentlich gar nicht geschehen, dass ich dann unter Druck gerate, weil ich doch hier dafür da bin, dass diese Gesprächsregeln, diese unausgesprochenen, aber bekannten Regeln eingehalten werden müssten, dass ich dann hier der Polizist bin. In diesen Situationen frage ich dann häufig zurück, was die Partei, was sie von mir brauchen, was sie sich von mir jetzt wünschen, was ich kann, was sie nicht könne. Und da wird schnell deutlich klar, dass die Parteien, dass diese Personen genau wissen, was sie wollen, und dass sie das auch entweder ansprechen dürfen oder auch ganz konkret in eine Verhandlung führen können, dass hier eine Grenze erreicht ist. Wozu ich also ermutige es nicht, dass ich sage, die Mediation ist ein Verfahren, die Regeln, also Grenzen kennt und diese Grenzen werden von Verfahrenswegen beachtet.
[10:03]Sondern dass die Parteien ermutigt werden, ihre Grenzen zu benennen und denen sie bereit sind, mit der anderen Seite zu verhandeln und dass die andere Seite das verstehen müsse. Das ist natürlich ein Aushandlungsprozess oder auch ein Machtspiel.
[10:21]Da kann ich konstruktiv darauf hinwirken, dass das deutlich vonstatten geht. Worauf ich nicht hinwirken würde, ich sagte es schon, dass ich die Mediation als Verfahren und als eigene Entität aufplustere, dass da also Regeln eingehalten werden. Denn das gibt es ja schon. Wir sind ja in einer zivilisierten Welt, wir sind in einer verrechtlichten Welt, in denen Regeln bestehen, die nicht eingehalten werden. Genau das werfen die Parteien sich ja auch gegenseitig vor.
[10:58]Und wenn ich jetzt die Mediation als ein solch ganz ethisch durchgeregeltes Verfahren präsentiere, Klammer auf, wie die Mediation und Mediatorinnen das häufig auch machen, Klammer zu, werden Erwartungen an die Mediation produziert, die sie nicht einhalten kann. Und das wissen auch die Konfliktparteien und deshalb ist das auch kein glaubwürdiges Verfahren. In diesem Falle. Punkt.
[11:26]Was es vielmehr bedarf, ist Medianten, Konfliktparteien, die im Wege einer Mediation für ihre Sache streiten wollen, zu ermutigen, diese Grenzen auch zu setzen und einzuhalten. Und dafür braucht es mitunter Vermittlungskompetenz. Und dafür sind wir da. Wir sind dafür da, dass wir den Konfliktparteien zusprechen und sie darin ermutigen und auch darin unterstützen, ihre Grenzen zu benennen und auch dafür einzutreten, diese einzuhalten. Und das hat auch einen Preis. Und ich meine jetzt nicht das Honorar. Der Preis ist, dass bei Grenzüberschreitung die Partei auch ihre Konsequenz ziehen muss. Das ist häufig das, was ohne Mediatoren unterlassen wird. Da wird nur angesammelt. In der TA sagen wir dazu, da werden die Rabattmarken gesammelt, dass die andere Seite sich wieder mal unmöglich benimmt. Und dass man doch alle Berechtigung hat, jetzt seinerseits zurückzuschlagen. Und dieses psychologische Spiel soll in der Mediation unterbunden werden.
[12:41]
Ein Fall aus der Praxis
[12:41]Mir ist diese Dynamik einmal deutlich geworden in einem Fall, einer Trennungsmediation.
[12:48]Mit Fragen zum Kindesumgang und dem weiteren Wohnen, Zusammenwohnen oder Trendwohnen. Und sich der eine Teil des Paares, der Konfliktparteien, wirklich ungeschickt bis hin zu unflätig benommen hat und die andere Seite mir gegenüber markiert hat, also deutlich gemacht hat, das ist doch unmöglich, jetzt habe ich das auch mal gehört und da müsse ich doch jetzt einschreiten. Und in diesem Moment war mir klar, welche Rolle ich aus ihrer Perspektive dieser Konfliktpartei spielen sollte oder eben spielte, aber eben nicht mitspielte. Und wie ich dann in eine Drucksituation kam, weil ich verfolgerisch darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ich meine Pflichten nicht erfüllt hätte. Und ich hatte halt ein anderes Pflichtenheft.
