
#41 EdM
Entscheidungsmediation oder Gestaltungsmediation?
Eine Praxisanleitung
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Summary
In dieser Episode erläutere ich die Unterscheidung zwischen Entscheidungsmediation und Gestaltungsmediation als Arbeitsbegriffe für die Praxis. Entscheidend ist dabei, ob im Verfahren vor allem eine konkrete Frage geklärt und entschieden werden soll oder ob es um die künftige Zusammenarbeit und ihren Verlauf geht.
Bei der Entscheidungsmediation bleibt die Leitfrage klar auf eine Entscheidung begrenzt. Wir führen das an Beispielen aus dem privaten und dem organisatorischen Bereich aus, etwa bei der Frage, ob ein Kontakt wieder aufgenommen wird oder wer ein Amt übernimmt. Dabei ist wichtig, die Mediation nicht durch weitere Themen ausufern zu lassen, sondern diszipliniert auf die Entscheidung hin zu moderieren.
The Design mediation ist anders angelegt, weil hier die Vereinbarungen sich erst in der Umsetzung bewähren müssen. Wir beschreiben das anhand von Konflikten in Arbeitszusammenhängen, etwa zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung oder in Nachbarschafts- und Teamkonstellationen. Hier endet die Mediation nicht mit der Unterschrift, sondern braucht oft eine Test- und Nachsteuerungsphase.
Außerdem sprechen wir über Mischformen. Manche Verfahren beginnen mit einer klaren Entscheidungsfrage und gehen danach in eine begleitete Gestaltungsphase über. Wir nennen auch Beispiele aus Kanzlei-, IT- und Familiensituationen, in denen Entscheidung und spätere Ausgestaltung zusammenhängen, aber getrennt behandelt werden sollten.
Abschließend betonen wir, dass die Mediationsperson den passenden Auftragsrahmen klären und das Verfahren entsprechend begrenzen oder als Begleitprozess anlegen sollte. Nicht jede Mediation endet mit der Vereinbarung, und nicht jede Vereinbarung ist schon der Abschluss der Arbeit.
Chapter
0:11 Einführung in die Mediation
2:42 Entscheidungs- oder Gestaltungsmediation
4:14 Klärung einer Ja-Nein-Frage
6:21 Entscheidung in Gremien
8:56 Vereinbarung als Prozessbeginn
12:43 Nachsteuerung nach der Mediation
14:59 Mischformen in der Praxis
19:02 Überlappung bei Familienvermögen
20:22 Praxisnutzen für Mediatoren
23:12 Abschlussvereinbarung neu denken
24:20 Verabschiedung und Feedback
vollständiges Transkript der Episode
[0:02] Hallo und herzlich willkommen hier zum Podcast Episoden der Mediation,
[0:07] der Podcast zu den praktischen Fragen von Mediation und des Konfliktmanagements. Ich bin Sascha Weigel und erläutere hier in diesem Podcast konkrete Fallfragen aus meiner Mediations- und konfliktberaterischen Praxis. Ich stelle Konzeptionen, Modelle der Mediation vor und ordne unterschiedliche Perspektiven und Entscheidungsmöglichkeiten ein. Das ist Episode #41, Entscheidungsmediation oder Gestaltungsmediation, eine Praxisanleitung.
