
#43 EdM
Die Organisation, die Mediation beauftragt, bindet sich
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Summary
Anhand eines Forschungsinstituts mit einem langjährigen Konflikt zwischen der Verwaltungsleitung und der Leitung eines wichtigen Arbeitsbereichs zeige ich, wie sich der Streit auch auf die Mitarbeitenden und deren Zusammenarbeit auswirkt.
Wir erläutern drei Botschaften, die mit einem Mediationsauftrag verbunden sind:
- Das Organisationsproblem: Die Organisation macht deutlich, dass sie die bestehende Zusammenarbeit als Problem wahrnimmt und eine Veränderung erwartet.
- Das Organisationsinstrument Mediation: Sie stellt den Beteiligten Zeit, finanzielle Mittel und externe Unterstützung zur Verfügung, damit diese einen Lösungsvorschlag erarbeiten können.
- Die Organisationsentschlossenheit: Zugleich übernimmt die Organisation Verantwortung dafür, selbst zu entscheiden, wenn die Mediation keine tragfähige Lösung hervorbringt. Diese Rahmenbedingung ist enorm wichtig. Daraus folgt, dass die Mitarbeitenden bzw. Mediationsteilnehmer in der Sache Vorschläge und Lösungsideen entwickeln sollen. Ob sie angenommen und umgesetzt werden, entscheidet die Organisation.Ein wichtiger Teil der Auftragsklärung ist daher, mit den Auftraggebenden zu besprechen, was sie tun würden, falls die Mediation scheitert. Wenn ein konkreter Plan B bereits bekannt ist, kann das die Bereitschaft der Beteiligten zur Mediation verringern. Wir empfehlen deshalb, die möglichen Konsequenzen nicht vorab festzulegen oder den Beteiligten mitzuteilen, sondern offenzulassen, dass die Organisation später anhand ihrer eigenen Interessen entscheidet (Strategische Ambivalenz!).Wir beschreiben, warum das Auftragsklärungs- und Übergabegespräch vor dem Einbeziehen der Konfliktparteien stattfinden sollte. In der Organisationsmediation ist die Organisation Auftraggeberin; die Beteiligten gehen dagegen ein zeitweiliges Arbeitsbündnis ein, auch wenn ihr Arbeitsverhältnis den Rahmen dafür bereits vorgibt. Die Vorbereitung durch Mediatorinnen und Mediatoren und die Klärung der Verantwortung der Organisation bilden damit die Grundlage für die späteren Vermittlungsgespräche.
Chapter
0:17 Organisationsmediation: Der Auftrag bindet
1:20 Ein Konflikt im Forschungsinstitut
3:24 Was der Mediationsauftrag bedeutet
7:38 Plan B und strategische Ungewissheit
10:09 Auftrag klären, Verantwortung übernehmen
11:30 Organisationsmediation im Unterschied
12:03 Abschluss und gute Wünsche

Grundlage: Elemente der Mediation
vollständiges Transkript der Episode
[0:17] Das ist Folge 43. Die Organisation, die Mediation beauftragt, bindet sich. Und das will gut überlegt sein. Ich möchte euch heute an einem Fall darlegen, was denn tatsächlich noch alles geschieht, wenn eine Mediation, durch die Organisation beauftragt wird, weil sie einen Konflikt wahrgenommen hat und gesagt hat, da müssen wir jetzt was tun, entweder von sich aus heraus oder weil die Beteiligten sagen, bitte, kümmert euch mal hier drum, das kann so nicht weitergehen. Und diese Dinge, die da passieren, sind nicht immer klar im Bewusstsein der Beteiligten. Und das hat dann erhöhten Arbeitsaufwand für den Mediator zur Folge. Ich will folgenden Fall zugrunde legen und ich konnte jetzt aus einer Vielzahl von Fällen auswählen. Das eine oder andere wird sicherlich vermischt. Ich will es aber dennoch so darstellen, als wenn es ein Fall ist, spielen natürlich mehrere eine Rolle.
[1:21] Es war ein Forschungsinstitut, Streit, Konflikt, allseits bekannt zwischen der Verwaltungsleitung und der Leitung eines ganz spezifischen Bereiches, des Rheinraumes. Also der Rheinraum ist ein ganz wichtiges Arbeitsfeld dort gewesen in der Organisation. Und die Leitungspersonen haben sich lautstark gestritten, mehrmals über lange Zeit. Mit jedem war klar, die können sich nicht riechen. Es war unklar, ob das jemals anders war. Wer neu ins Institut hinzugekommen ist, hat das schnell mitbekommen. Mit den beiden, da brennt die Luft. Sowohl in den Meetings, wo Leitungspersonen zusammenkommen, als in einzelnen Projekten, wo diese Personen dann auch zusammengekommen sind. Und selbst die Mitarbeiter der einzelnen Bereiche, auf die färbte das auch schon ab, sowohl in der Form, dass sie sich verbünden, weil ihre Chefs und Vorgesetzten es so eskalierend ausleben, als aber auch, dass sie selber sich separieren und Loyalitäten dort belebt haben.