[13:51]Und dieses Gespräch, was ich dann entsponnen hatte, das ist mir heute noch vor Augen. Wir also die eine Seite deutlich gemacht haben, ich habe meine Pflicht nicht erfüllt und ich mich geneigt sah, der anderen Seite deutlich zu machen, das war wirklich nicht in Ordnung, was sie da, gesagt und gemeint hat, dass das ein kommunikatives Foul war.
[14:17]Es ich aber dann in der Dynamik des Dramatreiecks verfangen gewesen wäre. Und ich brauchte wirklich ein paar Sekunden, um mich aus dieser Situation zu entwirren, in die ich mich selbst gebracht hatte. Ich fragte die Person zurück, was sie denn glaubt, was ich tun könne, was stärker wäre als die Dinge, die sie tun kann. Und sie war der Meinung, dass ich halt Sanktionsmöglichkeiten hätte, die sie ja nicht hat, weil sie nicht ihr die Mediatorin ist. Ich habe mir die Frage dann verkniffen, was denn diese Sanktionsmöglichkeiten sind, weil die Parteien ja selbst ihre Verhandlungen hier führen wollen und ich als Mediator dabei gerne unterstütze. Aber ich habe natürlich keine Sanktionsmöglichkeiten gegenüber den Auftraggebern, außer diejenigen die sie mir selber zugestehen und.
[15:22]Das war auch gar nicht nötig in dem Falle, weil die Person dann, während ich das so sagte, zu sich aber laut sagte, das bringt ja auch ohnehin nichts. Und das fand ich interessant. Und da hakte ich nach, was sie denn damit meinte. Und sie sagte, sie kennt ja ihre Pappenheimer, sie kennt ja die andere Seite und dass die sich nicht ändern würde. Und das war ihr fester Grundsatz und ich fragte sie, was machen sie denn dann in der Mediation hier und sie sagte, das ist eine gute Frage.
[16:01]Und die Tonlage war sehr ehrlich und deutlich, dass sie dieser Mediation gar keine Chance einräumte. Aber das klingt schon sehr vorwurfsvoll. Ich will gar nicht sagen, dass das daran scheitert, sondern es war sehr ehrlich, wie sie die andere Person einschätzte und dass sie sich an dieser Person schon lange abarbeitete, und die Überzeugung gewonnen hat, das wird nicht besser. Und die Mediation war eine Hoffnung für sie, dass es besser werden würde, aber ihr war im Grunde genommen klar, dass diese Person sich nicht ändern würde in dieser Hinsicht. Und während ich mit ihr so sprach, und es wurde mir am Augenwinkel schon deutlich, aber machte sich auch die andere Konfliktpartei deutlich, dass sie diese Einschätzung sich selbst gegenüber nicht vermutet hat. Und es entspannt sich ein recht ehrlicher Dialog zwischen den beiden Konfliktparteien. Die eine Seite war überrascht, wie hoffnungslos sie auf diese Beziehung legte und auf die Auseinandersetzung. Und die andere Seite war überrascht, dass sie so negativ erlebt wurde. Und daraus gelang dann ein Dialog.
[17:19]Der lange Nachhalt und der auch in den kommenden Mediationssitzungen, immer noch weiter ausgefaltet wurde und es war eine gute Mediation, die nicht aber in jeder Hinsicht gut ausging. Jedenfalls so für das romantische Gefühl nicht, dass da nochmal was verbessert werden konnte, Besonders war ein gutes Abschiedsgespräch, ein gutes Abschiednehmen von vielerlei Enttäuschungen und auch von Hoffnungen.
[17:54]
Das Fazit zu Gesprächsregeln
[17:55]Okay, ich will mal zusammenfassen, was es zu Gesprächsregeln zu sagen gibt. Zunächst mal, es lohnt sich nicht, sich als Polizist aufzuspielen und die Mediation damit aufzuplustern, dass es ein besonders beregeltes Verfahren ist. Und wenn sich alle daran halten, dann wird das hier eine gute Konfliktklärung. Das ist eine Übertriebenheit in jeder Hinsicht und schreckt ab.