[0:37] Oder wenn die Mediation nicht mit der Abschlussvereinbarung enden sollte. Außerdem ein Moment, in dem der Mediator seine Professionalität zeigen kann. Der übliche Ablauf einer Mediation sieht klassischerweise so aus. Problemdarstellungen, Klärungsphase, Kreation von neuer Ideen, Einigung auf eine Idee, Abschlussvereinbarung, Händeschlag, Auseinandergehen, Endegelände. Das war’s. Die Mediation hat einen Konflikt gelöst. So ist zumindest das Bild von Mediation. Und manchmal fragen sich praktizierende Mediatoren, was ist eigentlich draus geworden? Hat diese Entscheidung gehalten? Hat sie getragen? Wurde die Vereinbarung so umgesetzt oder kam es zu neuen Problemen? Man macht sich ja so seine Gedanken, jedenfalls bis zum nächsten Fall, der schon auf einen wartet. Und es gibt Mediation, da geht das so nicht. Da kann man nicht mit der Abschlussvereinbarung die Mediation als beendet erklären. Die eigentliche Arbeit beginnt nämlich dann erst. Die Beteiligten müssen diese Vereinbarungen umsetzen und sie kommen aus einer Konfliktentwicklung, in dem das sehr unwahrscheinlich ist. Und darauf müssen Mediatonen der Praxis eingehen.
[2:03] Zum Beispiel, wenn sich ein Arbeitsverhältnis, die Zusammenarbeit über Monate oder Jahre hin verschlechtert hat und unerträglich wurde. Und dann kann eine Mediation stattfinden und man kann Vereinbarungen treffen. Aber ob diese Vereinbarungen auch eingehalten werden, ob die Muster und die Routinen, die sich jahrelang etabliert haben, damit einfach aufgelöst werden. Naja, das ist ähnlich wie mit dem Abnehmen und den sonstigen Vorsätzen am Jahresende. Sie sind gewollt, man leidet auch darunter, wie es vorher war, aber sie halten nicht lange.
[2:43] Und da müssen wir Mediatoren darauf Acht geben. Und deshalb will ich hier eine Unterscheidung vorstellen, die für die Praxis wichtig ist. Zumindest ist sie für meine Praxis wichtig geworden. Ich unterscheide zwischen Entscheidungsmediationen und Gestaltungsmediationen. Und das sind für mich reine Arbeitsbegriffe. Das sind keine gesetzlichen Begriffe oder irgendwie fachlich feststehende Begrifflichkeiten aus der Mediationsliteratur. Diese Unterscheidung hilft mir aber, sowohl den Auftrag zu klären, das Verfahren zu designen und auch den Abschluss einer Mediation zu organisieren. Und das hilft meinen Klienten und damit ist es eine Frage der Professionalität.
[3:29] Vereinfacht lässt sich sagen, in einer Entscheidungsmediation ist die Leitfrage für die Medianten, was wollen sie hier entscheiden, was müssen sie hier entscheiden, Klammer auf, und was müssen sie hier nicht entscheiden, was, gehört hier nicht her, sondern wird es stören. Eine Gestaltungsmediation hat eine andere Leitfrage, das eher, wie wollen sie miteinander umgehen in Zukunft.
[3:53] Auch das ist natürlich eine Entscheidung, aber es führt zu einem anderen Arbeitsprogramm und darauf will ich näher eingehen. Und die Grenze zwischen beiden ist auch nicht immer scharf. Manche Verfahren enthalten beides, abgestuft, miteinander vermixt. Darauf gehe ich dann im Anschluss näher ein.
[4:14] Komme ich zu einer Entscheidungsmediation. Eine konflikthaft ausgetragene Frage braucht hier eine Antwort. Ein einfaches Beispiel aus dem privaten Bereich. Eine erwachsene Tochter und auch schon Mutter, also sie hatte schon ein Kind, musste entscheiden, ob sie den Kontakt wieder aufnimmt und zu Weihnachten nach Hause fährt. Das war häufig Streit, soweit man noch in Kontakt war mit den Eltern, vor allen Dingen natürlich mit der eigenen Mutter und war strittig ausgetragen. Das war für alle Beteiligten sehr schwierig, so wie auch die früheren Besucher sehr schwierig waren und dann zu einer langen Phase des Kontaktabbruchs geführt haben. Und die Befürchtung war, dass sie wieder vereinnahmt wird oder auch, ob sie diese Mediation beginnen sollte, weil da schon wieder diese Vereinnahmung drohte. Das Ganze fand online statt und es ging um diese Frage, ja oder nein? Wird sie mit dem Kind zu Weihnachten in das elterliche Haus fahren? Wird sie zu Besuch kommen? Und in dieser Online-Mediation sind viele Themen angesprochen worden und es war die Arbeit, immer wieder zurückzuführen zu dieser Entscheidung. Denn das war die entscheidende Fragestellung für die Mediation und es galt sich da zu disziplinieren.
