#294 GddZ – Unlösbare Konfliktlagen im Krankenhaus. Im Gespräch mit Prof. Dr. Werner Vogd

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Title

#294 GddZ – Unlösbare Konfliktlagen im Krankenhaus

Grenzen der Grenzenlosigkeit

Im Gespräch mit Prof. Werner Vogd

Biologe und Soziologe. Seit 2008 leitet er den Lehrstuhl für Soziologie an der Universität Witten/Herdecke.
Nach seinem Biologiestudium in Konstanz und Berlin promovierte er 1995 an der Universität Ulm im Grenzbereich von Erkenntnistheorie und Buddhismus. Es folgten Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Ulm, München und Berlin. 2004 habilitierte er sich im Fach Soziologie über Entscheidungsprozesse in Krankenhäusern. Seine heutigen Forschungsschwerpunkte liegen in der Systemtheorie, der Medizin- und Organisationssoziologie sowie der Mensch-Maschine-Interaktion.

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Contents

Chapter

  • 0:20 Einführung: Sisyphos im Krankenhaus
  • 3:40 Karriere im Krankenhaus
  • 6:04 Von Qualität zu DRG-Druck
  • 9:10 Beginn der Ökonomisierung
  • 13:23 Personalnot und Dauerstress
  • 16:34 Systemlogiken im Konflikt
  • 21:36 Medizin als Wachstumsmaschine
  • 25:50 Die Falle für Führungskräfte
  • 27:47 Dunkle Triade im Management
  • 31:10 Sisyphos und Camus
  • 35:07 Glück trotz Druck
  • 39:35 Zynismus, Angst, Rückzug
  • 42:57 Wenn Sündenböcke entstehen
  • 45:34 Mediation als Entlastung
  • 49:01 Unerklärbarer Ekel
  • 49:22 Fazit und Abschied

Summary

In dieser Folge spreche ich mit Prof. Werner Vogd über Krankenhäuser als Organisationen unter dauerhaftem Druck. Im Mittelpunkt steht sein Aufsatz über „Sisyphos im Krankenhaus“ (ZOE) und die Frage, wie Management, Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte mit unlösbaren Konfliktlagen umgehen.

Wir ordnen zunächst die Entwicklung des Krankenhauswesens in den letzten Jahrzehnten ein. Thematisiert werden die Ökonomisierung, Regulierung und Verrechtlichung des Systems sowie die Einführung von DRGs (DRG-System  = Diagnosis Related Groups, auf Deutsch: diagnosebezogene Fallgruppen, das ist das Abrechnungssystem für stationäre Krankenhausleistungen in Deutschland), die Krankenhäuser vergleichbar machen und gleichzeitig wirtschaftlich unter Druck setzen. Daraus entsteht ein permanenter Stress durch Kostendruck, Fallpauschalen, Prüfungen und den Versuch, Vorgaben zu erfüllen oder zu umgehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Lage des Personals. Wir sprechen über Personalnot, verdichtete Arbeit, Teilzeit als Schutz vor Überlastung und die Folgen für Besetzungen und Abläufe. Dabei wird deutlich, dass viele Konflikte in Krankenhäusern nicht isoliert sind, sondern aus dieser dauerhaften Überforderung entstehen.

Professor Vogd erläutert außerdem seine soziologische Perspektive auf Medizin, Recht, Wissenschaft und Ökonomie als Systeme mit eigener Logik, die jeweils Wachstum verlangen. Die Medizin wird dabei als Erfolgsprojekt beschrieben, das viele Krankheiten behandelbar gemacht hat, aber zugleich zu mehr chronischen Erkrankungen, höherem Alter und damit zu weiter wachsendem Aufwand führt.

Zum Schluss geht es um Führung und Umgangsweisen mit dieser Situation. Besprochen werden unlösbare Managementaufgaben, mögliche Persönlichkeitsmuster von Führungskräften, soziale Dynamiken wie Sündenbockmechanismen sowie die Frage, wie trotz aller Belastung menschliches Handeln und ein begrenztes Maß an Gelassenheit möglich bleiben.

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