[18:25]Konfliktparteien benötigen den Raum, sich auch unflätig zu benehmen. Und sie müssen in der Mediation in einen Raum geführt werden, in dem sie darüber Aushandlungsprozesse starten können, an denen die beiden sich halten wollen. Das ist der Wert von Mediation, dass sie Vereinbarungen schließen, wie sie konkret miteinander umgehen wollen. Es ist kein Wert, dass die Mediation Vorgaben macht, wie sie konstruktiv umgehen sollten. So will ich das mal zugespitzt formulieren und ich bin gerne für Widerspruch zu haben. Zweitens sollten Mediatoren sich nicht die Chance entgehen lassen, darauf zu warten, wie die Parteien destruktiv miteinander umgehen, um damit dann arbeiten zu können. Um nachfragen zu können, ist es die Art und Weise, wie Sie glauben, Ihrem Ziel, den Konflikt zu lösen, näher zu kommen. Und Sie beide immer wieder ansprechen, den Modus der Art und Weise, wie Sie Ihren Konflikt aushandeln, wie Sie Ihren Konflikt bearbeiten wollen, ob Sie das konstruktiv tun oder ob Sie an der Art und Weise nochmal was ändern sollen und damit immer wieder anregen, die Art und Weise in den Blick zu nehmen. Also metakommunikativ draufzuschauen.
[19:52]Das ist das, was unseren Wert als Mediator ausmacht, dass wir, anders als Konfliktparteien, immer wieder die Perspektive von außen anfragen dürfen. Das können Konfliktparteien selber nicht tun, weil wenn Konfliktparteien gegeneinander agieren, ist die, Ansage doch mal metakommunikativ draufzuschauen, selber ein Move, hinter dem man vermutet, dass da noch mehr drin steckt. Es ist.
[20:24]Ein machtvoller Zug, zu sagen, doch lass uns doch mal drüber schauen, was wir hier gerade tun. Wenn also die andere Person mich angeht, dass ich wieder mal nicht aufgeräumt habe, dass ich wieder mal nicht rechtzeitig gezahlt habe, dass ich wieder mal, destruktiv war und ich sage, da lass uns doch mal ganz kurz betakommunikativ drauf schauen, dann ist das ein Ablenkungsmanöver. Das ist ein Machtmove und die Antwort kommt, ach du wieder als Mediator oder du wieder als Konflikttrainer. Das können wir Dritten im Konflikt leisten. Das können aber nicht die Konfliktparteien selbst leisten. Keinesfalls, und das ist drittens, sollten wir Mediatoren Gesprächsregeln vereinbaren, meinen damit aber Gesprächsvorgaben. Das meiste, was Mediatoren als Gesprächsregeln verkaufen, sind eigentlich Gesprächsbedingungen, für sie, Gesprächsvorgaben. Und diese verbergen sie hinter der Mediation oder glauben tatsächlich, das Mediationsverfahren setzt diese Regeln und die Konfliktparteien müssen sich ihnen unterwerfen und dann wird das schon mit dem Konflikt lösen.
[21:39]Das halte ich für fatal und für völlig anstrengend auch und für abstoßend für Konfliktparteien. Soweit bis hierher für Gesprächsregeln. Das soll es gewesen sein, fürs Erste jedenfalls. Und wenn dich hier das eine oder andere angeregt hat oder auch aufgeregt hat, dann lass es mich wissen und wir können in einen konstruktiven Austausch gehen. Zu Gesprächsregeln gibt es auf jeden Fall mehr zu sagen.
[22:10]Vielen Dank, dass du mit dabei warst und hier vielleicht die eine oder andere Idee für dich entwickeln konntest. Ich wünsche dir gutes Gelingen und wenn du diesen Podcast hier unterstützen möchtest, dann hinterlass noch ein Feedback und eine Sternebewertung auf Apple Podcast oder Google Business oder Spotify oder wo auch immer du diesen Podcast hören magst. Für den Moment verabschiede ich mich mit besten Wünschen. Bis zum nächsten Mal. Kommt gut durch die Zeit. Ich bin Sascha Weigel und freue mich, wenn du auch nächstes Mal wieder hier mit dabei bist bei den Episoden der Mediation.
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