[5:36] Schlussendlich kam es dazu, sie haben sich für das Jahr entschieden und haben als Modus gewählt, dass die Mutter, also die Tochter mit ihrem Kind, mit dem Enkelkind in einem Hotel in der Nähe, sich einmietet und von dort aus dann die Weihnachtszeit gestaltet. Das war ein passender Kompromiss. Und wie das dann aber ausgefaltet wurde und wie das belebt wurde, das war nicht mehr Gegenstand dieser Mediation. Und ich habe das dann auch nicht mehr mitbekommen. Manchmal rufe ich dann noch später an oder sage in der Mediation auch, dass ich gerne erfahre, wie es war. Aber da halte ich mich dann schon zurück, weil das Ganze eben nicht um mich geht, sondern um die Klienten.
[6:22] Ein anderes Beispiel ist eine Arbeitsgruppe in einem universitären Bereich. Eine Gruppe von Professoren muss eine Wahl treffen, eine Person aus ihrem Kreis auswählen, der ein Amt übernimmt, Selbstverwaltungsorganisation, Universität. Und das ist eine Entscheidungsfrage, die in der Mediation zu beantworten ist und da können hunderte Argumente aufkommen, die aus der Luft gegriffen scheinen, aber für die Beteiligten sinnvoll sind, diese Entscheidung zu ihren Gunsten treffen zu lassen und da gilt es auch.
[7:00] Eine Entscheidungsmediation durchzuführen, die diese Frage entscheidet und nicht das ausufern zu lassen. Hinter solchen Personalfragen oder Entscheidungsfragen stecken natürlich immer noch grundsätzlichere Probleme und frühere Konflikte und, die großen Themen des Lebens werden angerissen von Verantwortung, von Entwicklung, von alten Kamellen, von Sichtbarkeit und Anerkennung. All das, was Sie in der Mediation als Bedürfnisse auch sehen. Und es ist zuweilen ein frommer Wunsch, dass wenn alles aufgearbeitet wurde, dass dann auch die Entscheidung heute getroffen werden kann. Häufig wird die Entscheidung nur vertagt und es werden mehr und mehr Konflikte, angesprochen, Konfliktthemen und es kommt keineswegs zu einer Beruhigung. Hier gilt es häufig, Auftragsdisziplin zu bewahren, im klaren Auftrag auch fest zu vereinbaren und dann, strikt dahin zu moderieren, dass diese Entscheidung getroffen werden wollte und die Verführung im Konflikt auch häufig ist, alles Mögliche anzusprechen, um sich vor dieser Entscheidung zu drücken.
[8:20] All das sind also dann Aufgabenstellungen für die Mediationsperson in solchen Entscheidungsmediationen. Aber wenn das alles gelungen ist, die Entscheidungsfragen klar sind, die Entscheidungsmaßstäbe und der Entscheidungsmodus, das gesamte Verfahren, akzeptiert wurde, wie entschieden werden wird, dann kann mit der Entscheidung die Abschlussvereinbarung abgefasst werden und die Mediation beendet werden. Eine große Erleichterung tritt dann manchmal auf, dass diese Frage jetzt entschieden
[8:52] ist, auch wenn noch viele andere offen sind oder neue hinzugekommen sind. Etwas anders stellt sich das bei einer Gestaltungsmediation dar, die ich jetzt auch kurz profilieren will, um deutlich zu machen, worum es geht, denn da soll die Vereinbarung sich vor allem bewähren. Dem Beteiligten ist klar, dass die Umsetzung dessen, was hier vereinbart wurde und manchmal auch ganz vage nur vereinbart wurde, dass das tragfähig sein muss und dass das auch die weitere Zusammenarbeit bestimmt und auch dann erst bestimmt, ob die Mediation erfolgreich war.