[2:30] Mich hat die Personalabteilung kontaktiert, dass es dort also einen Konflikt gibt, der bearbeitet werden muss und, über diese Personalabteilung bin ich dann mit der Institutsleitung in Kontakt getreten und da fand dann das Auftragsklärungsgespräch statt. Also Institutsleitung, Personalleitung und ich, in einem ersten Termin. Das habe ich so auch organisiert. Da sollten noch nicht die beiden Leitungspersonen, mit dazukommen, sondern es geht erst noch in der Auftragsklärungsphase darum, klarzubekommen, worum es hier geht. In diesem Bereich habe ich auch nur nebenbei direkt nach der Mitarbeitervertretung gefragt, denn es ist optimal, wenn diese Mitarbeitervertretung auch als Auftraggeberperson.
[3:17] Mit auftritt, sodass klar ist, die Organisation möchte, dass diese Situation geändert wird. Und da entstehen jetzt gleich auch die ersten zu klärenden Probleme. Drei sind es an der Zahl. Das erste ist, die Organisation, die also plant, eine Mediation hier durchzuführen mit Hilfe externer Unterstützung, ganz besonders deutlich, macht klar, wir als Organisation nehmen diesen Konflikt als Problem wahr. Die Organisation hat ein Problem mit dieser Konfliktsituation und möchte das ändern. Da es sich um Fragen der Zusammenarbeit dreht und um Fragen, bei denen die Personen, die handelnden Personen, die Experten auch für Veränderung sind.
[4:06] Macht die Mediation auch deutlich oder macht die Organisation mit der Mediation deutlich, Bitte löst diese Situation auf, löst dieses Problem, das wir wahrnehmen. Und macht Vorschläge dafür. Ob wir sie als Organisation umsetzen, hängt dann davon ab, ob wir den Vorschlag annehmen können. Wir können nicht alles annehmen. Und sicherlich braucht es auch nicht immer die Organisation, die bei einer solchen Auflösung der Problem- bzw. Konfliktsituation gefragt wird. Aber nicht selten muss die Organisation etwas beitragen dazu, das nicht allein in den Händen der Konfliktbeteiligten liegt.
[4:51] Und drittens, neben der Problemansprache, Problemübernahme und des Lösungsauftrages, macht die Mediationsbeauftragung deutlich, wir übernehmen Verantwortung für die Entscheidung. Wir wollen unser Problem lösen, dass dieser Konflikt darstellt. Und da findet dann eine Bindung statt, die Auftraggeberpersonen wissen müssen. Wenn Sie die Mediation beauftragen, Sie lassen sie durchführen und es kommt nicht zu einem Lösungsvorschlag, die Mediation ist sozusagen nicht erfolgreich, dann kann die Organisation nicht einfach sagen, schade, dann halt nicht. Sondern dann ist ihre Entscheidung gefragt, die vielleicht für die Beteiligten suboptimal ist, die aber ihr Problem löst. Wenn das die Organisation, also die Auftraggeberperson nicht macht im Nachgang, dann braucht man eine Mediation hier nochmal ansetzen. Dann muss man nämlich sie einfach nur aussetzen als Beteiligter und das wäre problematisch für das Instrument der Organisation namens Mediation.
[6:04] Also um diese drei Elemente geht es, wenn eine Organisation Mediation beauftragt. Nummer eins, so wie ihr miteinander arbeitet, sind wir nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil, das ruft unsere Fürsorgepflicht auf den Plan. So können wir es nicht weiter laufen lassen. Ansage Nummer eins. Ansage Nummer zwei ist, wir öffnen euch einen gewährenden Raum namens Mediation. Da findet ihr Zeit, euren Lösungsvorschlag spezifisch für eure Problemlage zu bearbeiten und wir stellen euch jemanden zur Verfügung, der euch hilft, zu entschleunigen und nicht hoch zu eskalieren. Wir wissen, wir sind alle Menschen, das ist problematisch, daher stellen wir Hilfe zur Verfügung. Bitte nehmt diese Hilfe in Anspruch. Das erwarten wir von euch aufgrund des Arbeitsvertrages, den wir mit euch haben. Das ist formalisiert praktisch die Ansage und Erwartungshaltung der Organisation. Und drittens, wenn ihr nach absehbarer Zeit die Ressourcen, die wir also zur Verfügung stellen an Zeit und Geld für diese Mediationsgewährung.
[7:17] Wenn dann kein Vorschlag kommt von euch, dann ist klar, wir entscheiden dann. Und das mag dann nicht mehr ganz optimal aus eurer Perspektive sein, aber wir müssen dann unser Problem lösen. Und unser Problem mit eurer Arbeitsweise ist ein anderes Problem, als ihr vielleicht miteinander habt.