[9:31] Im Gegensatz zur Entscheidungsmediation, bei der die getroffene Entscheidung den Erfolg der Mediation schon deklariert, ist bei einer Gestaltungsmediation, die Qualitätseinschätzung oder die Zuschreibung, ob die Mediation erfolgreich war, erst nach dem Abschluss der Vereinbarung, nämlich bei der Umsetzung der Vereinbarungen, treffbar. Und darauf hat der Mediator in aller Regel fast schon keinen Einfluss mehr drauf. Ich mache das an einem Beispiel klar, das mir häufig unterkommt, nämlich wenn Betriebsratsgremien, die Vertreter vor allen Dingen, mit der Geschäftsführung oder HR die Zusammenarbeit bemängeln. Misstrauen herrscht vor und Nicklichkeiten und es werden viele Beispiele genannt, dass die Zusammenarbeit ein Bach runtergegangen ist und dass es so nicht weitergehen kann.
[10:30] Da kann man sich vieles vereinbaren, aber die Gefahr, dass man sich wieder missversteht, dass die Dinge nicht so passen, dass die Prozesse nicht stimmen, dass die Entscheidungswege missachtet werden oder unbekannt bleiben, dass mit anderen Worten eine nachhaltige Verbesserung zustande kommt, das kann man nicht in der Mediation entscheiden, dass das gelingt, sondern das zeigt dann erst die Umsetzung.
[10:55] Das sind natürlich auch andere Kontexte. Das kann das Zusammenleben von Nachbarn, in einer Nachbarschaftsgemeinde sein. Das können aber auch die Arten und Weisen, wie man im Team miteinander umgeht oder in Projekten. Also wenn die Zusammenarbeit übereinstimmend als schlecht und konfliktär erlebt wird und man aus diesem Muster, aus diesem Zustand heraus will, dann hat man es häufig mit Gestaltungsmediation zu tun. Da werden auch Entscheidungen in der Mediation getroffen, aber die eigentliche Arbeit und der Erfolg der Mediation zeigt sich erst im Nachgang. Bei Gestaltungsmediation ist die Abschlussvereinbarung also kein Endpunkt. Sie beendet eine Phase, nämlich der engeren Mediationsgespräche, aber für die Klärung des Konfliktes, für die Veränderung der konfliktären Zusammenarbeit hin zu einer befriedigenden, Zusammenarbeit ist das nur ein Entwurf, ein Prototyp.
[12:03] Manchmal auch nur ein frommer Wunsch. Und erst die Praxis zeigt es und dann lohnt es sich, dass man eine Probierphase einschaltet, eine Testphase, in der man die Veränderungen beobachten kann, klären kann, ob die Vereinbarungen tatsächlich auch funktionieren oder auch nicht. Und in der Phase man auch nachsteuern kann, nachjustieren kann, feinjustieren kann. Und so nach und nach, erst in der Rückschau, dann wird deutlich, hey, uns geht es besser. Wir haben was überstanden, wir haben die Talsohle durchschritten. Gut, dass wir uns zusammengesetzt haben.
[12:44] Hier geht es also nicht um einzelne abschließende Entscheidungen, sondern um Veränderungen in der Zusammenarbeit, in der Art und Weise, wie man miteinander umgeht. Und da tut es gut, wenn der Mediator nicht mit der Abschlussvereinbarung das Ende seiner Tätigkeit sieht, sondern deutlich macht und vereinbart, dass, die Mediationstreffen und die Mediationsgespräche.