[7:38] Und bei diesem dritten Thema taucht regelmäßig eine Fragestellung auf. Gute Führungskräfte haben immer einen Plan B und wissen, was sie tun, wenn was scheitert. Und nicht selten haben sie das auch schon kommuniziert. Das sollte zumindest ein Mediator fragen in der Auftragsklärung, noch bevor die Beteiligten anwesend sind. Wissen sie, was sie tun werden, wenn diese Beteiligten ihren Konflikt nicht lösen, sodass das Problem für sie als Organisationsverantwortlicher noch besteht? Und glauben sie, dass die wissen, was sie dann tun werden? Und dann wäre es schön, wenn er sowas sagt wie, nein, das habe ich auch noch nicht entschieden oder auch noch nicht kommuniziert. Weil dann können tatsächlich die Beteiligten in einer gewissen, ich sage mal, strategischen Ambivalenz bleiben, dass unklar ist, was würden die Organisationen tun, wenn ich mich mit meinem Kollegen nicht einige? Und diese Ungewissheit wird benötigt, damit der nötige Anschub für die Mediationsgespräche auch besteht.
[8:47] Wenn die Beteiligten sich ausrechnen und darüber machen die sich Gedanken, was geschieht denn hier, wenn wir nicht in der Mediation zu einer Einigung kommen, zu einem passenden Lösungsvorschlag, wer hat denn dann hier das Problem, weil man irgendwie abschätzen kann, was der Chef dann tun wird, dann ist die Motivation für die Mediation de facto herabgesetzt. Daher empfehle ich immer den Führungskräften, den Auftraggebern, die eine Mediation beauftragen, in diesem Auftragsklärungs- und Übergabegespräch, den Konfliktbeteiligten, ja nicht zu vermitteln, was sie tun werden, wenn diese Mediation nicht erfolgreich ist. Sondern Sie sollten beiden Seiten deutlich machen, dass das noch nicht entschieden ist und auch unabhängig von Ihren Interessen letztlich dann entschieden wird. Dann zählen nur die Interessen der Organisation.
[9:45] Das fällt nicht jeder Auftraggeberperson leicht. Und manchmal gefällt sie sich sogar darin, dass sie schon eine Entscheidung für diesen Fall, einen Plan B schon getroffen hat und erkennen nicht, dass sie damit paradoxerweise, die Mediationsmotivation durchaus konterkarieren.
[10:10] Deshalb ist das Auftragsklärungsgespräch mit dem Mediator oder Mediatorin so enorm wichtig, dass das vorher geschieht, ehe die beteiligten Konfliktparteien hinzukommen und dann der Auftrag, vergeben wird, konkretisiert wird sowohl an die Mitarbeiter als auch an den Mediator, jeweils im Angesicht der anderen Personen.
[10:35] Das ist die gesamte Bindungswirkung, die eine Organisation eingeht, oder hervorruft, wenn sie einen Mediationsauftrag vergibt und eine Veränderung des Status quo Konflikt auch wirklich herbeiführen will. Gebt darauf Acht, wenn ihr als Mediatoren angefragt werdet und beansprucht, fordert eure Auftraggeber in dieser Hinsicht. Packt sie nicht in Watte, macht ihnen nicht das Leben zu leicht. Das ist eine entscheidende Situation zu Beginn des Mediationsauftrages und noch vor den eigentlichen Vermittlungsgesprächen. Wie das so häufig ist in Organisationsmediation, die eigentlichen Vermittlungsgespräche sind die Ernte.
[11:25] Der Lohn. Die Arbeit, sich dahin zu arbeiten, das findet vorher statt.
[11:31] Und das unterscheidet auch eine Organisationsmediation von einer klassischen Mediation, bei der die Konfliktparteien auch gleichzeitig die auftraggebenden Personen sind.
[11:41] Bei einer Organisationsmediation ist die Organisation die auftraggebende Person. Und die konkreten Konfliktbeteiligten gehen ein zeitweises Arbeitsbündnis ein. Sie können natürlich Nein sagen, aber Sie haben einen Kontext schon kreiert mit Ihrem Arbeitsvertrag, der konfigurierend wirkt.
[12:04] Das soll es für dieses Mal gewesen sein. Vielen Dank fürs Zuhören. Und vielleicht konntest Du hier die eine oder andere Idee für einen Deiner Fälle entwickeln oder weiterspinnen oder auch Entscheidungen treffen, die dann in Deiner Beratungs- und Vermittlungsarbeit konkret angewendet werden. Ich wünsche dir gutes Gelingen und wenn dir dieser Podcast hilft oder sogar gefällt, dann hinterlass noch ein Feedback, eine Sternebewertung auf den Podcast-Catchern deiner Wahl. Das hilft diesem Podcast und mir natürlich auch. Besten Dank, komm gut durch die Zeit. Ich bin Sascha Weigel, dein Host von INKOVEMA und Partner für professionelle Mediations- und Coaching-Ausbildungen.
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