[13:15] Langsam ausschleichen. Da kann man eine veränderte Art und Weise der Zusammenkünfte festlegen. Also nicht mehr vorausschauende feste Termine machen, sondern vielleicht nur noch jeweils einen nächsten Termin vereinbaren, wenn man sich wieder getroffen hat. Und dann kann man weitergehen und keinen festen Termin vereinbaren, sondern die Bereitschaft erklären als Mediator, sie können mich jederzeit anrufen, einzeln, wenn was schief läuft und ich rufe dann die Mediationsarena.
[13:47] Wieder zusammen. Und das kann man auch im letzten Schritt für einen gewissen Zeitraum so festlegen. Und wenn dieser Zeitraum vorbei ist, ohne dass sich gemeldet wurde bei der Mediationsperson, dann weiß der Mediator, okay, die Sache ist abgeschlossen. Dann schleicht das so aus, dann fädet die Mediation so aus und das hilft gerade im, Arbeitsplatzkontext, hilft es sich nicht so abrupt von der Mediation zu verabschieden, sondern sich begleiten zu lassen, bis man merkt, ah ja, das ist stabil, so können wir miteinander umgehen. Diese Erfahrung kennt man natürlich auch nicht nur aus der Mediation, sondern aus Trainings, aus Workshops. Was hat man da nicht alles erarbeitet und auf Flipcharts und Metaplanwände geschrieben? Und dann wird noch eine Dokumentation hinterher geschickt, die wird dann manchmal nicht mehr gelesen. Aber jedem ist klar, das hatten wir schon mal und es war nicht besser geworden.
[14:46] Das ist wie das Versprechen zum Jahreswechsel, das kommende Jahr wird ganz anders werden. Sportlicher, gesünder und lebensbejahender.
[14:59] Nun, ich will noch zum Abschluss die Mischform vorstellen, denn natürlich ist das nur ein Gedankenkonstrukt, das so randscharf in der Praxis nicht immer anzutreffen ist. Es gibt Mischformen. Dann wird erst entschieden und wenn das gut geklappt hat, die Entscheidung überhaupt zu finden, dann kann auch noch die Gestaltung mit mediatorischer Begleitung durchgeführt werden. Ich würde das aber, und das mache ich häufig auch in der Praxis, wirklich als Nachfolgeauftrag konzipieren. Und das bedeutet aber am Anfang, das zu verneinen und eher abzulehnen und eher zur Disziplin zu raten. Sondern zunächst mal gucken wir, dass wir die anstehenden Fragen im Rahmen der Mediation zu einer Entscheidung führen können, als das jetzt schon über die Phasen danach gesprochen wird. So eine stufenförmige Mediation hatte ich sehr aufwendig mal in einem Beispielsfall, wo, ein langjähriges Ehepaar auch mit Kindern gemeinsam eine Steuer- und Rechtsberatungskanzlei geführt haben, sehr erfolgreich geführt haben mit vielen Mitarbeitern. Und die sich auf der privaten Ebene trennen wollten und eine Entscheidung treffen mussten, wie sie mit der Kanzlei umgehen. Und das war zunächst eine schwierige Entscheidung, ein Kanzlei.
[16:29] Der schon die beteiligten Monate, vielleicht auch Jahre gearbeitet haben, miteinander mit sich und gerungen haben und das immer wieder zu Konflikten führte. Aber solche Dinge, naja, positiv, die wollen auch gut überlegt sein. Diese Entscheidung war zu treffen und das habe ich dann auch bewusst als Entscheidungsmediation erstmal konzipiert. Damals habe ich das so noch nicht genannt, auch nicht für mich. Und wenn das gelingt, dann können die Parteien rausgehen und sagen, Okay, das haben wir jetzt entschieden. Und wohlwissen, das wird schwer genug. Aber die Entscheidung steht nicht mehr in Frage. Man weiß nicht, was daraus wird. Aber es ist nicht so, dass das, was entschieden würde, sich als tragfähig erweisen muss. Denn das war keine, Entscheidung zur Art und Weise der Zusammenarbeit, sondern es war eine Entscheidungsfrage, was zu tun ist.
[17:20] Daraus ergeben sich aber in aller Regel auch schon vorausschauend erkennbar, weitere Fragen, wie es denn konkret dann werden soll. Und dass das dann gut werden soll, braucht häufig auch Beratung und Begleitung. Und wenn die erste Mediation gut verlief, dann ist es auch möglich, dass man in die nächsten Phasen eingebunden wird. Es sollte nur nicht miteinander funktional verkoppelt werden, denn die erste Frage ist schon schwierig genug.
[17:51] Das wäre so eine stufenförmige Mischform zwischen beiden. Eine andere Art, wo sich das überlappt, wäre eine Deal-Mediation, wie mein Kollege Jörg Schneider-Protmann das benannt hat. Deal-Mediation, also eine Mediation ohne Konflikt, weil die zugrunde liegende Arbeitsbeziehung ein umfangreiches Vertragswerk, eine lange Projektphase, das war klassisch in IT-Projekten da der Fall. Wobei also viele Menschen miteinander dann koordiniert werden mussten und sich koordinieren wollten. Und hier hat man auch Entscheidungsmediation und Gestaltungsmediation überlappend miteinander. Und es geht eher darum zu gucken, nicht in Eskalationsmomente zu kommen, die das Gesamtprojekt infrage stellten, sondern frühzeitig gut miteinander umzusetzen.
[18:53] Aushandelnd den gemeinsamen Weg festlegen. Also auch diese Form würde ich hier als Mischform beschreiben wollen.
[19:02] Ganz ähnlich habe ich so eine Überlappung momentan in einer privaten Mediation. Eine Großfamilie hat eine Immobilie im Ausland lange Jahre als Familienurlaubsort, unterhalten und auch vermietet an andere große Gruppen. Und nun steht dort an, dass die bisherigen Routinen und Abläufe so nicht mehr beibehalten werden können. Die Elterngeneration wird diese Arbeit nicht mehr fortführen, die dort notwendig ist, um das so zu unterhalten. Und die Frage ist, was macht man jetzt damit? Und spielen ganz viele Dinge rein, aber am Ende bleibt es erstmal diese Frage, was wird damit gemacht? Und es muss entschieden werden, mit allem Führen wieder. Und gleichwohl wird dann im Nachgang auch noch vonnöten sein, zu schauen, was braucht es für einen guten weiteren Umgang unter neuen Bedingungen und unter neuen Rahmen, der sich entwickelt hat. Und da überlappen sich auch die Entscheidungsmediation zu Beginn und die Gestaltungsmediation, der neuen Form des Zusammenlebens und Koordinierens. Vielen Dank.
[20:23] Ja, für die Mediationsperson ist diese Unterscheidung wichtig, für die Klienten nicht. Die werden sozusagen dahingehend beraten, aber die Mediationsperson ist gut beraten, sich das als Daueraufgabe zu machen, zu gucken, was ist das hier für eine Mediation, was ist die passende Art der Mediation auch. Gilt es, in Absprache mit den Klienten die Aufgaben für die Mediation zu begrenzen und das als Entscheidungsmediation zu konzipieren, damit diese Entscheidung getroffen wird und all die Themen, die manchmal argumentativ hinzugebracht werden, als Ablenkungsmanöver nicht zuzulassen, damit eben das Muster unterbrochen wird, die Entscheidung immer wieder zu vertagen, dann als Entscheidungsmediation konzipieren. Oder ist es mehr eine Gestaltungsmediation und Bedarf eines Begleitprozesses, bei dem, Entscheidungen getroffen werden, geguckt werden, ob sie tragfähig sind, nachjustiert werden müssen, fein justiert werden müssen und die Vorstellung, das Ganze ist möglich.
[21:31] In einer Entscheidungsmediation abzuhandeln, dass die konfrontiert wird. Nicht selten bei Arbeitsplatzmediation, wo sich Beteiligte über Jahre hinweg oder Monate hinweg das Leben schwer gemacht haben und immer weiter ungute Arbeitsprozesse etabliert haben. Und dann setzt man sich also mal einen Tag zusammen oder zwei Tage, klärt alles auf und dann ist allen alles klar und dann läuft auch die Zusammenarbeit von jetzt auf gleich wieder. Das entspricht meist nicht der praktischen Erfahrung von Teammitgliedern und, Personen im Arbeitsgeschehen. Und das ist kein Beweis dafür, dass noch nicht die richtige Klärungsarbeit geleistet wurde, sondern das wäre eher kränkend, dass innerhalb eines ganz begrenzten Zeitraums, ganze Jahre des Abarbeitens plötzlich abgeschlossen werden können.
[22:30] Sondern es gilt dort eher eine Gestaltungsmediation zu organisieren und erste Entscheidungen begleitend bei der Umsetzung zu prüfen, fein zu justieren und nachzusteuern. Und diese Arbeit, was ist es und was ist zu empfehlen, ist Beratungsarbeit von Mediatoren, bei der sie nicht einfach sagen können, wir haben die Prozesshoheit, macht was ich will. Sondern das ist miteinander auszuhandeln, zu empfehlen, zu gucken, wo ist Widerstand, wo sind Bedenken, und wie gehen wir gemeinsam damit um, dass wir einen guten Mediations- bzw. Beratungsprozess durchführen.
[23:13] Also die Abschlussvereinbarung, zum Schluss die Zusammenfassung hier, hat nicht in jeder Mediation dieselbe Funktion.
[23:21] Manchmal hat sie die Funktion, die Entscheidung zu dokumentieren und die ganze Arbeit ist darauf gerichtet, diese Entscheidung zu finden. Und manchmal ist die Entscheidung nicht so hoch zu hängen, sondern eher ein Auftakt für die Arbeit, die danach stattfindet, bei der also auch die Mediationsperson eher den Blick auf die Zeiträume nach der Entscheidung zu richten hat und dort einen guten Beratungsprozess als Mediationsprozess zu organisieren. Und es gibt die stufenförmigen Vermischungen, von denen ich auch hier berichtet habe. Damit bleibt festzuhalten, es gibt Mediationen, die mit der Vereinbarung enden und alle Arbeit getan ist. Und es gibt Mediationen, da ist die Vereinbarung nicht die ganze Arbeit, sondern nur der Auftakt für das Arbeitsprogramm.
[24:15] Und es ist nicht die schlechteste Idee, dass da der Mediator mit dabei ist. Das war es für dieses Mal von meiner Seite. Wenn dir das bekannt vorkam oder du auch Ergänzungen und nochmal neue Ideen hast, die du hier an und einbauen konntest, dann lass es mich wissen. Schreib mir. Oder auch, wenn dir noch was unklar geblieben ist und du nicht einordnen konntest, was ich hier angeboten habe, dann schreib mir auch und lass es mich wissen. Dann kann ich das hier nochmal aufnehmen.
[24:49] Vielen Dank fürs Zuhören, dass du hier wohl mit dabei warst und vielleicht auch für deine Fälle die ein oder andere Idee entwickeln konntest, weiterspinnen konntest und Entscheidungen treffen kannst und natürlich auch gut umsetzen. Ich wünsche gutes Gelingen, bis zum nächsten Mal und vergiss nicht, diesen Podcast hier zu empfehlen, zu unterstützen in Form eines Feedbacks und einer Sternebewertung, zum Beispiel bei Apple Podcast. Auf Google Business ist es möglich oder jetzt auch ganz ausführlich besser bei Spotify nicht nur eine Sternebewertung, sondern auch eine Kommentierungsfunktion möglich. Da hat sich Spotify also auch weiterentwickelt. Beste Grüße, beste Wünsche. Bis zum nächsten Mal. Kommt gut durch die Zeit. Ich bin Sascha Weigel.
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